Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Per Bus und Rad durch Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

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Nationalpark IguazuWir blicken einmal kurz in das Hotelzimmer, lehnen es aber ab, weil es uns einfach nicht zusagte. Dabei versuchen wir dem Anwerber klar zu machen, dass wir lieber auf eigene Faust ein Hotel ausfindig machen möchten. Irgendwann hat er das auch akzeptiert, aber als wir dann durch die Straßen gehen, bleiben wir nicht lange alleine, denn schon der nächste Anwerber kommt auf uns zu. Letztendlich finden wir ein preisgünstiges Hotel mit eigenem Innenhof für die Räder.

NASENBÄREN STEHLEN TREKKINGRUCKSÄCKE

Mit dem Linienbus machen wir uns noch am selben Tag auf den Weg zu den berühmten Wasserfällen. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Gebiet mit zahlreichen tosenden Wasserfällen in wunderschöner subtropischer Landschaft, das Nasenbären fressen Proviantsich genau auf dem Grenzgebiet von Brasilien und Argentinien erstreckt. Dementsprechend haben beide Staaten das Areal jeweils zum Nationalpark erklärt. Es handelt sich zwar um einen typischen Touristentreffpunkt, ist aber ein Muss, wenn man in den beiden Ländern unterwegs ist. Putzig sind dabei die frei herum laufenden Nasenbären, die sich auf alles stürzen, was irgendwie essbar ist. Wir können beobachten, wie einem Rennender NasenbärTouristen in Sekundenschnelle der Trekkingrucksack entrissen wird. Die flinken Tierchen freuen sich sehr über den enthaltenen Proviant.

Von brasilianischer Seite aus hat man einen guten Gesamtüberblick auf die Abbruchkanten über die das viele Wasser nach unten stürzt, während man im argentinischen Park mehr inmitten des Geschehens ist. Doch innerhalb des Parks kann man –schon alleine wegen des Wassers- nicht die Grenze Gefräßigüberschreiten.

Sehr auffällig ist die Tatsache, dass im Nationalpark der Müll getrennt. Wenn man 4.000 km durch Brasilien gefahren ist, wundert man sich schon, dass Mülltrennung bekannt ist und wie der getrennte Müll recycelt wird. Und zudem bleibt die Frage bestehen, warum das nur dort vor den Augen der Touristen möglich ist und nicht auch im Rest des Landes?

Nasenbär vor den WasserfällenAbends machen wir noch Einkäufe in einem Supermarkt, der wieder einmal sehr an europäische Supermärkte erinnert. Interessanterweise tragen die Verkäufer, die mit offenen Lebensmitteln hantieren, nicht nur Handschuhe, sondern auch einen Mundschutz.

CataratasAm nächsten Morgen warnt uns der Rezeptionist, wie schon der Mann im Busbahnhof von Brasilia, vor dem Besuch des Stadtzentrums. Richtig besuchen wollen wir es aber auch gar nicht, doch auf dem Weg zum Grenzübergang nach Argentinien müssen wir halt dadurch. Und natürlich dort, ausgerechnet zwischen den vielen Menschen in Downtown mussten wir zweimal anhalten. Einmal blockierte meine Bremse, weil ich beim Packen den Spanngurt falsch festgezurrt habe und so das Fahrrad mal eben neu packen muss und ein anderes Mal springt mir ausgerechnet an einer völlig überfüllten und lauten Bushaltestelle die Kette ab.

WasserfallTrotzdem erreichen wir sicher und unbeschadet die Grenze und radeln fast am brasilianischen Grenzhäuschen vorbei, weil wir annehmen, es sei bloß eine Art Mautstelle, die nicht für uns gilt.

Schlucht der Iguazu-FälleEigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass weltweit an jedem Grenzhäuschen stolz die Nationalflagge weht – hier nicht.

Schnell bekommen wir die Stempel in den Pass, radeln einen Kilometer über eine Brücke, die argentinisch-brasilianischen Farben bemalt ist und erhalten ebenso schnell auf der anderen Seite unseren argentinischen Einreisestempel. Nachdem wir unser letztes Geld aus Brasilien wechseln, rollen wir hinab nach Puerto Iguazu, dem argentinischen Pendant von Foz do Iguacu.

SchluchtDie Dame im Hotel Parana ist sehr freundlich und freut sich, dass wir beide aus den exotischen Ländern Polen und Deutschland zwei Nächte bleiben wollen. Am Nachmittag spazieren wir zunächst zum Dreiländereck, das von zwei Flüssen geteilt ist. Jedes angrenzende Land (Paraguay, Brasilien, Argentinien) hat eine Art Obelisk in der jeweiligen Landesfarbe auf sein Territorium gestellt. Trotz Touristenort gefällt es uns recht gut in Puerto Iguazu, wir staunen über die laute Musik aus den Autos, die den nächsten Wahlkampf ankündigen und gehen abends in ein gemütliches Straßenrestaurant, wo ein großes Bier aus einer Einliter-Flasche besteht.

GeierAm nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus „El Practico“ zum argentinischen Teil des Nationalparks, der wesentlich größer ist. Hier fühle ich mich zum ersten Mal auf der Reise ein klein wenig ausgenommen. Besucher, die in der Region wohnen, zahlen 6 Peso, Argentinier 12, Touristen aus den Nachbarländern Brasilien, Uruguay und Regenbogen durch die GischtPararguay 18 Peso. Tja, und die reichen Touristen von ganz weit weg, müssen 30 Peso Eintritt bezahlen. Am Parkeingang steigt man zunächst in einem Bummelzug, der einen zu einem 1 km langen Steg bringt. Diesen begehen wir bis zum Wasserfall El Diablo, dem größten von allen, aber halt nur einer von unzählig vielen. Sehr schön ist der Rundgang durch die vielen Wasserfälle. Es beeindruckt uns sehr, aber auf die Fahrt mit dem Boot unterhalb der Fälle verzichten wir dennoch. Neben den Nasenbären gibt es hier auch viele Schmetterlinge, die man natürlich nicht berühren darf. Wir finden das ungerecht, denn umgekehrt berühren sie uns ja auch ständig. Wir können und wollen uns nicht wehren, aber plötzlich haben wir Schmetterlinge auf der Hand, auf der Schulter, an der Hose, einfach überall.

WassermassenNachmittags kaufen wir bereits unser drittes Paar Schuhe auf der gesamten Reise seit Deutschland. Die anderen beiden Paare waren schon zerschlissen, woran man gut erkennen kann, wie viele Kilometer wir seit dem Start in Essen auch schon zu Fuß zurücklegten.

NationalparkDoch der Kauf ist nicht mit dem zu vergleichen, was man in Deutschland unter Schuhkauf versteht. In dem Geschäft liegen die Schuhe wahllos und völlig unsortiert durcheinander und statt dass wir uns die Schuhe selbst aussuchen könnten, bringt die Verkäuferin aus dem Lager immer irgendeinen Schuh, bei dem sie der Ansicht ist, er könne uns gefallen. Irgendwann war uns die Optik des Schuhs egal und nach dem x-ten Paar, das uns gezeigt wird, kaufen wir einfach – Hauptsache es passt.

 

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