Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Frachtschiffreise in die Karibik und nach Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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5. Tag
Am Frühstückstisch bat uns der Kapitän zwei Tabletten als Prophylaxe gegen Malaria Kaktuseinzunehmen, was aus der Schweiz gleich wieder mit Verschwörungstheorien kommentiert wurde: “Alle Medikamente sind Potenzmittel”. Der Kapitän schaute etwas verwirrt, ich wandte mich meinem gebratenen Schinken mit Hafen von PhlipsburgRührei zu und dachte an die Engländer vom Campingplatz in Etretat. Anschließend reinigten Moni und ich endlich mal das Innenzelt, welches wir demnächst mit Antimückenmittel präparieren wollen. Danach gingen wir auf Deck und setzen uns in die Liegestühle, saßen in der Sonne, schrieben, lasen und schauten auf das schön blau leuchtende endlose Meer.

Leichte Aufregung machte sich bei uns breit, als sich plötzlich das ansonsten ständig gleiche monotone Motorengeräusch ändert und anscheinend der Rückwärtsgang eingelegt wird. Nach Marfret Normandiewenigen Minuten kam das Schiff dann letztendlich zum Stehen. So trieben wir mitten auf hoher See ohne Motorenkraft, merkwürdiges Gefühl aber laut Aussage der Besatzung nicht schlimm. Es musste wohl etwas im Maschinenraum gemacht werden. Nach dem Lunch warteten wir sehnsüchtig auf Deck auf das versprochene Land, welches auf der rechten Seite auftauchen sollte. Und tatsächlich, nach tagelangem Blick auf das Meer tauchten in der Ferne Berge auf. Es dauerte noch rund 2 Stunden bis nur noch 6-8 km von einer der Azoreninseln entfernt waren. Ein schöner Anblick als die bewaldete, wolkenverhangene und mit Steilküsten versehene Insel langsam an uns vorüber zog und man auch vereinzelt Häuser erkennen konnte.

Natürlich nutzten wir die ChancFrachtschiffe und sendeten SMS in die Heimat und riefen kurz meine Mutter an, die das nur so kommentierte: “Azoren? Ja, das habe ich mir fast schon gedacht. Wenig später erklärte uns de Steward die Waschmaschine und en Trockner auf Deck 6, gleich neben der Kapitänskajüte, welche wir auch direkt mal nutzten. Also die Waschmaschine, nicht die Kajüte. Eine Etage über Deck 6 befindet sich die Brücke, wo wir bei der Gelegenheit endlich mal einen Blick rein warfen. Ein einzelner Offizier steuert das Schiff und hat einen prächtigen Blick auf das gesamte Geschehen. Demnächst schauen wir noch mal vorbei, doch jetzt müssen wir erst mal Wäsche aufhängen.

Am Abend schauten wir zu, wie am HimmeContainerschiffl Schichtwechsel war und der Vollmond die Arbeit der Sonne übernahm. Als wir ins Bett gehen wollten spürte ich im Schlafzimmer, wie es plötzlich unter meinen Füßen feucht wurde. Ein Blick nach unten verrät, dass der Teppich auf einer größeren Fläche, von der Wand ausgehend, nass war. Alles klar, jetzt ist es soweit: Wir sinken! Völlig panisch wollte ich das Bullauge aufreißen und laut in die stille Dunkelheit SOS schreien, als mein Verstand wieder einsetzte und zu mir sagte: “Ihr seid im 3. Stock rund 15 m über der Wasseroberfläche. Würdet ihr sinken, häIm Hafen von St. Maartenttet ihr es früher gemerkt.” So ging ich halt bloß runter zu den Matrosen und suchte jemanden, der weiterhelfen konnte. Doch wegen der späten Uhrzeit war dies nicht ganz so einfach. Vielleicht sinken wir ja doch und beim Evakuieren hat man uns vergessen? Ich kam am Mannschaftsraum der Matrosen vorbei, wo wieder irgendein Video aus dem Fernseher dröhnte. Zwei Matrosen erfreuten sich meines Anblickes und im selben Augenblick, wie ich “Good Evening” sagen konnte, hielt mir einer beiden auch schon eine Bierdose unter die Nase. Mit eineContainerschiff Marfret Normandiem “No, thanks, diesmal nicht” erläuterte ich das Problem und einer der beiden schaute es sich umgehend an. Nach kurzem Hin und Her einigten wir uns aber darauf, dass das Problem morgen angegangen wird.

