Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Per Bus und Rad durch Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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Straße in El CalafateEl Calafate verlassen wir und verzichten auf den chilenischen Nationalpark Torres del Paine. Wir sind der Ansicht, dass wir ausreichend Anden gesehen haben und nur weil dort zwei, drei Felsspitzen etwas markanter aus dem Gebirge heraus ragen, sind wir nicht unbedingt scharf darauf, den Park auch noch zu besuchen.

StraßenhundeWir wollen nun, nachdem wir uns ja etwas Zeit ließen und uns mit etwas anderem beschäftigten, endlich unserem Hauptziel entgegen steuern – dem Besuch der Pinguine.

ABER JETZT MUSS ES PINGUINE GEBEN!

El CalafateEin drittes Mal erreichen wir Rio Gallegos, wo wir dieses Mal ein anderes Hotel austesten. Nach dem Einchecken machen wir uns auf den Weg in das Touristenbüro, wo wir frohen Mutes fragen, ob denn nun endlich Pinguine gesichtet wurden und ob sich eine Fahrt zum Kap Virgenes lohnt. Dabei entsteht folgender BusbahnhofDialog:

„Es tut mir leid, aber wir haben doch keine Saison. Und momentan gibt es immer noch keine Pinguine.“ Mit mitleidigem Blick schaut uns die Dame aus dem Touristenbüro an.

„Gar keine? Nirgendwo?“, frage ich mittlerweile verzweifelt.
„Na ja, zwei oder drei – vielleicht. Aber mehr sicher nicht.“
Voller Hoffnung rufe ich: „Super, das ist doch was. Einer reicht uns ja schon.“
„Einer?“, völlig verblüfft fragt die asiatisch aussehende Angestellte und will witzig sein: „da kann ich ihnen auch eine Portkarte anbieten.“

MüllMit leicht steigendem Blutdruck setze ich mich aufrecht in den Stuhl und antworte: „Postkarte? Hören Sie, seit Monaten reisen wir ganz ohne Flugzeug, teilweise mit dem Fahrrad um die halbe Welt, immer im Gepäck einen 60 cm großen Stoffpinguin, um echte frei lebende Pinguine zu sehen, und…“

Bevor ich weiter reden kann, unterbricht mich die Dame und erklärt leise, fast schon entschuldigend: „Aber wir haben doch auch andere tolle Sehenswürdigkeiten: Wale, oder Gletscher…“

Rio Gallegos„Ich will keine Wale“, entgegne ich, „und auch keine Gletscher. Erstens hatten wir das alles schon und zweitens kann man das auch bei uns zuhause in Island sehen.“
In dem Moment schaltet sich Moni ein: „Zuhause in Island? Hast du vergessen, wo du herkommst?“

Rio Gallegos„Nein“, antworte ich, „natürlich nicht. Aber nach 20.000 km Reise bis an das andere Ende der Welt liegt Island doch eigentlich bei uns vor der Haustür, oder nicht?“

Eva PeronDoch nun sind wir nicht in Island, wo es ganz nebenbei bemerkt, auch keine Pinguine gibt, sondern in Rio Gallegos, der südlichsten Stadt des argentinischen Festlands, mitten in Patagonien und die Angestellte der Touristeninfo teilt uns mit, dass es zurzeit immer noch keine Pinguine an den Küsten zu sehen gibt.

TeetrinkerWas sollen wir also tun? Unsere letzte Hoffnung liegt bei Punta Tombo in der Nähe von Puerto Madryn, wo unsere Räder untergestellt sind. Doch jedes Mal, wenn wir im Internet sind, überprüfen wir, ob das Reservat mittlerweile geöffnet ist – bisher immer Fehlanzeige.

