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Nach dem regulären Tanken in Puerto Deseado finden wir nach langem Suchen ein nettes, kleines Hotel, gehen einkaufen und suchen das Internet auf. Mit unseren drei Plastiktüten voll mit Cola, Gebäckteilchen und Schokolade kehren wir frohgelaunt zum Hotel zurück und werden von dem schmächtigen Besitzer beim Betreten sofort angeherrscht, was sich denn in den Tüten befinde. Völlig überrascht und verblüfft antworten wir wahrheitsgemäß, was den Besitzer sichtlich aufatmen ließ und dazu veranlasste und auch wirklich den Zimmerschlüssel zu geben. Der Terrorverdacht konnte also ausgeräumt werden, oder was? Nein, er zeigt auf ein Alkoholverbotsschild das für das ganze Haus gilt, doch nachher ärgern wir uns schon ein wenig, weil es ihn ja nichts angeht. Weder, was wir in den Taschen haben, noch was wir auf dem Zimmer privat für uns trinken. Vielleicht mögen wir ja abends ein gemütliches Bier oder Glas Wein zu uns nehmen. Merkwürdige Sitten, denken wir uns, in anderen Hotels gibt es sogar Minibars.
Tags darauf starten wir einen neuen Versuch, Pinguine zu Gesicht zu bekommen. Die Touristeninformation Ist noch geschlossen, was uns der dazugehörige Wachhund deutlich erklärt. Nur ein schneller Sprung zurück ins Auto rettet uns vor den Zähnen des kläffenden Köters. Wir suchen zunächst einmal eine Autowäscherei auf, weil wir den Wagen dann doch lieber nicht in diesem Zustand zurück geben wollen.
Dabei treffen wir im Hafenkai auf zwei Frauen, die mit einem Fernglas die Küste absuchen. Wir kommen ins Gespräch und sie erklären, dass sie nach den ersten Pinguinen Ausschau halten. Sie seien sich nicht sicher, aber es könnte sein, dass auf einer kleinen Insel im Rio Deseado fünf Kilometer landeinwärts Pinguien sein könnten. Natürlich hält uns nach dieser Aussage nichts mehr auf und wir sausen über eine Schotterpiste am Fluss entlang. Sollte es wirklich soweit sein? Können wir unsere ersten Pinguine sehen? Einfach so, zwischen Frühstück und Wagenwäsche? Wir kommen zu einem Aussichtspunkt, halten an, machen den Motor aus und genießen die Ruhe. Tatsächlich ist vor unseren Augen im schmalen Flussbett eine kleine Insel, fast nur eine Sandbank. Wir befinden uns auf einer leichten Anhöhe und das Flussufer ist rund 600 Meter von uns entfernt. Dementsprechend weiter von uns entfernt ist die kleine Insel und es ist schwer auszumachen, was sich da auf dem Sand bewegt. Sind es vielleicht nur Möwen, wie man sie hier zu Hunderten sieht? Mit der Kamera zoome ich das Geschehen heran und halte diesen möglicherweise historischen Augenblick fest, aber die Insel ist einfach zu weit weg und so ist auf dem Bild nur ein kleiner schwarzer Pixelpunkt. Selbst durch das Fernglas kann ich nur Vermutungen anstellen. Doch eines dieser Tiere hat ein Einsehen mit mir und watschelt so herrlich über den Sandstrand, dass sein weißer Bauch hin- und herwackelt und ein Zweifel nicht mehr möglich ist. Ich hopse vor Freude auf meinem Sitz, ein wahrhaftig historischer Moment: Pinguine! Echte frei lebende Pinguine. Noch nicht einmal an der Meeresküste, sondern ein Stück landeinwärts auf einer kleinen Flussinsel. In Gedanken baue ich schon eine künstliche Insel in der Ruhe, um dort Magellanpinguine anzusiedeln. Endlich haben wir unser Ziel erreicht. Zumindest so halbwegs, jetzt müssen wir nur noch näher dran und das was hier an dieser Stelle völlig ausgeschlossen. Wir starten den Motor und fahren zu „Darwins Expedition“, einem Restaurant, das auch Bootstouren zu Flora und Fauna anbietet. Doch wir müssten das gesamte Boot anmieten, da wir momentan die einzigen Touristen sind. Als Gegenleistung hätten wir die Tiere dann aber nur unter Zeitdruck vom Schiff aus gesehen um schnell wieder andere Tiere zu beobachten, die wir schon hatten und nicht interessieren. Nein, das wollen wir uns nur für den Notfall lassen, falls es wirklich keine andere Möglichkeit gibt.
Unter größter Vorsicht vor dem Wachhund starten wir einen zweiten Versuch, die Touristeninformation aufzusuchen. Dort ist man wieder einmal sehr nett und macht sich sogar die Mühe im Reservat Punta Tombo anzurufen, ob dieses nun geöffnet ist. Die Antwort stimmt uns noch fröhlicher: „Ja, die ersten Pinguine sind auch bereits eingetroffen.“
Mensch, was freuen wir uns. Unser Ziel ist nun klar. Wir verlassen Puerto Deseado und fahren schnurstracks nach Commodoro Rivadavia zurück, wo wir den Wagen abgeben müssen. Auf dem Weg dorthin halten wir noch an verschiedenen Küstenabschnitten an, doch auch die Strände und Küsten können uns nicht so recht davon überzeugen, dass Südamerika schön ist. Vielleicht haben wir in den letzten Jahren schon so viele andere Dinge auf der Welt gesehen und mit Skandinavien und dem Baltikum auch unsere Lieblingsreiseregion bereits gefunden. Fest steht nur, dass wir uns nicht so recht wohl fühlen, mit dem was wir vorfinden. Irgendwie fehlt dieses gewisse Etwas. Einen kurzen Blick in den angeblich südlichsten Badeort der Welt, Rada Tilly, werfen wir auch noch, doch auch hier gilt: Nicht für uns erschaffen. In Commodoro Rivadavia haben wir leichte Schwierigkeiten, ein Hotel zu finden, das anscheinend alles belegt ist und so befürchten wir schon, uns in ein 4-Sterne-Hotel einquartieren zu müssen. Doch im letzten Augenblick sehe ich dann doch noch eine günstigere Möglichkeit. Wir geben den Wagen ab und holen uns Tickets für die Busreise. Eine Fahrt zu unseren Fahrrädern und zu den Pinguinen.
Zweieinhalb DVD-Filme und ein Frühstück später erreichen wir am nächsten Mittag Puerto Madryn, wo wir unsere Räder und unser restliches Gepäck unversehrt und vollständig in Empfang nehmen können. Wir quartieren uns für mehrere Tage ein, besorgen Erste-Klasse-Tickets für unsere letzte Busfahrt und mieten erneut einen VW Gol.
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