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AUF DER SUCHE NACH PINGUINEN - TEIL 3 Quer durch Südamerika, vom Regenwald bis Feuerland
Nach unserer Frachtschiffreise verlassen wir den Hafen von Belém. Die Zöllner wollen einen Blick in unsere Packtaschen werfen, der so flüchtig ist, dass wir alles mögliche hätten schmuggeln können. Über eine staubige Stadtstraße radeln wir Richtung Zentrum. Unterwegs fragen wir mehrfach, ob wir noch richtig sind. Geduldig erklären uns die Brasilianer den Weg zum Busbahnhof. Einer holt noch sicherheitshalber zwei andere Passanten herbei, ein anderer versucht sich in der deutschen Sprache und entschuldigt sich, dass er es nicht besser kann. Zum Abschied hebt jeder den Daumen und lächelt freundlich.
Das macht Mut und gefällt uns. Unterwegs werden wir angehupt, aber nicht weil wir im Weg sind, sondern weil die Fahrer uns ebenfalls ihren erhobenen Daumen zeigen wollen. Zufällig treffen wir in dem Gewühl dieser Millionenstadt auch noch einmal den Hafenagenten, der uns auf dem Schiff für alle Fälle seine Telefonnummer gab. Nach all den abenteuerlichen Berichten der Besatzungsmitglieder sind wir positiv überrascht, wie freundlich die Menschen hier sind. Am Busbahnhof angekommen, kaufen wir uns erst einmal zwei Tickets für die Fahrt in die Hauptstadt Brasilia.
Wir zeigen natürlich die bepackten Fahrräder, aber das sei kein Problem. Nun heißt es acht Stunden Warten bis unser Bus um 20 Uhr erscheint. Wir begeben uns auf den Bussteig und beobachten dort das Treiben. In kleinen, nicht überdachten Kiosken sitzen gelangweilt die Verkäuferinnen und schauen stundenlang TV. Jedes Mal, wenn ein Bus abfährt, ertönt eine lautstarke Sirene und den Bussen sieht man an ihrem Äußeren an, wo sie herkommen und hin wollen. Busse nach Rio oder Brasilia sind sauber und modern, Busse nach Altamira am Amazonas sind alt, dreckig und bei weitem nicht bequem. Damit über die Transamazonica? Während wir geduldig warten und im Stundentakt die Verkäuferin beim Fernsehgucken stören, stellen wir fest, dass wir das falsche Wörterbuch eingepackt haben. Anstelle eines Spanischwörterbuches, dass wir ab der argentinischen Grenze brauchen könnten, haben wir nur ein kleines, popeliges Englischwörterbuch dabei. Und das stellen wir jetzt fest, nachdem wir 700 km durch Europa radelten und drei Wochen mit dem Schiff fuhren, na klasse.
Irgendwann im Laufe des Nachmittags erscheint der Fahrkartenverkäufer auf dem Bussteig und erkundigt sich, ob alles in Ordnung sei und wir zufrieden sind. Da wir mittlerweile schon gelernt haben, deuten wir mit unseren Daumen nach oben, was von ihm mit derselben Geste und einem Lächeln beantwortet wird. Um nicht nur den Busbahnhof kennen zu lernen, mache ich mich für ein paar Minuten auf den Weg, den Bahnhof zu verlassen und seine Umgebung zu erkunden. Doch in den dreckigen Straßen und zwischen den verfallenen Hotels fühle ich mich nicht wohl und kehre schnell wieder zu Moni zurück, die derweil auf unser Gepäck aufgepasst hat.
Pünktlich erscheint unser Bus und alle Fahrgäste stellen sich ordentlich und geduldig an, um ihr Gepäck zu verladen. Jedes Gepäckstück bekommt einen Aufkleber und der Besitzer den dazugehörigen Kontrollabschnitt. Der bisher einzige Unterschied zu einem europäischen Bus ist die Tatsache, dass ein Fahrrad als Gepäckstück überhaupt kein Problem darstellt.
