Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Per Bus und Rad durch Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

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Altes GleisbettLaut unserer Karte soll es auf der Ruta 26 drei kleine, schotterige Abzweigungen nach Süden geben. Die letzte von ihnen finden wir und nach wenigen Kilometern erreichen wir das, was auf derselben Karte als die Ortschaft „Holdich“ eingetragen ist. Erst sind wir uns nicht ganz sicher, aber die Entfernung und eine zweite Straße lassen keinen Zweifel aufkommen, dieses ist Holdich. Allerdings besteht es nur Commodoro Rivadavianoch aus einer einzigen Ruine, mehr nicht.

Wir fahren weiter auf der Schotterpiste durch die einsame Landschaft, die auch hier wieder eingezäunt ist. Nur zweimal überholen uns Fahrzeuge und nur einmal kommt uns eines entgegen. Dabei handelt es sich immer wieder um Geländefahrzeuge, die natürlich viel besser durch die tiefen Schlammpfützen fahren können, als wir. Für die Punta Tombo100 km benötigen wir rund zweieinhalb Stunden und fahren oftmals um den tiefen, mit Wasser gefüllten Schlaglöchern auszuweichen. Mal auf der rechten, mal auf der linken Spur, wenn man überhaupt von zwei Spuren reden kann. Stellenweise gibt es nur Schlamm, der von zwei Reifenspuren geteilt ist. Dummerweise sind diese schon so tief, dass wir öfter mit dem Fahrzeug in der Mitte der Straße Punta Tomboaufsetzen.

Nichtsdestotrotz kommen wir in Los Herros an und düsen schließlich über die asphaltierte Ruta 43 nach Perito Moreno. Die Fahrt sieht dabei so aus, dass wir alle paar Minuten 10 km mehr auf dem Tacho haben und dann eine leichte Kurve machen müssen, bis es wieder zehn oder 15 Kilometer geradeaus geht – bis zur nächsten Kurve. PinguineAn Hand dieses Maßstabes rechnen wir aus, oder besser gesagt, schätzen wir, dass wir in dieser weiten Landschaft bis zu 50 oder 60 km weit schauen können bzw. sich in ungefähr dieser Entfernung die Hügel am Horizont befinden. Und dazwischen ist nichts außer Steppe, natürlich im Privatbesitz. Merkwürdig ist dieses Gefühl erst recht, als wir das mit deutschen Entfernungen zu vergleichen versuchen. PinguinWürden wir also in der Essener Stadtmitte stehen, könnten wir problemlos den Kölner Dom erkennen und in dieser weiten Ebene vor unseren Füßen, läge also Düsseldorf, Ratingen und Teile Leverkusens, durchzogen vom Rhein. Dieser Gedanke ist schon faszinierend.

MagellanpinguinPerito Moreno ist relativ enttäuschend. Es gibt mehrere Hotels und sogar einen Campingplatz, der Grund hierfür ist uns nicht ganz klar. Erstaunt sind wir, dass die Touristeninformation besetzt ist, obwohl überhaupt keine Saison ist. Dennoch beschließen wir, heute schon zu Los Antiguos weiter zu fahren, ebenfalls ein Touristenörtchen am zweitgrößten See Südamerikas, direkt an der Grenze zu Chile. Schwarz-weißer VogelSchnell düsen wir über die leere Straße und stehen dann an einer dieser stationären Polizeikontrollen. Als wir den Wagen beim Autovermieter bekamen, fragte ich vorsorglich, was denn bei so einer Kontrolle zu tun sei. Der Vermieter erklärte, man müsse bloß den Pass und die Papiere zeigen. Welchen Sinn diese Kontrollen denn haben, fragte ich auch. Doch darauf konnte er keine Antwort geben. Michael Moll PinguinVerlegen meinte er nach kurzem Schweigen: „Na, Kontrolle eben.“

HERR PROFESSOR?

Bei diesem Kontrollpunkt, an dem wir stehen, muss man dazu erwähnen, dass dahinter nur noch der Ort kommt und direkt dahinter wiederum die Grenze zu Chile verläuft, wo Watschelgangsowieso Kontrollen stattfinden. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt: Ich finde das suspekt.

