Die Weltenbummler

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Sonne AndenSpäter besuchen wir noch zwei Museen. Das eine wird von Nachkommen der hiesigen Ureinwohner betrieben und zeigt in drei kleinen Zimmern die Geschichte der Region, der Ureinwohner und die Ankunft der Europäer vor langer Zeit. Aber auch ohne dieses Museum fragen wir uns auf der gesamten Reise, ob es nicht besser gewesen wäre, Südamerika nicht zu entdecken…

GletscherwandDas zweite Museum enttäuscht mich ein wenig, da es den Titel „End-of-the-world“-Museum trägt und ich aus irgendwelchen Gründen angekommen habe, dass es irgendwelche kuriosen Ausstellungsstücke beherbergt. Doch es geht auch 50 Meter hohe Eiswandhierbei um die Geschichte der Region, Magellan und weiteren Seefahrern. Abschließend machen wir uns noch auf den Weg zur Post, wo man sich einen Stempel der Stadt Ushuaia in seinen Reisepass geben lassen kann. Wir gehen zu einem Schalter, halten unsere Pässe hin und deuten an, was wir möchten. Der nette Schild NationalparkMann verschwindet nach hinten und erscheint erst nach einigen Minuten wieder. Wir wundern uns, wo er hin ist bzw. von wo er denn den Stempel holt. Als er zurückkommt, erklärt er uns mit mitleidigem Blick, dass er keine Post für uns hätte. Ach herrje, jetzt haben wir ihn versehentlich zum Postlagerfach geschickt, dabei wollten wir doch bloß einen Stempel. Er lacht, als er unseren zweiten EisErklärungsversuch dann doch verstand und übergibt uns seiner Kollegin nebenan, die uns direkt den Nachweis in den Pass stempelt, dass wir auch wirklich da waren – am Ende der Welt.

Irgendwann kommt die Zeit, auch Ushuaia Adieu zu sagen. Es hat uns sehr gut gefallen und wir sind froh, dass wir den weiten Weg auf uns genommen haben, in den Ort zu fahren, der eigentlich keine bedeutende Sehenswürdigkeit zu bieten hat. Aber es gefiel uns, doch jetzt stapfen wir frühmorgens mit unserem Gepäck in die düstere Seitenstraße, wo wir nach kurzer Wartezeit den Bus Ausflugsschiff zwischen Eisbergennach Norden nehmen können. Die Fahrt verläuft wesentlich schneller als geplant, da die beiden Grenzübertritte bei Weitem nicht so lange dauern wie auf der ersten Fahrt.

Wir erreichen Rio Gallegos, steigen dort ins Taxi, da wir ja jetzt dazu gelernt haben und lassen uns zum bekannten Hotel bringen. Der Taxifahrer, der natürlich nicht wissen Eiskann, dass wir uns schon auskennen, fährt den richtigen Weg und zeigt uns dabei noch voller Stolz die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, nämlich die Einkaufsstraße. Wir nicken freundlich und machen einen erstaunten Eindruck, als hätten wir noch nie eine Straße mit Geschäften, geschweige denn diese Straße Gletscher Chilegesehen. Wir wollten den guten Mann ja nicht enttäuschen.

Schon am nächsten Morgen geht es weiter und wir sitzen vier Stunden lang ganz vorne im oberen Teil des Doppeldeckerbusses. Es ist schön, auf die halbwegs leere Straße zu Eisskulpturenschauen, die manchmal bis zum Horiziont reicht. Nach der Fahrt stehen wir in El Calafate, einem abgelegenen Ort an der Grenze zu Chile. Eigentlich gibt es in dem Ort nichts zu sehen, abgesehen von der Einkaufsstraße, die in der Hauptsaison von Touristen völlig überfüllt sein dürfte und doch wollen wir absichtlich in das kleine Städtchen. Denn in einiger Entfernung liegt der Perito-Moreno-Gletscher, einer der wenigen Gletscher, wenn nicht sogar der Einzige weltweit, der im Jahre 207 noch wuchs.

