Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Per Bus und Rad durch Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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WEITER NACH SÜDEN

SüdatlantikOhne das Röntgengerät des Busbahnhofes nutzen zu müssen, verlassen wir das Gebäude, schreiten auf den Bus zu und nehmen an, dass es mit deutlich weniger Gepäck nun einfacher sein dürfte zu reisen. Nur die beiden kleinen Packsäcke und der Rucksack sollen im Laderaum verschwinden. Drei Teil für zwei Personen, damit hätten wir sogar noch ein Gepäckstück gut. Der Rucksack wird vom Fahrer eingepackt, aber dann? Er schaut uns an und sagt, die beiden Packsäcke sollen, bitte schön, mit zu den Sitzen genommen werden. Im ersten Anfall von Verwunderung und Überraschung Ushuaiamachen wir dies auch, aber als wir an unseren Sitzen stehen und nicht wissen, wohin mit unseren Sachen und Körperteilen fragen wir uns, warum wir das eigentlich machen sollen. Also steige ich wieder aus, gehe nach hinten zum Heck des Busses und halte dem Fahrer erneut unsere Packsäcke unter die Nase. Keine Ahnung, was ich dem Mann getan habe, vielleicht liegt es aber daran, dass man sich auf dem Busbahnhof von Straße in UshuaiaPuerto Madryn gegenseitig auf die Nerven gehen muss, aber erbost schimpft er, ich solle die Taschen mit rein nehmen, es wäre doch alles schon voll im Kofferraum. Kaum sagt er das, hievt er einen schweren Koffer in der doppelten Größe unserer beiden Säcke hinein, was mir dann zu blöd wird. Ich mache ihm deutlich, dass hier, dort und da genügend Platz sei für noch größere Taschen und er jetzt endlich die Sachen da rein zu Wappen von Feuerlandpacken habe, weil ich nicht einsehen würde, warum ausgerechnet wir 1.300 km lang so sitzen sollen, dass wir unsere kleinen Zehe nicht mehr bewegen können. Und außerdem, so dachte ich mir mit einem Schmunzeln auf den Lippen, kenne ich die Ordnungshüter des Busbahnhofes sehr gut.

Pinguin DekorationNach dieser Diskussion, die ich erfolgreich für mich verbuchen kann, geht es dann endlich durch die Nacht hindurch über die endlos scheinende Ruta 3. Rechts und Links erstreckt sich Patagoniens einsame und auch eintönige Landschaft. Nichts gibt es zu sehen außer braune Einöde, die auf der gesamten Strecke eingezäunt ist. Ab und zu taucht ein Tor auf, dass darauf hindeutet, dass das dazugehörige Farmhaus noch 20 km oder weiter enfernt sei und sich irgendwo inmitten dieser Estancias befindet. WerbeschildGelegentlich sieht man Schafe, seltener Guanakos und ab und zu auch mal einen Gaucho auf seinem Pferd. Wir fragen uns, wo wir hier unser Zelt hätten aufschlagen können? Es wäre schlicht unmöglich gewesen, bestenfalls wäre man 10 m von der asphaltierten Straße weg gewesen auf der erstaunlicherweise viel Verkehr stattfindet.

SouvenireDas Erstaunen legt sich dann jedoch, wenn wir mehr über den Grund dieser Verkehrsdichte nachdenken. Verkehrsdichte ist natürlich nicht ganz das richtige Wort, es ist eher ein Gefühl wie auf einer nächtlichen, deutschen Autobahn, d.h. im Schnitt kommt alle fünf Minuten ein Auto von vorne oder der Bus muss mal einen Lkw Pinguine als Schaufensterpuppeüberholen. Das klingt natürlich nicht nach viel und mancher, der jeden Tag im Berufsverkehr auf einer deutschen Straße steht, wünscht sich solche Zustände herbei. Doch bei genauerer Betrachtung ist es nicht das wilde und menschenleere Patagonien, von dem immer geschwärmt wird. Betrachtet man die Größe der WrackRegion, also dem Mehrfachen der Bundesrepublik und die darin enthaltene Anzahl von Einwohnern, sollte man meinen, dass es ein Zufall sein müsste, jemanden anzutreffen. Doch zu diesem Zeitpunkt kommen diese riesigen Estancias ins Spiel, deren Ausmaße unvorstellbar groß sind und auch schon mal an die Größe des Saarlandes heranreichen können. Diese Schafzuchtfarmen oder Rinderbetriebe sind also komplett eingezäunt und Privatgrund, so dass sich das öffentliche Leben nur auf den Fernstraßen abspielen kann.