So starten wir also in der abendlichen Dunkelheit zu einer 36stündigen Busfahrt durch die Reste des t ropischen Regenwaldes. Zwei volle Nächte und einen ganzen Tag hindurch sitzen wir in einem halbbequemen Bus. Man unterscheidet die Busse in ihrer Art von Bequemlichkeit, die sich durch die Beinfreiheit und der jeweiligen Verstellbarkeit des Sitzes bemerkbar macht. Doch bis auf den etwas unangenehmen Geruch, der von der Toilette im Heck ausgeht, gibt es nichts zu meckern. Regelmäßig machen die Busse an einfachen Rastplätzen eine Pause, wo jeder Fahrgast kostenlos essen darf. Wir haben auf Grund der tropischen Hitze keinen richtigen Appetit und verzichten regelmäßig auf das Essen. An einem der Rastplätze steigen wie gewohnt alle Fahrgäste aus, lediglich Moni bleibt im Bus sitzen. Als ich gerade aus dem Rasthaus zurück komme, sehe ich wie der Bus abfährt. Innen drin Moni, die ebenso wie ich erschrak und schnell nach vorne zum Fahrer gehen wollte. Aber das ist gar nicht so einfach, immerhin ist die Fahrerkabine vom Passagierraum mit einer verschlossenen Tür abgetrennt. Es stellt sich aber heraus, dass der Bus bloß betankt werden muss. So unterhält sich Moni mit dem Fahrer und dem Busfahrer mit Hilfe des erhobenen Daumens, während ich mit den übrigen Passagieren an der staubigen Straße unter der heißen Sonne auf de Rückkehr des Busses warte – natürlich ohne zu wissen, wo er denn steckt.
In den beiden Nächten, die wir im Bus verbringen, können wir gut beobachten, wie der Regenwald gebrandrodet wird. Schon am Tage sehen wir viel verbrannte Fläche am Wegesrand. Im Dunkeln sieht man aber auch die Feuer in der Ferne und manche davon sind so groß und hell, dass sie mich an den Raketenstart in Kourou erinnern. Sehr erschreckend das Ganze, doch es passt zu dem Bild, das wir auf der langen Reise durch den Norden Brasiliens bekommen. Uns gefällt es landschaftlich nicht besonders und wir sind froh, dass wir die Strecke nicht mit dem Rad machen, sondern mit dem wackeligen Bus, der ständig irgendwelchen Schlaglöchern ausweichen muss.
Manchmal sieht man auch kleine Baustellen auf der Straße. Um diese in der Nacht zu sichern, werden vor der Baustelle kleine Metalldosen aufgestellt, in denen sich brennbares Material befindet. So sieht man nicht selten kleine Leuchtfeuer auf den Straßen, die vor Baustellen warnen. Ein merkwürdiges Bild ergibt sich dann, wenn man auf die Straße schaut und der Fahrer den brennenden Dosen ausweicht und man schließlich seinen Blick zum Horizont richtet, der in hellem und flackerndem Rot erleuchtet ist.
WO IST DIE HAUPTSTADT?
Es ist Sonntagmorgen, als wir in der Prärie ankommen…äh…also in der Hauptstadt. Oder ist es doch die Prärie? Wir wissen es nicht. Müssen wir hier raus? Sind wir in Brasilia, der Hauptstadt des drittgrößten Landes der Welt? Wir sind Busbahnhof, ja, das erkennt man gerade noch. Auch wenn dieser wesentlich kleiner ist als in der unbedeutenden Millionenstadt Belém. Doch besteht Brasilia nur aus Busbahnhof oder gibt es noch etwas anderes? Rundherum sehen wir nur steppenartige Landschaft. Völlig verunsichert fragen wir erst einen Passagier, dann den Fahrer und wieder erneut die Passagiere. Alle beteuern, dass wir am Ziel seien und aussteigen müssen. Völlig verwirrt nehmen wir unsere Räder aus dem Kofferraum und bepacken sie unter den neugierigen Augen wartender Fahrgäste und schieben sie nach getaner Arbeit zum Ausgang. Dort fragen wir noch einmal: „Ist das Brasilia?“, „Ja“, die Antwort, wir müssen nur noch über die breite Straße und dann über den Hügel. Und tatsächlich, auf der sechsspurigen Straße passieren wir das erste Denkmal und auf dem Scheitelpunkt angekommen, sehen wir die Häuser der künstlichen Stadt. Wir fühlen uns in den Kommunismus versetzt und rollen die breite, fast menschenleere Straße runter in etwas, das wohl des Zentrum von Pjöngjang…äh, entschuldigung, …Brasilia sein soll.
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