Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Per Bus und Rad durch Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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Flimmernder AsphaltWir sind froh, den Ort endgültig verlassen zu können und fahren mit dem bequemen Reisebus gen Norden. Am frühen Morgen, als alles noch dunkel ist, kommen wir in Commodoro Rivadavia an, steigen aus dem Bus direkt in ein Taxi und lassen uns zum Flughafen bringen, wo wir beim Autovermieter einen Leihwagen nehmen wollen.

DON’T CRY FOR ME, ARGENTINA...

Warnschild WindÜber eine vierspurige Straße lotst der ältere Herr den Wagen aus der Stadt hinaus, während langsam die Sonne auf geht. Damit wir wissen, wie wir nachher wieder zurück kommen, verfolgen wir aufmerksam den Weg, Wir fahren an einem sehr Kapelle schönen Oldtimer vorbei, biegen in eine kleine Straße ein, überholen einen Bus und fahren an einer Kaserne entlang. Vor dem Kasernentor sehe ich ein Auto von rechts kommen und erwarte, dass es anhält. Langsam rollt es auf die Kreuzung zu uns beschleunigt in dem Moment, als wir an ihm vorbei wollen. Der Taxifahrer bremst Patagonienscharf, Reifen quietschen und wir knallen frontal in die Seite des anderen Wagens. Ich höre noch, wie der Taxifahrer „Idiota“ ruft und sehe wie er wie ein Blitz aus dem Auto springt. Während draußen heftig diskutiert wird, holen wir beide erst einmal tief Luft. Mangels Gurt sind wir hinten auf der Rückbank nicht angeschnallt und rutschen bei dem Aufprall nach vorne. Vielleicht, weil ich den Unfall Endlose Weitehabe kommen sehen und mich in Sekundenbruchteilen auf den Aufprall vorbereiten konnte, oder vielleicht, weil ich einfach nur Glück hatte, passiert mir rein gar nichts. Moni hingegen schaute während des Unfalls aus dem Seitenfenster und knallte mit dem Kiefer gegen die Kopfstütze des Fahrersitzes. Sichtbare Schäden haben wir nicht davon getragen bis auf eine leicht gerötete Wange und einem kleinen LaufvögelSchock bei Moni, doch kann man sicher sein?

Oder anders gefragt: Interessiert sich irgendjemand für unseren Zustand? Mit dieser Frage steige ich aus und blaffe die beiden Streithähne an da draußen an, ob es interessieren würden, dass einer von uns eventuell verletzt sei. Mit großen Patagonische LandschaftKulleraugen schauen sie mich an, ganz nach dem Motto: „Oh, da ist noch jemand“, und als Konsequenz einigt man sich darauf, erst einmal die Kreuzung frei zu machen. Doch nein, weder Monis Gesundheitszustand ist interessant, noch wird einfach nur die Kreuzung frei geräumt. Ich solle doch auch wieder einsteigen, der Fahrt geht weiter. Das realisierte ich jedoch erst, als ich im Wagen saß und der Kutscher tWildnisatsächlich mit dem kaputten Auto weiter fährt, als sei nichts gewesen. Jetzt wird es mir aber endgültig zuviel. Ich schimpfe wie ein Rohrspatz, während der Fahrer lustig lächelt und uns noch den letzten Kilometer bis zum Flughafen bringt. Da wären wir und wir bräuchten uns keine Sorgen zu machen, die Versicherung zahlt sein ArgentinienAuto, war sein Kommentar. Ich versuche ihm begreiflich zu machen, dass mir sein Auto völlig egal ist und wir nicht wissen, ob die junge Frau, die hinter ihm sitzt und sich die schmerzende Wange hält, nicht viel mehr verletzt ist, als es aussieht. Und das solle doch wohl mal untersucht werden und der Verursacher möge sich doch bitte nicht der Verantwortung entziehen.

