Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Frachtschiffreise in die Karibik und nach Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

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9. Tag
Wie der gestrige Abend schließlich ausging, können wir nur vermuten, da einer der Offiziere den Schweizer fragte, wie er sich denn fühle. Vermutlich floss noch viel Alkohol auf dem Ozean.

Auf Schiffswrackunserem Kontrollgang zum Bug sahen wir zwar noch keine Delfine, dafür aber in der Tat kleine fliegende Fische. Sie sind ca. 10 cm lang, schimmern silbern und mit ihren Flügeln sehen sie aus wie Schmetterlinge. Zuvor waren wir eine Stunde lang im Pool und haben in dem kleinen Becken rumgeplantscht. Täglich wird der Pool mit frischem Meerwasser aufgefüllt und ist daher mittlerweile auch gar nicht mehr so kalt. Man merkt, dass wir uns der Karibik nähern – nur noch ca. 1700 km, was im Verhältnis zur Weite des Ozeans so gut wie nichts ist. Beim Relaxen erfand Moni die Disziplin ”Bergaufschwimmen”. Dieser Hochleistungssport ist jedoch nur auf einem schwankenden Schiff möglich, wenn das Wasser im Pool von einer Seite auf die nächste plätschert. Ansonsten lief ich mal wieder mit der Kamera übers Schiff und fotografierte alles, was nicht schnell genug war, um sich zu verstecken. Manchmal komme ich mir vor wie Herbert Grönemeyer in seiner ersten Filmrolle als Kriegsberichterstatter in dem KlasBojesiker ”Das Boot”. So machten wir heute auch ein Foto von Pingu als Kapitän auf der Brücke. Nach dem Dinner zogen wir uns zurück und schauten ”JFK”, bis wir einschliefen. Beim Filmschauen vergisst man völlig, dass man sich auf einem Schiff befindet. Draußen am Pool wurde indessen wieder kräftig getrunken.

10. Tag
Im Auge des Hurrikans. Na gut, etwas übertrieben, aber draußen blitzt es und es regnet, die dunklen Wolken hängen tief aber es ist nicht stürmisch. Um 10.20 Uhr fand, wie gestern angekündigt, eine Feuerübung statt. War aber nicht so spektakkulär zuzusehen. Gegen Mittag legte Moni sich etwas hin undPort-of-Spain ich wackelte zum Bug, wo ich ein bißchen Musik hörte. Wie gut, dass mein Handy einen mp3-Player hat und ich vor der reise ein paar Lieder speicherte.

Gegen Nachmittag war es plötzlich schlagartig still. Kein Licht, keine Klimaanlage, kein Strom, kein Motorengeräusch. Mal wieder trieben wir auf hoher See. Wie wir später erfuhren, gab es irgendeinen Defekt mit der Ölpumpe.

Am Abend gab es eine große Party mit fast allen Besatzungsmitgliedern. Es wurde eine Menge Fleisch gegrillt, getrunken, gefeierSchleppschifft, gelacht, getanzt und mal wieder – zum letzten Mal – die Uhr umgestellt. Als kleines Geschenk für den Koch beschloss der Kapitän, dass es morgen kein Frühstück geben wird. So können alle etwas länger schlafen.

11. Tag
Na toll. Ich wurde zur gleichen Zeit wach wie immer. Also schlurfte ich die drei Meter zur Couch und puzzelte. Nach einer Stunde war es mir zu blöd und ich ging zur Küche. Tatsächlich – keener da. Ich schnapptAnlegen in Trinidade mir drei Kekse und brachte Moni einen heißen Tee, die immer noch im Bett lag.

Etwas später wagten wir uns an Deck und stellten fest, dass wir uns verfahren haben. Das raue und grau-trübe Meer sieht genauso aus wie die Nordsee zwischen Ostfriesland und Wangerooge. Wo ist das karibische Blau, wo ist die Sonne? Aber wir haben uns nicht verfahren, es stimmt alles. Zur Bestätigung werden wir in den Maschinenraum geführt, wo wir helmgedeckelt anschauen können, was uns eigentlich über den Atlantik antreibt.

Den Rest des Tages verbrachten wir Hafenkaimit Videogucken. Blöd nur, das Godzilla zu Beginn des Films ein Frachtschiff zerstört. Am Abend sahen wir dann endlich einen klaren Himmel, der über und über mit Sternen versehen war. Wahrscheinlich sieht man selten einen so schönen Sternenhimmel wie auf dem Ozean.

 

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