Die Weltenbummler

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18. Tag
Der riesige Ventilator direkt über unserem Moskitonetz brachte nicht viel Abkühlnug in der Nacht. Mehrmals wurden wir wach, schauten aufs Thermometer, dass ständig etwas Hohe Temperaturenzwischen 33 und 36 Grad anzeigte – und das in der Nacht, hinzu kommt noch die hohe Luftfeuchtigkeit. Nachdem wir gestern schon keinen Appetit hatten, radelten wir heute ohne Frühstück zum Schiff. Dort angekommen freuten sich die Matrosen und Offiziere uns zu sehen. Einer der Rumänen zog mich sofort in seine Kabine, gab mir ein frisches T-Shirt und befahl mir, mein vollgeschwitztes und völlig nasses Hemd in den Trockner zu schmeißen. Danach gab es einen Tee und Kekse, die ich wie wild in mich hinein stopfte. Das alles in einer Umgebung von 22 Grad, die sich wie ein Kühlschrank anfühlten. Wie sehr mag ich mittlerweile Klimaanlagen. In Europa meiner Meinung nach völlig überflüssig, hier in den Tropen ein Muss.

Nach einem letzten Abschiedsfoto mit dem Kapitän radelten wir zurück und verbrachten den gesamten Nachmittag im klimatisierten Internetcafe, schrieben Mail, Raupe Wurmtelefonierten für 2 Cent nach Hause und recherchierten für unsere Weiterreise. Immer öfter dachten wir laut darüber nach, wie es wohl wäre und ob es wohl nicht sinnvoller wäre, mit dem Schiff weiter zu fahren, so wie es uns auch die Offiziere empfahlen. Immerhin liegt das Schiff ja nur 12 km von uns entfernt und wartet ja noch zwei Tage geradezu auf uns. Wir wären dann im brasilianischen Belem, könnten dort in einem klimatisierten Bus einsteigen und uns nach Brasilia (2.100 km) bringen lassen. Ich muss zugeben, dass mein Körper nicht für die Tropen Französisch Guayanageschaffen ist. Des Weiteren kämen die Kosten zu, die wir hätten, wenn wir auf dem Landweg reisen. Durch das Radelverbot auf der N1 nach Suriname wären wir gezwungen Minibusse zu nehmen. Unsere Erkundigungen ergaben Kosten von 100 Euro. Dazu die beiden Visa für je 30 € und die Übernachtungen bis wir das Bisa erhalten. Für Guyana bräuchten wir auch noch ein Visum und die dortige Hauptstadt Georgetown gilt mal wieder als gefährlich, worauf wir mittlerweile keine Lust mehr haben. Von Georgetown aus käme dann eine 480 km lange Urwaldpiste auf uns zu, die Einheimischen zufolge nur mit einem Truck zu schaffen ist (Nachtrag: Mittlerweile wissen wir, dass man die Strecke doch radeln kann. Hauptstadt CayenneZu dem damaligen Zeitpunkt galt das nicht als sicher). So beschlossen wir, schnellstmöglich aus den Tropen heraus zu fahren und dafür morgen beim Kapitän nachzufragen, ob wir nochmal mitkönnen. Doch wie der Zufall es will, nach unserem mehrstündigen Internetbesuch gingen wir zum Hotel zurück nud wer saß dort in der Bar und trank einen Cocktail? Der Kapitän und seine Frau. Er versprach uns, direkt morgen früh um 7, wenn es in Deutschland 12 Uhr ist, die Reederei in Hamburg anzumailen, sofern er eine Satellitenverbindung hat. Uns bat er, gegen Mittag bei ihm vorbeizuschauen, weil er bis dahin eine Antwort haben müsste. So gingen wir voller Hoffnung in unser miefiges 35 Grad-Zimmer zurück und vermieden jede Bewegung. Dabei überlegten wir, ob dies nicht alles eine Art Zeichen sein muss, dass das Schiff drei Tage Aufenthalt hat, dass wir den Kapitän ausgerechnet dann treffen, wenn wir ihn brauchen...Regenwald

