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3. Tag
Moni geht es noch nicht besser. Dafür bekomme ich beim Frühstück, das sie ausfallen lässt, zwei Hawaii-Toast, ihres gleich mit. Ich begebe mich auf die Couch, während Moni im Bett liegt und schreibe diesen Bericht auf Papier vor, als unterhalb unseres Fensters ein Motor gestartet wird. Fast gleichzeitig rufen wir uns zu: “Will da jemand Rasen mähen?” Doch ein Blick aus dem Fenster verrät, dass bloß der Motor vom Rettungsboot getestet wurde.
Im Laufe des Tages bekommt Moni zweimal Besuch. Erst kommt der Küchensteward und bringt Tabletten gegen Seekrankheit. Später erscheint der Sicherheitsoffizier um auch endlich von ihr ein Foto zu machen und Unterschriften zu erhalten. Schon beim Lunch geht es ihr wieder besser, beim Dinner lernt sie schließlich auch den Kapitän kennen. Auch si e schockt ihn auf Polnisch mit Details über unsere Reise. Auch die Frau des Kapitäns ist sehr an unserem Vorhaben interessiert. Die Gespräche dauern über das Abendessen hinaus bis zur Party, anlässlich des Namenstages des Maschinisten. Wir wechselten die Örtlichkeit und gehen nach nebenan in die kleine und gemütliche Bar. Dort legt der Kapitän die Sitzreihenfolge fest und aus dem Fernseher ertönt eine brasilianische Musik-DVD in voller Lautstärke. Let’s Party…
Die illustre Runde besteht aus dem Schweizer Passagier, dem polnischen Maschinisten, dem polnischen Kapitänsehepaar, drei rumänischen Offizieren (Elektriker und Chefingenieur) und uns. Auf dem Tisch sammeln sich die Bierflaschen, der Wein und der Whisky, während sich die Chipstüten leeren. Vi el erfahren wir über den Bootschef, der zwei Kinder hat und seit 20 Jahren zur See fährt. Anfangs beinhalten die Gespräche noch Themen rund um die Seefahrt. Dabei erfahren wir, dass der Kapitän auch schon mal einen Unfall zu verzeichnen hatte. So kollidierte er wohl mal mit einem toten, treibenden Walm, der daraufhin ekelig auseinander platzte. Ob Seemannsgarn oder Realität, später führen die Gespräche über ganz alltägliche Dinge und zum Schluss wird ganz banal darüber diskutiert, wer das bessere Auto fährt. Dabei vergisst man völlig, dass man sich auf einem Schiff gen Südamerika befindet, wenn Rumänen auf Englisch die Vorzüge ihres französischen Autos darlegen. Und das mitten auf dem Nordatlantik zwischen Spanien und den Azoren. Um 23 Uhr stellen wir die Uhr bereits zum zweiten Mal zurück, womit dieser Tag 26 Stunden lang war. Die erste Umstellung mussten wir in der vorherigen Nacht um 0 Uhr vornehmen. Mit der Frage, wer denn jetzt eigentlich das Schiff navigiert, gehen wir um 1.30 Uhr deutscher Zeit, 23. 30 Uhr Ortszeit ins Bett.
4. Tag Der Blick aus dem Fenster zeigt, dass heute die See fast spiegelglatt ist. Die einzigen nennenswerten Wellen stammen vom Schiff selbst, das sich mit 15,5 Knoten (29 km/h) fortbewegt. Seit gestern Abend ist für uns Passagiere der Pool mit Meerwasser gefüllt. Aber wahrscheinlich ist es noch zu kühl um in dem kleinen Beckenplanschen zu gehen.
Mit einem Male ersp ähen wir auf der Wasseroberfläche in ca. 300 m Entfernung mehrere Rückenflossen, die schnell auf und abtauchen. Wir wissen nicht genau, um was es sich handelt, vermuten aber Wale, evtl. Finnwale? Wir wissen es nicht genau und können nur spekulieren.
