Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Per Bus und Rad durch Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

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SchmetterlingAm Busbahnhof von Puerto Iguazu sehen wir zum ersten Mal das Hauptverkehrsmittel Argentiniens, den modernen Reisebus. Waren wir in Brasilien doch schon arg überrascht über den relativ guten Komfort und freundlichen Service, so herrscht in argentinischen Bussen anscheinend der Luxus pur. Es gibt mehrere Sorten von Sitzen, die da heißen: Cama, Coche Cama, Semi-Cama und Premiere Classe. Da für uns Europäer natürlich auch die exklusivsten Sitzgelegenheiten erschwinglich sind, nehmen wir uns vor, diese auch mal zu testen. Doch uns schwant böses, wenn es um unser Gepäck geht. Im Gegensatz zu den Bussen Brasiliens sind es in Argentinien fast Orangenbaumnur Doppeldecker. Das bedeutet, es gibt weniger Stauraum. Während im nördlichen Nachbarland auch noch mal eben Kühlschränke oder ähnlich sperriges Zeug eingepackt werden kann und wir an den dortigen Bahnhöfen wahre Berge von Kartons sahen, die alle noch irgendwie in den Bus hinein passten, so stehen in Argentinien jedem Reisenden nur zwei Gepäckstücke zu. Da werden wir wohl nicht mit durchkommen, wenn wir sagen, dass wir jeder „nur“ ein 50 kg schweres Fahrrad haben, jeweils bepackt mit vier Taschen und zwei Seesäcken.

Südamerikanische PflanzeNun, an den verschiedensten Schaltern fragen wir uns durch und eine nette Frau nimmt sich außerordentlich viel Zeit um unser weiteres Fortkommen zu klären. Am Ende stehen wir da mit Ticketinformationen der polnisch klingenden Busgesellschaft Horianski, die uns nach San Ignacio bringen soll.

CHAOS AM BUSBAHNHOF

Fahrrad von Brasilien nach ArgentinienMorgens um 20 nach 8 soll es losgehen, doch als wir mit unseren Rädern auftauchen, empfiehlt man uns dringend, den größeren 9-Uhr-Bus zu benutzen. Na, dann hören wir mal auf die Leute, kaufen uns um 7.45 Uhr Tickets für 9 Uhr, sehen den tatsächlich sehr kleinen Bus von 20 nach 8 , warten brav und erhalten schließlich die Auskunft, dass der 9-Uhr-Bus ausfällt, wir aber den Bus um viertel vor 10 nehmen könnten. Also Am Grenzübergangtauschten wir die Tickets um und hoffen, die Räder nicht noch auseinander nehmen zu müssen. Doch wir haben Glück und können so alles nach 2 Stunden Wartezeit problemlos in den Bus hieven. Rund 5 Stunden sitzen wir im Bus, was für argentinische Verhältnisse gar nichts ist und werden mit kostenlosem Kaffee und Dauerberieselung von Jim Carrey-Filmen versorgt. Der Steward teilt auch Becher mit giftgrüner Flüssigkeit aus. Obwohl es wie Kühlflüssigkeit aussieht, probiere ich davon Nummernschildund stelle mit verzerrtem Gesicht fest, dass es sich um Likör handelt.

Rechts und links der Straße sehen wir rote Asche auf der Erde und sind angesichts der schmalen und viel befahrenen Straße froh, dort nicht entlang zu radeln.

RaupeAls einzige Passagiere spuckt uns der Bus in einer Kleinstadt, fast einem Dorf, aus. Ähnlich wie in Brasilia wundern wir uns, da wir mehr Touristen erwarteten. Immerhin befinden sich in San Ignacio die berühmten Jesuitenreduktionen, Ruinen früherer Missionarshäuser.

El PracticoWieder einmal bepacken wir die Fahrräder und schieben sie genau gegenüber der Kreuzung zu einem Hotel. Nachdem wir uns dort günstig einquartiert und das Internet genutzt haben, machen wir uns auf den Weg zum Ruinenfeld.

Argentinische FlaggeVor dem Haupteingang lassen zahlreiche Reisebusse die Motoren laufen, während sich die dazugehörigen Insassen zwischen den sandsteinfarbenen Mauerresten hindurch bewegen. Zudem gibt es dort einige Restaurants und natürlich zahlreichen Souvenirstände. Es ist kurios; Unsere Unterkunft befindet sich lediglich 200 m von den Ruinen entfernt. Doch dort ist nicht, rein gar nichts. Eher beschleicht einen das Gefühl, Schlafender Hundin einer staubigen, alten Geisterstadt zu sein, während sich in geringer Entfernung ein heilloses Durcheinander von Touristen befindet.

FrüchteDiese wiederum bekommen nichts von dem Ort mit, weil sie geradewegs bis zum Tor kutschiert werden. Diesem Phänomen, dass in Argentinien anscheinend alles nur über geführte Touren läuft, begegnen wir noch des Öfteren.

Große AmeiseDie teilweise überwucherten Mauerreste sind schön anzuschauen und besonders im Licht der Nachmittagssonne schimmern die Wände in einem schönen rot-braunen Farbton. Mitten auf einer Wiese zwischen den Ruinen brütet ein Vogel und ruft bei unserem Dreiländereckunbeabsichtigten Näherkommen nach seinem Partner. Der kommt auch direkt angeflogen, geradewegs auf uns zu, um einen Angriff zu simulieren. Aber wir hatben ja verstanden, hoffen aber, dass die Touristenströme, die sich noch hinter uns Dreiländereck Argentinien Brasilien Paraguaybefinden, auch verstehen und das brütende Federtier in Ruhe lassen.

Abends spüre ich, nicht zum ersten Mal, dass die Welt im Zuge der Globalisierung immer kleiner wird. Ich sitze im Hotel am Computer Nationalpark Iguazuund während draußen die Hunde bellen, treffe ich zufällig meine Mutter. Und zwar online im Netz beim Spielen von Rummikub, dem Kartenspiel. Es ist einerseits erstaunlich, andererseits erschreckend, wie die Welt zusammenwächst und man mittels modernster Technik kommunizieren kann, als sei man im selben Raum, wobei über 15.000 km zwischen uns liegen. Ich erinnere mich noch gut, an diverse Urlaube an der Wasserfall El DiabloNordseeküste, wo man lange vor den Telefonzellen stand, um die Lieben zuhause anzurufen und man gleichzeitig hoffte, dass die Telefonverbindung klar und deutlich ist. Und heute? Heute sitzt man auf der anderen Seite der Erde, klickt gelangweilt im Internet herum, trifft seine Mutter und fragt, als wäre es da Normalste der Welt: „Kann ich mitspielen?“

 

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