WarnschildAls wir aus dem Bus steigen, steht ein ganzes Empfangskomitee mit Werbetafeln und Handzetteln bereit um den Neuankömmlingen die besten, günstigsten, nettesten, saubersten, nahegelegensten Hostels schmackhaft zu machen. Wir bekommen unsere Packtaschen aus dem Kofferraum gereicht, als ein junger Mann, Vogelebenfalls mit Bildern bewaffnet, auf uns zutritt und um uns als Gäste warb. Wir sind erstaunt ob des Preises und beschließen, erst einmal mit ihm zu gehen. Nein sagen kann man ja schließlich immer noch. Doch als wir in dem gemütlich, warmen Zimmerchen stehen, dass sogar über Kabelfernsehen und einer Küche sowie einem privaten Bad verfügt und er uns nochmals den günstigen Preis bestätigt, schmeißen wir unser Gepäck aufs Bett und bleiben. Eine Stadtbesichtigung dauert wegen der Überschaubarkeit des Ortes nicht ganz so lange und die Internetcafes sind Andenseezum ersten und übrigens auch einzigen Mal in ganz Argentinien elend langsam, so dass wir verzichten und einen gemütlichen Fernsehabend verbringen. Wir sehen zwar bisher schon auf den Busfahrten genügend englischsprachige Filme mit spanischem Untertitel, aber eine leichte Sprachförderung kann ja nicht schaden.

Den darauf folgenden Tag verbringen wir mit einer geführten Tour – in diesem Fall war es uns egal – zum Perito Moreno Gletscher. Mit einem Kleinbus geht es am Lago InformationenArgentino entlang, bis wir vor den Anden stehen. Ein weiterer Grund hierfür, dass ich Touristengruppen nicht mag, abgesehen von den zeitlichen Einschränkungen, sind die Touristen selber. 20 Sitze im Bus, von denen zehn Sitze von fünf Frauen belegt werden, die eigentlich Gletscherzusammen gehören. Wir wissen nicht, ob sie sich untereinander nicht mögen, aber jede musste unbedingt eine Zweiersitzbank belegen. Als wir uns den Anden nähern, beginnen sie mit ihren Kameras wie Hupfdohlen im ganzen Bus herum zu hüpfen. Sie springen von dem rechten Fenster zum linken, setzen sich vorne an die Tür, halten ihre Kameras in alle möglichen Richtungen und springen Bus El Pinguinodem Fahrer fast auf den Schoss. Doch merkwürdigerweise müssen Frauen, so abstoßend sie sich auch benehmen, nur ein wenig ihren Ausschnitt öffnen, damit ältere, einsame Herren wie der von vorne links total darauf abfahren. Weitere Beschreibungen der widerlichen Anbahnungsszenen erspare ich mir an dieser Stelle.

Auf die kostenpflichtige Bootsfahrt verzichten wir und gehen stattdessen direkt den Weg hinauf bis zur Aussichtsplattform vor dem Gletscher. Imposant ist er anzuschauen Michael und Pinguinund vom Standpunkt des Betrachters aus, reicht der 60 m hohe Gletscher 14 km weit bis nach Chile herein. Wenn man das so sieht, glaubt man kaum, dass das augenscheinlich kurze Stück 14 km sein sollen. Einen besonders schönen Größenvergleich hat man, wenn man das winzige Ausflugsboot sieht, das in gewissem El CalafateAbstand zum Gletscherrand auf dem See entlang fährt. Die ganze Zeit, in der man das zackige Eis betrachten kann, hört man knackende und knisternde El CalafateGeräusche und nicht selten kracht ein großes Stück Eis aus den Massen heraus uns stürzt tosend in das Wasser. Manches Mal scheint es dann doch nur ein kleines Stück gewesen zu sein, aber halt, da ist zum Glück immer noch das Ausflugsschiff als Größenvergleich.

 

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