Mate TeeWir bekommen anschließend jedoch noch den Tipp, es im weiter nördlich gelegenen Puerte Deseado zu versuchen. Dort würde man die Ankunft der Pinguine jeden Moment erwarten. Allerdings seien das Felsenpinguine, die mit den roten Augen und dem Haarbüschel auf dem Kopf. Diese Information freut uns, denn wenn dies klappen würde, dann hätten wir sgar die Chance zwei verschiedene Pinguinarten zu sehen. Diese und die Magellanpinguine in Punta Tombo.

Reisebus BequemlichkeitUm ganz sicher zu gehen, wollen wir den Vögeln jedoch nochmals etwas Zeit geben. Unser Plan lautet daher, etwas nach Norden in die Stadt Commodoro Rivadavia zu fahren, und von dort den Westen Patagoniens inklusive der legendären Ruta 40 und einen weiteren Teil der Anden mit einem Leihwagen auf eigene Faust zu DVD und Mahlzeiten bei Andesmarerkunden. Ebenso wollen wir der berühmten Höhle mit den vorgeschichtlichen Handabdrücken, der „Cueva de los Manos“ einen Besuch abstatten, die mitten in der Einsamkeit liegt.

Doch zuvor müssen wir noch einen weiteren Tag in Rio Gallegos verweilen. Abends finden wir nach langer Zeit endlich etwas, was einer typischen Leihwagen VW GolRuhrgebietspommesbude ähnelt. Voller Freude stürmen wir hinein, nehmen Platz, bestellen Pommes Frites und stellen fest, dass das Essen ungenießbar ist.

Die folgende Hotelnacht ist jedoch nicht besser, erst ist lange nicht an MatschpisteEinschlafen zu denken, da das Zimmer in der Nähe der Rezeption und der Lobby liegt und die Tür ein großes Fenster besitzt. Durch dieses scheint die ganze Nacht das Licht des Flures hindurch und der dünne Vorhangstoff sowie die Handtücher aus dem Bad bringen nur wenig Besserung. Als dann doch irgendwann die Müdigkeit gewinnt, werden wir wach, weil jemand in der Lobby den Fernseher anmacht. Für Südamerikaner scheint es nichts wichtigeres als den Fernseher zu geben und wir haben Patagonische Straßees schon oft erlebt, dass die erste Tätigkeit eines Argentiniers am Morgen darin besteht, den Fernseher anzumachen. Kaum erwähnenswert die Tatsache, dass dies natürlich nicht diskret erfolgt, sondern noch die Nachbarn hören sollen, welche dämliche Sendung schon morgens verfolgt wird. So nehmen wir also an, dass es sieben Patagonienoder acht Uhr morgens ist und machen uns schläfrig mit dem Gedanken vertraut, langsam aufzustehen. Als der Fernseher nach einigen Minuten doch leise gestellt wird, wagt Moni einen Blick auf die Uhr und verkündet mit einer Stimme, als würde sie gleich töten wollen, dass es 3 Uhr morgens ist. Wir schauen uns erstaunt an und Endlose Weitelassen unsere Köpfe in die Kissen fallen. Gerade eben waren wir wieder weg getreten, als plötzlich das Telefon schellt. Ja, neben Kopfkissen befindet sich das Zimmertelefon. Es schellt – ein einziges Mal. Natürlich war niemand dran, es hat sich wohl jemand verwählt, nachts um kurz vor vier.

MüllAb sechs stehen schließlich die ersten Gäste auf, rennen laut polternd mit ihren Koffern an unserem Zimmer vorbei, in der Lobby ist Geschirrgeklapper zu hören und wir stellen fest, dass unser Klo kaputt ist. Das veranlasste uns, die nächste Nacht in einem anderen Zimmer verbringen zu wollen. Immerhin galt dies als ein 2-Sterne-Hotel.

Plastiktüten in der LandschaftDa sich in Rio Gallegos viel Polizeipräsenz befindet, wir das Gefühl bekommen, diese Stadt lasse uns nicht los, das Essen sauschlecht ist, die Toilette kaputt und wir mit Licht und Lärm vom Schlaf abgehalten werden, tauften wir den Ort kurzerhand um in – Rio Guantanamo.

 

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