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Brasilia ist wohl eine der merkwürdigsten Städte der Welt. Am Reißbrett entworfen und von heute auf morgen im letzten Jahrhundert erbaut, präsentiert es sich in mehreren Vierteln. Die Straßen haben dabei so merkwürdige Namen wie Qz7DrB3 oder so ähnlich. Das erste Viertel, das wir erreichen, ist das Hotelviertel. Im anscheinend teuersten Hotel der Stadt fragen wir nach einem günstigen Hotel. Wie wäre das wohl in Deutschland, wenn zwei verlumpte und staubige Radfahrer im Sheraton Essen ankämen und nach einer günstigen Unterkunft außerhalb des Hotels fragen würden?
Freundlich antworten die netten Brasilianer an der Rezeption und empfehlen uns etwas kleines zwei Straßen weiter. Dort nimmt man uns gerne auf und hilft uns sogar dabei unsere Räder in unser Hotelzimmer zu tragen. Als Erstes gehen wir zum Busbahnhof für die städtischen Linienbusse, der sich gleich um die Ecke befindet. Von dort fahren wir mit dem Bus zu dem überregionalen Busbahnhof, wo wir am Morgen ankamen und kaufen Tickets für Weiterfahrt am nächsten Tag. Ein freundlicher Brasilianer, der uns beim Kauf dolmetscht, freut sich, dass wir nach Foz do Iguacu wollen. Er käme von dort und seine Mutter würde dort noch leben. Aber wir sollen gut auf uns aufpassen, besonders in Downtown soll es gefährlich sein.
Wir fahren zurück in das Zentrum und gehen uns jetzt endlich nach der langen Busfahrt erst einmal bei McDonalds stärken. Dieses befindet sich gleich neben dem Fernsehturm, während sich dieser mitten auf einem kleinen Hügel auf dem Grünstreifen der Hauptstraße erhebt. Die Straße ist so breit, dass man für die Überquerung der 12 Fahrspuren und dem Mittelstreifen ca. 10 Minuten benötigt. Um den Fuß des Turmes herum gibt es einen Trödel- und Handwerkermarkt, den wir uns in aller Ruhe anschauen.
An einem afrobrasilianischen Stand kommt Moni mit einem Rastafari-Schwarzen ins Gespräch, der ebenfalls Deutsch spricht. So werde ich plötzlich Zeuge, wie sich die junge Polin und der Afrikaner im weit entfernten Brasilien auf Deutsch über Freiburg unterhalten, wo beide mal gearbeitet haben. Die Welt ist ja so klein…
Anschließend schlendern wir die Hauptstraße entlang, besichtigen die merkwürdige Kathedrale und das benachbarte Museum und gehen durch das Regierungsviertel, dem eigentlichen Zentrum der Stadt. Die Plattenbauten erinnern dabei stark an ostdeutsche Vororte, doch dabei wird von hier das drittgrößte Land der Welt der Welt regiert. Nur Wohnhäuser, die sieht man im Zentrum überhaupt nicht. Die Stadt ist auf keinen Fall schön und auch nicht wirklich sehenswert, aber irgendwie hat sie was. Wahrscheinlich ist es die Tatsache, dass Brasilia das Ergebnis einer totalen Fehlplanung ist. Manche Gebäude wurden vom Architekten Oskar Niemeyer entworfen, der auch schon für den Wiederaufbau von Le Havre zuständig war. Dort fanden wir es auch nicht gerade hübsch und gemütlich.
Am Abend litt ich unter starken Schmerzen im Knie, nicht zum ersten Mal auf der Reise. Aber dieses Mal womöglich verursacht durch die lange Busfahrt. Nach Rad fahren steht mir momentan nicht der Sinn nach. Halb fünf in der Nacht ist es, als unser Wecker am nächsten Morgen ertönt. Wir tragen unsere Räder vor das Hotel und bepacken sie unter den neugierigen Augen des Rezeptionisten. Es herrscht noch Dunkelheit und kaum ein Auto ist unterwegs, als wir uns aufmachen, die 7 km zum Busbahnhof zu radeln. Es ist uns etwas unheimlich in der Nacht durch diese Metropole zu radeln und so achten wir darauf, den herum liegenden Menschen aus dem Weg zu gehen. Erst radeln wir auf der falschen Straßenseite, was noch nichts besonderes ist. Dann wechseln wir aber auf die reguläre Seite, wobei wir also alle 12 Fahrspuren und den Mittelstreifen überqueren. Dabei rennt uns ein Hund hinterher, der von einem anderen Hund laut bellend angefeuert wird. Trotzdem gibt er zu unserem Glück schnell auf. Auf der Anhöhe, zu der wir hochschieben müssen, sehen wir plötzlich drei dunkle Gestalten. Sie haben uns noch nicht bemerkt und so wechseln wir wieder rüber auf die anderen sechs Spuren, die uns entgegen kommen. Doch da am Wegesrand sitzt eine kleine Gruppe Menschen vor einem Feuer, dass in einem alten Ölfass brennt. Also beschließen wir auf der Innenspur der falschen Richtung schnell den Abhang hinunter zu düsen. Das Ganze natürlich ohne Licht, damit wir nicht von Weitem gesehen werden. Den wenigen Autos, denen wir fälschlicherweise entgegen kommen, können wir zum Glück immer ausweichen. Man stelle sich vor, auf einer Autobahn kämen einem im Dunkeln auf der Überholspur zwei unbeleuchtete Radfahrer entgegen…
Doch uns ist es lieber so, da wir nicht besonders scharf darauf sind, überfallen zu werden. Am Ende des Hügels dürfen wir aber nicht die Ausfahrt verpassen und müssen wieder auf die sechs Spuren in die richtige Richtung wechseln, wo wir jedoch auch erst einmal die ganz linke, also die Überholspur nutzen. Wie dem auch sei, wir kommen sicher an, befördern sie Räder in den Bus und fahren weitere 26 Stunden bis Foz do Iguacu durch die, unserer Meinung nach, schönste Landschaft Brasiliens. Wie schon bei unserer ersten Busfahrt staunen wir auch diesmal, wo der Bus uns überall hin bringt. Manchmal fahren wir sogar in das firmeneigene Busdepot, wo das Fahrzeug mal eben überprüft, gereinigt und mit Vorräten aufgestockt wird, während die Passagiere gebeten werden, kurz außerhalb des Busses zu warten.
Am Ende der Fahrt stehen wir wieder 4 km außerhalb einer Stadt und radeln einen kleinen Berg hinauf um die Räder in das Zentrum von Foz do Iguacu rollen zu lassen. Kaum angekommen werden wir auch schon von einem Mann mit gelber Warnweste angesprochen, ob wir eine Unterkunft suchen. Zahlreiche Handzettel verschiedenster Hotels und Hostels weisen darauf hin, dass er ein professioneller Anwerber ist. Seine Professionalität geht soweit, dass er geradezu vor uns her rennt, um unsere Ankunft im Hotel anzukündigen.
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