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1. Tag Mit einem Male vergisst man, noch in Frankreich zu sein, Lauter Philipinos, fremde Sprachen und ein freudiges Lächeln auf den Gesichtern, wie man es in ganz Frankreich nicht gesehen hat, Der Wachhabende befiehlt einigen der Matrosen unser Gepäck in die Kabine zu bringen, die Fahrräder werden irgendwo unter Deck verstaut. Kleinigkeiten wie die Spanngurte und ein paar Getränkeflaschen tragen wir selbst. Mit fünf Flaschen auf dem Arm erklimme ich die wackelige Gangway. Auf der dritten Stufe passiert es: Eine der Colaflaschen rutscht vom Arm, tuppst noch einmal auf den Kai und anschließend ins Hafenbecken - weg. So schnell geht das. Und dafür hat man sie durch ganz Le Havre transportiert.
Der erste Raum, der uns vertraut gemacht wird, ist die Bar. Dort legen wir unseren Kleinkram ab. Wo unsere Taschen sind? Keine Ahnung, hoffentlich in der Kabine. Moni wird plötzlich von einem Mann begrüßt: Dzien Dobry, Guten Tag auf Polnisch. Es stellt sich heraus, er ist der Erste Maschinist und stammt aus Stettin. Doch auch der Kapitän soll Pole sein, Wir freuen uns, dass jemand in einer unserer Muttersprachen an Bord ist.
Kurz haben wir die Möglichkeit, Kabine 304, unsere nämlich zu sehen. Allerdings nur so kurz, dass wir gerade unsere Packtaschen durchzählen können, als wir um unserer Pässe und Impfausweise gebeten werden und der für die Sicherheit- und Zollangelegenheiten zuständige Offizier uns bittet mitzukommen. Noch immer liegt unser Kleinkram zwei Etagen tiefer in der Bar, doch schon sitzen wir im Rettungsboot. Sämtliche Sicherheitseinrichtungen werden uns vorschriftsmäßig gezeigt, nicht zu vergessen aber auch der Swimmingpool und der kleine Fitnessraum. Danach können wir erst einmal durchatmen, unsere Sachen sortieren und - Nichtstun.
Wir schauen uns an, schauen durch das Fenster auf das Hefenbecken und fragen uns, was wir nun machen? Wir gehen in den Bereich des Decks, wo wir niemanden bei der Arbeit stieren können. Ein 4×4 Meter großer Abschnitt mit Sitzgelegenheit, Grill und Blick auf das Hafenbecken. Dort treffen wir einen weiteren Passagier (51) aus der Schweiz, der bis in das brasilianische Belem fahren wird. Er ist neben uns und der Frau des Kapitäns der vierte und letzte Passagier. Anschließend fangen wir mit unserem ersten Puzzle an. Zwei Stück brachten wir für diese Reise mit, ebenso wie Bücher. Ein Gewicht, das glücklicherweise mit dieser Schiffsfahrt auf dem Rad wegfällt. Damit wir aber nicht zwei Kartons mit Puzzle mitschleppen, habe ich vorher das Motiv ausgeschnitten. Jetzt stellt sich heraus, dass ich irgendetwas herausgeschnitten habe aber nicht das passende Motiv zu dem Puzzle, was wir mitführen. Toll, umso größer ist die Spannung, wie denn nun das Puzzle im fertigen Zustand aussehen wird - wenn wir es überhaupt fertig bekommen.
Während des ganzen Tags warten wir darauf, dass die Beladung fertig gestellt wird und das Schiff ablegen kann., Es ist faszinierend zu beobachten wie merkwürdige Fahrzeuge dreimal so hoch sind wie die Container und diese wie Legosteine aufnehmen und irgendwo anders abstellen. Der Fahrer sitzt dabei in rund 10 m Höhe.
Bereits z weimal können wir an einem Essen teilnehmen. Das Lunch wird um halb 12 serviert und das Dinner um 17.30 Uhr. Etwas verunsichert betreten wir die Offiziersmesse und bekommen einen Platz zugewiesen. Die Shrimps in der Suppe lassen wir liegen. Das Frühstück gibt es morgens um 7.30 Uhr, wer sich diese Zeit ausgedacht hat, möge sich mal bitte bei mir melden…
An der W and der Offiziersmesse, wie der Speiseraum genannt wird, hängen Speiseplan, aktuelle Informationen, die Passagier- und Besatzungsliste und ein Plan der die Fahrzeiten zwischen den einzelnen Häfen minutengenau aufschlüsselt. Mit uns im Raum sitzen noch weitere hungrige Mäuler, wie z.B. die Offiziere, Chefingenieur und sonstige Führungskräfte. Die Matrosen haben ihre eigene Messe. Aber auch den Kapitän haben wir den ganzen Tag nicht gesehen. Na ja, er wird wohl viel zu tun haben und so bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn uns in Gedanken vorzustellen. Gegenseitig beschreiben wir unsere Vorstellungen eines polnischen Kapitäns di eses Frachters. Weiße Haare, Bart, rustikal - am Ende sieht er für uns aus wie Kapitän Smith von der Titanic. Na hoffentlich setzt er den Kahn nicht vor einen Eisberg. Gegen 23 Uhr geht Moni ins Bett. Ich bleibe noch auf der Couch sitzen und lese, weil ich sehen will, wie das Schiff ablegt. Eine Stunde später gebe ich auf und gehe auch schlafen.
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