19. Tag
”Lustig, gell? Es ist Frankreich und sieht aus wie Afrika.” In perfektem Deutsch sprach die weiße französische Bäckereiverkäuferin mit uns, die sich sehr freute, mal wieder Deutsch reden zu können. Seit drei Jahren lebt sie in Französisch Guayana und wuchs an der Grenze zum Saarland auf. Nach einem kurzen Gespräch schenkte sie uns ein paar Backwaren, nur ein Baguette für günstige 65 Cent müssen wir bezahlen. Super nett nud es bestätigt unseren Eindruck, dass die Menschen hier freundlich sind. Nach 48 Stunden Tropen also Tote Schlangedie erste vorsichtige Nahrungsaufnahme, jedoch gleichzeitig mit der Information, dass es noch gar nicht richtig warm ist und es noch zu oft regnen. Dabei hat es doch nur eine halbe Stunde geregnet. Zwar heftig, aber kurz. Bei einem Gang zur Post glaubte ich plötzlich an Halluzinationen. Mitten auf einem Parkplatz entdecken meine Augen ein altes, kleines Wohnmobil. Beim Näherkommen stellt sich heraus, dass es sich um Belgier handelt und diese den Wagen verkaufen wollen. Auf ihrer Website erfahren wir später, dass sie ganz Mittel- und Südamerika damit bereist haben. Autokennzeichen Französisch-GuayanaWir hingegen radeln derweil zum Schiff, wo wir wieder einem großen ”Halllo” begrüßt werden und vom Kapitän verkündet bekommen, dass alles okay geht. Wir können schon heute einschiffen. Der Kapitän bot uns sogar an, dass seine Frau mit einem von uns in seinem zweisitzigen Leihwagen das Gepäck holen könnte, doch wir bedankten uns freundlich und radelten zurück zum Hotel, diskutierten dort noch ein wenig, weil wir die nächste Nacht nicht mehr zahlen wollten, packten unser Gepäck aufs Rad und radelten erneut zum Parkplatz BeschilderungSchiff. Unterwegs rechneten wir aus, dass unser Wasserverbrauch in den Tropen höher ist, als der Benzinverbrauch unseres alten Wohnmobils. Bei einer Strecke von 36 km kamen wir auf 6 Liter Flüssigkeit, hochgerechnet auf 100 km ist das ein Verbrauch von 16-17 Litern. Bei einem Preis von 0,60 €/Liter nicht gerade wenig. Auf dem Schiff angekommen sprangen wir zunächst unter die Dusche und aßen später zu Abend. Noch nie haben uns Bohnen mit Reis und Makrele so gut geschmeckt.

20. Tag
Durchgeschlafen! Tagsüber haben wir kaum die Kabine verlassen. LibelleNur einmal war ich an Deck, doch sofort schmerzte die Sonne aufder Haut. Manchmal fühlte es sich an wie kleine Nadelstiche. So verbrachten wir den Tag mit Wäschewaschen und DVD gucken. Nur abends, als die Sonne weg war, gingen wir aufs Deck und warteten auf das Ereignis, weshalb wir gestern nicht nach Kourou hätten fahren können, weil dort alles abgesperrt war. Um 20.44 Uhr startet eine Arianerakete der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Wir sind zwar bereits über 100 km vom Startplatz entfernt, Straße nach Degrad des Cannesdoch wir hoffen wenigstens einen kleinen Lichtpunkt sehen zu können. Weil wir nicht mit mehr gerechnet haben, ließ ich die Kamera ärgerlicherweise in der Kabine. Denn ein kleiner Lichtpunkt? Um exakt 16 Minuten vor 9 wurde die tiefschwarze Nacht hell erleuchtet. Es sah beinahe so aus, als würde die Sonne aufgehen, so hell war es plötzlich am Horizont. Ein wenig erinnerte es an die Bilder, die man von Atomexplosionen kennt, doch glücklicherweise stieg aus dem leuchtend rot-gelben Horizont kein Atompilz auf, sondern tatsächlich eine Rakete. Rasant stieg sie nach oben und flog in unsere Richtung. Nach wenigen Sekunden war sie exakt über und und man konnte kurz darauf deutlich erkennen, dass die Antriebsstufen Radtour durch den Regenwaldabgetrennt wurden und der eigentliche Raketenteil nun alleine weiter schwebte, somit also schon im schwerelosen Raum war. Ein einmaliger aber beänstigender Anblick, der wahrscheinlich von Land aus nicht so gut zu sehen war. Die Leute dort sind wahrscheinlich erst einmal geblendet direkt nach dem Start und dann sie die Rakete wegfliegen. Wir hingegen sahen sie auf uns zukommen und über uns hinweg rasen.

 

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