EinsamkeitJe mehr ich schimpfe umso weniger lächelt er und wird immer kleiner in seinem Sitz, weil ihm wohl endlich klar wird, dass ich es ernst meine. Er hat zwar keine Schuld an dem Unfall, doch der Gesundheitszustand seiner Fahrgäste scheint ihm herzlich egal zu sein. So fordern wir ihn auf, zurück zu der Kaserne zu fahren, wo der Mann ja wohl offensichtlich hin wollte und ihn zur Rede zu stellen. Am Kasernentor öffnet sich sehr schnell die Schranke und der Fahrer wurde zu einem wichtig Einsam in Patagonienaussehenden Gebäude gebracht. Ich stürme bei meinem persönlichen Angriff auf die argentinische Armee hinein und lasse mir den Unfallbeteiligten holen während der Taxifahrer zwar aussteigt aber vor dem Gebäude mit hängendem Kopf wartet. In meiner Wut nehme ich an, dass es ihm gleichgültig ist, was sich abspielt, doch Moni bringt mich später darauf, dass er sich nicht traute, mir zu folgen, womit sie Dreckiger Leihwagenwohl eher richtig liegt. Immerhin lässt das Alter des Fahrers darauf schließen, dass er die weniger schöne Zeit seines Landes mitmachen musste und man weiß ja nicht, was er für Erfahrungen mit der Armee während der Militärdiktatur machen musste. Ich für meinen Teil lege mich, den Schulterklappen nach zu urteilen, mit drei hohen Offizieren an und erwarte, dass der Unfallverursacher sich bekennt und dafür sorgt, dass Moni untersucht wird. Alles in allem eskaliert der Streit und man zeigt Weicher Bodendie kalte Schulter. Mit derselben zuckt man nur gleichgültig, als ich frage, was bei einer schweren Verletzung oder sogar im Todesfall passiert wäre.

Gegen soviel Ignoranz ist einfach nicht anzukommen, daher verlassen wir verärgert das Schlachtfeld und fahren wir wie geplant zum Flughafen. Der Fahrer entschuldigt sich beim Abschied aber ich versuche ihm zu verstehen zu geben, dass wir nicht auf ihn böse sind. Der arme Kerl kann ja nun wirklich nichts dafür. Und weil er in Gedanken neben seinem kaputten Auto auch schon das Geld abgeschrieben haben wird, dass wir ihm schuldig waren, gaben wir ihm natürlich nicht nur dieses, sondern auch noch ein entsprechendes Trinkgeld.

Weiches GesteinMoni geht es zwar schon besser, ist aber immer noch etwas beduselt. So beschließen wir, sicherheitshalber den Flughafenarzt aufzusuchen. Der junge Assistent öffnet uns die Tür zu einem kleinen Untersuchungszimmer und informiert die ebenfalls sehr junge Ärztin im Nebenzimmer. Dabei kann ich einen kurzen Blick in die zwei mal zwei Meter große Kammer werfen, wo sich eigentlich nur eine Matratze befindet, von der die Medizinerin gerade auf steht. In Gedanken malen wir uns aus, was die beiden wohl vor unserer Ankunft in dem abgeschlossenen Raum gemacht Ortschaft Perito Morenohaben, immerhin dauerte es recht lang, bis uns geöffnet wurde. Die Ärztin glaubt zwar nicht, dass Moni etwas Schlimmes davon getragen hat, empfiehlt jedoch zur Sicherheit zu röntgen. Auf die Frage, wie alt bzw. modern denn die Gerätschaften seien, schaute sie etwas entschuldigend, worauf Moni dann lieber auf die Röntgenstrahlung verzichtete

Weg in die AndenNachdem man ihr noch ein paar Tabletten in die Hand drückt, marschieren wir geradewegs zum Autovermieter, wo wir wieder einen VW Gol bekommen. Dieser war fast neu und erstrahlte in seinem weißen Lack. Zumindest letzteres sollte er nicht mehr lange tun.

Leerer TankMit einem unbehaglichen Gefühl fahren wir an der Kaseren und dem Unfallort vorbei, wo noch zahlreiche Scherben und ein paar Plastikteile von dem Vorfall zeugen, durchqueren Commodora Rivadavia und machen uns auf den Weg nach Westen. Unser Ziel soll das 400 km entfernte Perito Moreno sein, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Gletscher, den wir ja schon besichtigten.

 

 

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