Bucht von UhsuaiaUnd davon gibt es in Patagonien praktisch nur zwei; die Ruta 40 im Westen, von an späterer Stelle berichtet wird sowie die Ruta 3, auf der wir uns gerade befinden. So ist es also kein Wunder, dass wir zu keinem Zeitpunkt in Patagonien das Gefühl von Einsamkeit und Ruhe haben. Weder jetzt, was im gut besetzten Bus auch sehr verwunderlich wäre, noch später, wenn wir auf eigene Faust los ziehen. Wie gesagt, dazu später mehr, aber um eine Sache vorweg zu nehmen: In Schweden oder Norwegen kommt dies eher vor, da man dort tatsächlich „mal eben“ in die Wildnis abbiegen kann. In Patagonien ist dies nicht möglich, man steht vor einem Zaun, wird Hangar am Flughafenvon einem Schaf angeglotzt und kann sich über den Draht hinweg die Wildnis aus der Ferne anschauen, die ja eigentlich keine ist, sondern bloß privates Weideland.

Rio Gallegos heißt unser Zielort, die südlichste Stadt auf dem argentinischen Festland und durch nicht passende Anschlussbusse unser Ausgangspunkt für zwei weitere Touren. Doch zunächst suchen wir eine Unterkunft und Möwegehen wie gewohnt am Busbahnhof in die Touristeninformation. Dort gibt uns die junge Dame einen Stadtplan und macht mehrere Vorschläge, wo wir übernachten könnten. Als sie uns ein Hotel für umgerechnet 8 Euro empfiehlt, erklären wir ihr, dass wir auf „Löcher“ verzichten. Denn mittlerweile wissen wir, was man für diesen Preis in Las Malvinas FalklandinselnArgentinien zu erwarten hat. Will man ein einigermaßen vernünftiges Zimmer mit privatem Bad und etwas Ruhe, muss man je nach Ort zwischen 15 und 25 Euro bezahlen. Für 8 Euro bekommt man bestenfalls ein Bett in einem Gemeinschaftsraum mit Gemeinschaftsdusche und Gemeinschaftsklo. Auf dieses kollektive Leben habe ich noch nie Lust gehabt. Und außerdem möchten wir es wenigstens abends ein wenig gemütlich und schön haben, wenn es uns schon landschaftlich nicht Schild in alle Richtungenbesonders gut gefällt.

HIER VIELLEICHT PINGUINE?

Auf die Frage, ob es in der Nähe Pinguine gibt, erhalten wir natürlich die Postbote FigurStandardantwort, was uns zugegebenermaßen etwas enttäuscht. Man hätte ja mal hoffen können. Mal davon abgesehen, dass wir mittlerweile unser Schiff für die Rückreise buchen mussten und das Anfang Oktober in Buenos Aires mit uns ablegen wird. Da bleibt uns Museum der Ureinwohneralso nicht mehr viel Zeit. Auf den Hinweis, dass wir trotz Gepäck ruhig in das Zentrum gehen könnten, hätten wir aber besser nicht hören sollen. Wie üblich war der Bahnhof weit außerhalb und wir beide sind sie Einzigen, die eine sechsspurige Straße überqueren, eine Brücke ohne Geländer benutzen, über staubige Baustellen wandern und durch ein Viertel spazieren, das mit ausgebrannten Am Ende der WeltAutowracks und eingeschlagenen Fensterscheiben in den Häusern, in denen manchmal dunkle Gestalten hin und her huschen, stark an die New Yorker Bronx erinnert. Scheinbar unendliche dieser Blocks, von denen eines dieses 8-Euro-Hotel sein soll, und etliche zähnefletschende und laut bellende Vorgartenhunde später Bucht bei Nachterreichen wir die wichtige Straße, auf der sich sämtliche Geschäfte und Hotels konzentrieren. Rio Gallegos ist weder Touristen- noch Messestadt oder eine Stadt, in der man Geschäfte tätigt und dennoch gibt es mehrere Hotels, von denen wir uns manche noch nicht einmal leisten können und die, die wir uns leisten können, sind ausgebucht. Alles sehr merkwürdig, doch wir finden nach langer Suche schließlich ein kleine Zimmer im Hotel Punta Arenas. Der ältere Herr, der seinem geschätzten Alter nach, das Ausläufer der AndenLand mitbegründete, trägt unsere Namen in das Gästebuch ein und nimmt ein riesiges Lineal um einen ordentlichen Strich von zwei Zentimeter Länge zu machen, womit er markiert, dass Zimmer 6 nun belegt ist.

 

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