Eine breite stämmige Frau in Uniform kommt aus dem Häuschen und fordert mit lauter Stimmer, die durch die Andentäler schallt, den Pass herbei. Scheinbar endlos lange blättert sie durch den Pass und schaut sich dabei immer wieder das russische Visum Brutvogelvom letzten Jahr an. Währenddessen fragt sie mich nach meinem Beruf und durch irgendwelche sprachlichen Missverständnisse hält sie mich plötzlich für einen Professor. Nicht nur für irgendeinen, sondern für einen aus dem fernen Russland. Das Visum mit dem glänzenden Hologramm macht bei ihr solch einen Eindruck, dass sie gar nicht bemerkt, dass es sich um einen deutschen Pass handelt. Während sie also dem russischen Professor, der vor kurzem noch ein Albaner war, den Pass zurück gibt, lacht sich Moni auf dem Beifahrersitz halbtot.

Wir fahren in den kleinen Ort hinein und steuern die Touristeninformation. Sehr freundlich erklärt man uns sämtliche Sehenswürdigkeiten der Stadt als da wären: der Stadtpark, eine kleine Aussichtsplattform und eine Stelle am See, an der man angeln kann.

MännchenWir nehmen uns ein Hotelzimmer, das uns auf den ersten Blick überteuert vorkommt und steuern die Sehenswürdigkeiten an. Die Aussichtsplattform befindet sich an einem Hang, den man auch ohne Plattform betreten kann und gibt einen Blick auf die verschlafene Ortschaft und die dahinter liegenden Anden frei. Der Stadtwald ist ein Gestrüpp aus verdorrtem und undurchdringlichem Holz und sieht wenig einladend aus und den Anglerpark finden wir schlicht und einfach nicht. Da wir mit dem Leihwagen nicht über die Grenze fahren dürfen, haben wir somit auch keine PaarMöglichkeit ein chilenisches Pingufoto zu machen, denn die beiden Kontrollpunkte sind vermutlich viel zu weit auseinander und von einer hohen Gebirgskette unterbrochen, zu Fuß gehen also unmöglich. Nach den Enttäuschungen gehen wir ins Zimmer zurück und bemerken auch auf dem zweiten Blick, dass dieser Hotelpreis nicht gerechtfertigt ist. Da wir sowieso keine große Lust mehr haben, zu bleiben, lassen wir uns das Geld zurück geben und fahren mit der untergehenden Sonne im Rücken zurück nach Perito Moreno, wo wir ein wesentlich besseres Zimmer für weniger Geld finden. Außerdem sind wir so schon direkt näher an der Ruta 40, die wir am nächsten Tag in aller Früh aufsuchen wollen. Doch erst einmal heißt es nach Tanzender Vogeldiesem langen Tag voller Aufregung schlafen gehen.

Dabei sprechen wir abends noch einmal über den Unfall vom Vormittag und der anschließenden Diskussion mit dem Militär. Aus Rache beschließen wir, dass von nun an die Falklandinseln zu Großbritannien gehören sollen. 1982 überfiel Argentinien die Inseln, die unter englischer Flagge stehen. So kam es zum Falklandkrieg, bei rund 1.000 Menschen ums Leben kamen. Argentinien verlor zwar die Auseinandersetzung, beansprucht aber bis heute die Inseln für sich. Aufgefallen ist uns das zum ersten Mal in Neugieriger PinguinUshuaia, wo riesige Autoaufkleber auf den Heckscheiben prangen und die Aufschrift tragen: 25 Jahre Las Malvinas. Mit Las Malvinas sind eben diese Falklandinseln gemeint und jedes Jahr wird feierlich erklärt, dass die paar Felsbrocken im Südatlantik zu Argentinien gehören. So wundert es nicht, dass auf argentinischen Landkarten hinter Las Malvinas immer ein (Arg.) angefügt ist während auf unseren Weltkarten die Falklandinseln mit einem UK gekennzeichnet sind. So funktioniert also Propaganda, mich würde interessieren, wie viele Argentinier eigentlich den Ausdruck Falkland-Insel kennen und wie viele eigentlich wissen, dass dieses Eiland eben nicht zu Argentinien gehört. Nicht selten sieht man auch Denkmäler, die an den Falklandkrieg Spheniscidae von obenerinnern. Allerdings wecken diese den Eindruck, als wären die Südamerikaner das Opfer gewesen und angegriffen worden. Wir zumindest haben durch das Verhalten der Armeeangehörigen bei dem Autounfall nun Partei ergriffen und erklären bei jeder sich bietenden Gelegenheit leise, dass „Las Malvinas britisch“ sei. So, das habt ihr Argentinier jetzt davon…

 

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