Am späten Nachmittag sind erneut Wale zu sehen. Zu erkennen sind sie durch kleine Wasserfontänen, die sie in die Luft wirbeln. Aber es ist soweit weg, dass man durchs Fernglas schauen muss, um den Rücken der Tiere zu erspähen.
Etwas anstrengend sind die Gespräche mit unserem Mitpassagier. Schon zum zweiten Mal verwickelt er mich in einen Dialog, der keiner ist. Man kann es eher als Monolog verstehen, denn schlagartig werde ich bloß zum Zuhörer, zu einem wenig interessierten. Denn so ganz sind seine Gedankengänge nicht Nachzuvollziehen. Ich habe nicht so ganz verstanden, warum man Musik von verstorbenen Künstlern nicht hören sollte und warum Göbbels nach dem Krieg weiterlebte und 50 Jahre lang seine Mutter als Arzt behandelte. Nach weiteren Verschwörungstheorien und dem ständigen Bezug zu Putin zweifelt er schließlich sogar an, ob seine Mutter weiblich ist. Meine restlichen Gedanken lass e ich an dieser Stelle mal unkommentiert. Ich sage nur: Es gibt 70.000 Frachtschiffe und ausgerechnet…
Wie auch immer, am Abend nehmen die Wellen wieder etwas an Stärke zu.
Es ist 22 Uhr in Deutschland, an Bord 20 Uhr, doch in der kommenden Nacht sollen wir wieder die Uhr umstellen, was wir schon taten und so haben zumindest wir beide schon 19 Uhr. Leichte Übelkeit überkommt uns und wir liegen etwas ermattet auf der Couch. Moni geht s chon mal ins Bett und ich sage, dass ich gleich nachkomme. Ich wollte noch mal kurz frische Luft schnuppern und an Deck gehen. Also gehe ich durch die Gänge zur Tür aufs Deck, öffne diese und schon schallt mir brasilianische Popmusik entgegen. Die drei rumänischen Offiziere, der polnische Maschinist und der schweizer Passagier sitzen vor einem Laptop, in dem eine DVD mit einem Konzert aus Brasilien läuft. An der Decke leuchten bunte Glühbirnen und im Hintergrund verschwindet gerade die Sonne am Horizont. Ein schönes Bild als plötzlich einer der Rumänen bei meinem Auftauchen aufspringt und ein Glas auf den Tisch stellt, es mit Rotwein füllt und sagt: “For you”: Also wird wieder getrunken, aber diesmal scheint der Kapitän au f der Brücke zu sein. Allerdings gibt es schon merkwürdige Begebenheiten, am Nachmittag traf ich einen Matrosen und fragte ihn nach dem Standort. Er zeigte nach rechts und erklärte: “100 Miles, there is Spain.” Okay, die 100 Meilen nehme ich ihm noch ab, aber auf der rechten Seite des Schiffes kann unmöglich Spanien liegen, wenn wir in Nordfrankreich gestartet sind und Amerika ansteuern. Da dachte ich noch an ein Versehen, aber in der abendlichen gemütlichen Runde teilte mir der Maschinist mit, dass wir morgen möglicherweise Handynetz haben werden, weil wir Kap Verde p assieren. Ich erschrak etwas, denn Kap Verde ist eine Inselgruppe vor Afrika. Aber einer der Offiziere korrigiert ihn und sagte, dass es die Azoren sein werden. Wie beruhigend, wenigstens einer wusste es. Jetzt wurde nur noch darüber diskutiert, auf welcher Seite die Inseln auftauchen. Ob wir wirklich dort ankommen, wo wir hinwollen oder landen wir am Ende in Australien?
Als die Rumänen erfuhren, dass ich vor gar nicht allzu langer Zeit in Rumänien war, waren sie ganz stolz und holten aus ihrer Kabine kurzerhand eine CD mit Bildern aus ihrer Heimat. Nachdem ich noch ein Glas dänischen Kirschlikör trinken musste, ging ich viele Stunden später ins Bett und machte mir Gedanken, dass dies der dritte Abend auf hoher See war und ich zum dritten Mal in Folge alkoholisiert schlafen ging. Wo soll das noch enden?
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