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PINGUINE
Eines Morgens ist es dann soweit. Wie setzen uns ins Auto und fahren ein letztes Mal in Richtung Süden. Dabei durchqueren wir Trelew und der Ärger, den wir hatten, weil wir uns dort wegen fehlender Beschilderung ständig verfuhren, ist verflogen, als wir nach einer langen, staubigen Straße den Parkplatz des Reservats Punta Tombo erreichen.
Tja, was soll ich sagen? Pinguine!!! In echt und in schwarz-weiß. Wir bezahlen den Eintritt, gehen durch das Tor und bemerken sofort rechts und links die vielen kleinen Höhlen, vor denen teilweise viel Vogelmist ist. Und wie zur Begrüßung kommen uns auf dem Hauptweg direkt mal zwei Pinguine entgegen. Ich bin in meinem Element, endlich sind wir da. Vergessen die lange Radtour durch Europa, das ständige Schaukeln des Schiffes, die piksende Sonne in den Tropen, die ewig lange Busfahrt durch den brasilianischen Regenwald oder was davon übrig blieb, abgehakt die vielen Tausend Buskilometer Argentiniens, überstanden der Unfall im Taxi – all das nur für diesen einen Augenblick: Der Begegnung mit schwarz-weißen watschelnden Vögeln, die nicht fliegen können. Punta Tombo ist ein großes Areal, zu dem die Pinguine Jahr für Jahr wieder kehren um ihren Nachwuchs auf die Welt und ins Wasser zu bringen. Viele von ihnen benutzen sogar die selbe Höhle, die sich im Vorjahr hatten. Jetzt um diese Zeit ist es noch nicht so voll, einige Hundert, vielleicht auch wenige Tausend werden es wohl sein. Mit einer halben Million muss man aber in Spitzenzeiten rechnen. Ebenso stellen wir fest, dass der Parkplatz voll ist. Ich frage einen der Ranger, ob es zum Schutz der Tiere denn eine Höchstgrenze an täglichen Besuchern gibt, doch er muss leider verneinen.
Wir gehen auf dem eigens angelegten Weg, den natürlich auch die Pinguine kreuzen, denn für ihre Größe gehen sie auch verhältnismäßig weit ins Land hinein. Alles kommt uns irgendwie vor wie ein kleine Campingplatz für Pinguine. Jedes Tier scheint seine Parzelle zu haben und bewacht diese oder schläft in der Höhle oder kommt von der Küste her hochgewatschelt.
Ich mache über 300 Bilder und ein paar Videos mit der digitalen Kamera und verschieße zur Sicherheit auch noch vier Diafilme. Pinguine von vorne, von hinten, im Liegen, im Stehen, im Putzen, im Laufen, Pinguine von oben und auch Pinguine von unten, indem ich vor ihre Füße werfe. Neugierig schauen sie mich an und drehen ihren Kopf so, dass sie mich erkennen können. Drehe ich meinen Kopf als Antwort, so drehen sie ihren wieder anders herum. Diesen Tanz kann man einige Zeit machen. Doch dann kommt die Herausforderung, die Pinguine sind zwar Menschen anscheinend gewöhnt und fauchen bzw. schnappen erst nach einem, wenn man definitiv zu nah ist, aber wie reagieren sie auf einen Stoffpinguin, der ein klein wenig höher und doppelt so breit gewachsen ist, wie sie? Sie schauen völlig interessiert. Der Mensch, der den Stoffpinguin dort hinstellt, ist plötzlich egal. Die Blicke sind auf Pingu gerichtet, als würden sie wirklich einen ihrer Art vor sich haben. Da ich die Tiere aber nicht verstören will, mache ich schnell ein Foto und wir packen Pingu wieder in die Fahrradpacktasche. Diese hat im Übrigen die gleichen Ausmaße wie Pingu und ist komplett schwarz, ist aber für die Pinguine völlig uninteressant. Bei diesem stundenlangen Spaziergang werden wir aber auch Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen zwei Pinguinen. Wahrscheinlich geht es um den Besitzanspruch einer Höhle bzw. einer Parzelle. Dabei schlagen sie sich mit ihren kleinen Flügeln, die laut auf den Kopf den Körper des anderen klatschen. Der blutigste muss schließlich niedergeschlagen das Feld räumen und watschelt langsam wieder zur Küste. Auch dieses Verhalten erinnert irgendwie an einen überfüllten Campingplatz.
Nachdem ich nun alle Pinguinen einen Namen gab mich bei jedem einzelnen höflich persönlich vorstelle, heißt es Abschied nehmen. Keines der Tier war aber von meiner Idee zu überzeugen, mit uns auf die Nordhalbkugel zu fahren – schade.
Als wir wieder im Auto sitzen, ist mein erster Kommentar: „So, und jetzt zu den Eisbären.“
Am nächsten Tag bereiten wir uns auf unsere letzte Busreise vor. Wir bringen die Fahrräder mit einem Großteil des Gepäcks und einem Haufen Pappkartons zum Busbahnhof von Puerto Madryn. Da wir dort ja so gute Freunde wie die Putzfrau, den Toilettenmann und die Zöllner besitzen, schrauben wir die Räder sicherheitshalber unter dem Vordach des Gebäudes auseinander und packen sie ordentlich in die Kartons. Wir haben die Räder zwar nur bis dahin geschoben, doch da wir je trotzdem mit den Fahrrädern unterwegs sind, muss es ja unbedingt regnen. Es regnete auf der gesamten Reise eigentlich immer nur, wenn wir die Lenker in der Hand hatten.
Die ganze Prozedur inklusive der Gepäckabgabe an dem einen Schalter, dem Bezahlen an dem anderen dauert rund zweieinhalb Stunden. Doch nun werden die Räder in einem Frachtbus der Gesellschaft Andesmar transportiert, während wir 24 Stunden später mit derselben Gesellschaft nach Buenos Aires reisen werden. Mit Andesmar sind wir bereits gefahren und das Unternehmen machte einen guten Eindruck auf uns. Zweifel ob alles klappt, bleiben dennoch bestehen.
Abends hören wir noch ein kleines Feuerwerk, das wohl wegen eines Wahlausganges statt findet. Wegen dieser Wahl waren nämlich die letzten drei Tage in den Supermärkten die Alkoholregale zugeklebt. Es herrschte Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken.
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