Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Frachtschiffreise in die Karibik und nach Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

Sie sind hier: 

 >> Home  >> Reisen  >> Berichte  >> Per Frachtschiff nach Südamerika, 2007  >> Teil 6
 


 

7. Tag
Küste von VenezuelaMorgens gab es Apfelpfannekuchen zum Frühstück. Man muss uns angesehen haben, wie gut er uns schmeckt, denn der Steward fragte, ob wir noch einen haben wollen. Ein großes ”JA” ertönte über den Ozean, sonst werden wir nie gefragt, ob wir noch einen Nachschlag haben möchten.

Mit der Kamera bewaffnet spielten wir heute Piraten und stürmten die Brücke. Dort machten wir ein paar Fotos und kündigten an, morgen mit Pingu zurück zu kommen. Ansonsten passierte heute nicht viel, außer dass unser Thermometer heute morgen um 11 Uhr in der Sonne auf 48 Grad kletterte. Wir nähern uns den Tropen. Nachmittags kühlte es sich auf etwas über 30 Grad ab. Seit ein paar Tagen läuft im Wohnhaus die Klimaanlage und so haben wir in der Kabine 22 Grad, die sich eiskalt anfühlen. Da heute nicht sonderlich vielVenezuela passierte und wir den Tag mit Puzzeln und lesen verbrachten mal ein Qwort zu etwas allgemeinerem: Mehrfach konnten wir schon sehen, wie an Bord der Müll entsorgt wird. Leider ist es immer noch so, dass der Abfall einfach nach hinten über Bord geworfen wird. Wenn man bedenkt, dass dies auf jedem Schiff getan wird, dann wundert man sich nicht, dass ab und zu irgendwelche Dinge am Schiff vorbeischwimmen. Es ist wirklich erstaunlich, das Meer ist so weit, groß und scheinbar endlos, doch trotzdem sieht man immer wieder Müll auf der Wasseroberfläche. (Nachtrag: Auf unserer zweiten Frachtschiffreise haben wir gelernt, dass es Regelungen gibt, welche Art von Abfall in welchen Regionen über Bord geworfen werden darf, z.B. Plastik nie, EssFähre zwischen Venezuela und Trinidadensreste außerhalb von 3 Seemeilen vom Festland entfernt).

Nachmittags traf ich einen Matrosen, der mich einmal rings um das Schiff führte und mir viel erklärte. So kam ich auch endlich mal nach ganz vorne zum Bug, wo es erstaunlich ruhig ist. Man musserklären, das auf diesem Schiff ständig das leise Dröhnen des Motors zu hören ist. Nach so vielen Tagen auf See stört es zwar nicht mehr und man hat sich daran gewöhnt, doch wenn man vorne steht und es ist völlig leise, dann fällt das schon auf. Warum wir bisher nicht auf eigene Faustr zum Bug sind? Ganz einfach, es ist ein wenig unheimlich. UnteTrinidadr den tonnenschweren Containern hindurch, während sie knarrende Geräusche von sich geben und das fast auf Meereshöhe, das in einem rasanten Tempo an einem vorbei rauscht, da bekommt man ja doch ein mulmiges Gefühl. Aber Moni und ich wollen morgen noch einmal auf eigene Faust los ziehen.

8. Tag
Was für eine Nacht. Schon am gestrigen Nachmittag begann das Schiff zu schaukeln. Man unterscheidet zwischen Schaukeln und Stampfen. Letzteres hatten wir die ersten beiden Tage in der Bucht von Biskaya. Dabei kommen wir Wellen von vorne und das Schiff hebt vorne auf dem Wellenkamm ab und knallt runter in die nächste Welle. Unangenehm für Mensch und MaschinBar der Marfret Normandiee und erinnert an diese Parabelflüge, bei denen Astronauten auf ihren Weltraumflug vorbereitet werden. Das Schaukeln hingegen findet von links nach rechts statt. Schaut man durch das fenster als Anhaltspunkt, dann sieht man den Horizont weit auf- und absteigen. Sieht spektakulär aus, ist aber eher harmlos solange alles auf dem Tisch stehen bleibt. Wie es aber nachts so üblich ist, kommt einem in der Dunkelheit alls unheimlich vor. Und jedes Mal, wenn man im Bett von links nach rechts gerollt wird und wieder zurück, hat man als Landratte das Gefühl, das Schiff kippt um, was natürlich Quatsch ist. Denn selbst unser Apfel rollte nicht vom Tisch. Es kommt einem halt nur schlimm vor. Also war an Einschlafen aber nicht zu denken. Im Bett rumwälzen brauchte ich mich auch nicht, das tat ja schon das Schiff für mich. Ich überlegte also, auf die Brücke zu gehen, zu puzzeln, Radio zu hören oder mir aus der Bar einen VideofilSchiffswrack im Hafen von Port-of-Spainm zu holen. Doch ich war einfach zu müde und so schlurfte ich wankend vom Bett auf die Couch, wo ich jederzeit aus dem Fenster gucken kann, was einem irgendwie ein beruhigendes Gefühl gibt. Moni solidarisierte sich und brachte gleich eine Decke mit und so konnten wir die letzten drei Stunden der Nacht doch noch dahin schlummern.

Im Verlauf des weiteren Tages gingen wir zum Bug und Moni bestätigte, dass sich der unheimliche Weg unter den Containern hindurch lohnt. In bester Titanic-und-di-Caprio-Manier standen wir vorne und blickten aufs Meer bzw. suchten wir vorne vergeblich Delfine, die ja bekanntlich gerne vor großen Schiffen schwimmen. Dieses Ritual gehört nun zu unseren täglichen Aufgaben.

Später schauten wir mal, was die bPort-of-Spainordeigene Videothek hergibt. Meist sind es original englischsprachige Filme mit holländischen oder dänischen Untertiteln. Zwei deutschsprachige Filme fanden wir aber auch: ”JFK” und ”Auf dem Weg in die Verdamnis”. Wir entschieden uns für den Präsidentenmord und griffen uns zum Spaß noch das Original von Godzilla. Die Filme ”Untergang der Poseidon” und ”The perfect storm” ließen liegen. Auf Filme mit Monsterwellen und untergehenden Schiffen hatten wir aus irgendwelchen Gründen keine Lust. Beim Dinner gab es wieder einige schweizer Verschwörungstheorien, die von manchen Anwesenden, einschließlich dem Kapitän mit unverständlichem Kopfschütteln begleitet wurden. Dieser öffnet dafür für uns die Türen seines ”Privat-Aldis”, wie er den Proviantraum nennt und wir konnten uns eine Palette Cola-Dosen kaufen.

Weiteres SchiffswrackAm Abend saßen die drei Rumänen und der Schweizer mit hochprozentigem Alkohol zusammen und es gab wieder aufschlussreiche Informationen aus der Welt der Verschwörer. Ich verzog mich frühzeitig, weil es mir zu anstrengend war, dass einfachste Fragen nach Reiseplänen nach 20 Minuten Monolog mit Theorien über Putin beantwortet wurden.

 

< Seite zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | Seite vor >

 


© Michael Moll | Essen | 2000 - 2012 | Kontakt | nach oben