6. Tag
Auf einer Reise, wie wir sie bestreiten, ist es immer wieder interessant dass man morgens nicht weiß, wo man abends zu Bett geht. Doch wenn man den Atlantik überquert und naturgemäß das Fliegende FischeSchiff nicht verlässt, sollte man glauben, dass dieses Reisegefühl anders sein wird. Doch was ist bei uns schon normal? Nach dem Frühstück klingelte unser Zimmertelefon und der Steward kündigte sich an um nach dem Wasserschaden zu sehen. Er brachte direkt einen Matrosen, den Maschinisten und einen der Offiziere mit. Alle schlenderten in unser Schlafzimmer und die Diagnose lautet: Umziehen. Sofort bekamen wir eine neue Kabine angeboten, die genau spiegelverkehrt gegenüber lag. Doch musste diese erst von den Matrosen aufgeräumt werden. So packten wir also unsere Sachen und bekamen das Gefühl auf Möbelpacker und Umzugshelfer zu warten. Nur zur Erinnerung: Wir befvinden uns rund 500 km südwestlich der Azoren mitten auf dem Nordatlantik. Es wurde uns zwar auch Hilfe angeboten aber unsere paar Dinge trugen wir dann alleine rüber. Währenddessen kam auch noch der Kapitän und erfühlte durch HSonnenuntergangandauflegen, dass es sich nicht um Salzwasser handelte. Nach diesem kleinen Zwischenfall, verursacht durch ein defektes Rohr oder sonst irgendetwas nahmen wir unser Zelt und schlugen es auf Deck auf. Natürlich nicht so ganz, wir verbrachten bloß den Rest des Vormittages damit, den Zeltboden zu imprägnieren.

Da es mittlerweile wärmer wurde, um nicht zu sagen ziemlich warm sogar, hüpfte ich heute zum ersten Mal in die Badehose und ging schwimmen. Nein, ich musste nicht dem Schiff hinterher kraulen, sondern benKaribische Seeutzte das 3×2 meter große Poolbecken. Das darin enthaltene Meerwasser beherbergt übrigens 37 kg Salz. Zudem trieben wir Sport, indem wir in die 6. Etage hochliefen und noch unsere Regenjacken wuschen. Moni ging wieder runter und ich mutzte die Gelegenheit, erneut auf die Brücke zu gehen. Zaghaft, um ja niemanden zu stören oder zu erschrecken schlich ich die Stufen hoch und stand mitten auf der Kommandostation - alleine! Ich lugte vorsichtig um die Ecke, doch niemand zu sehen. Lauter blinkende Knöpfchen, ein Radraschirm auf dem sich ständig das Bild erneuert und ein führerloses Schiff, dass mit der sagenhaften Geschwindigkeit von 29Karibik km/h auf die amerikanische Küste zurast…

Doch hinter einer Ecke tat sich was. Ein älterer Herr schnippelt mit der Schere irgendwelche Papierdinge aus und fragt mich nett, ob er was für mich tun könnte, gerade so als ob ich ein Möbelgeschäft betreten hätte. 20 Minuten später sehe ich mich imstande das Schiff selber steuern zu können. Man muss nämlich gar nichts machen. Man gibt die Zielkoordinaten ein und passt ein wenig auf, dass keine INsel in den Weg springt oder ein Wal Suizid begehen will. Geht ganz einfach. Er zeigte mir zahlreiche Instrumente und den Radarschirm .Besonders interessant fand ich das Gerät, das nach dem 11. September 2001 Pflicht wurde. Es zeigt nämlich alle Informationen der Schiffe an, die in der Nähe sind. SSeevogelo war in rund 14 Seemeilen (1 Meile = 1,8 km), also ca. 25 km ein Frachter zu sehen und das Gerät zeigte über diesen Frachter den Namen, die Länge, den Zielort und vieles andere an.

Später versuchten Moni und ich uns an unserem zweiten Puzzle. Das erste haben wir aufgegeben. Zum Glück muss man sagen, wie hätten wir das halbfertige Puzzle von der einen in die andere Kabine gebracht? In der kommenden Nacht werden wir zum vierten Mal die Uhr um eine STunde zurück stellen. Angekündigt wird dies übrigens immer mit einem Aushang am schwarzen Brett. Blöd nur, wenn man davon nichts mitbekommt, sVenezuelao wie es zwei Personen vorgestern ergangen ist, die dann gestern am Frühstückstisch eine Stunde zu früh da waren. Es waren ausgerechnet der Kapitän und seine Frau!. Heute erklärte er uns, dass irgendjemand die Order willkürlich heraus gab, ohne dass der Kapitän davon etwas erfuhr.

 

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