Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Frachtschiffreise in die Karibik und nach Südamerika <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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15. Tag
Zum Frühstück gab es, wie versprochen, Apfelpfannkuchen. Und wieder erhielten wir jeweils zwei davon. Guter Service, ;-)

Hafen von Französisch-Guayana RegenwaldDa Moni etwas Kopfschmerzen hatte, legte sie sich anschließend wieder hin. Natürlich klopfte ausgerechnet dan der Steward und wollte frische Bettwäsche bringen. Keine Ahnung, was er dachte, als ich sagte, dass Moni schläft.

Donnerstags machen wir auf dem Schiff irgendwie immer etwas mit unserem Gepäck. Am ersten Donnerstag räumten wir es in die Kabine. Am zweiten Donnerstag sortierten wir Gepäck aus. Mit dem Gewicht, was wir bereits in Holland aussortierten, haben wir nun rund 10 kg weniger Gewicht als beim Start unserer Reise in Essen. Heute sind wir wieder mit unserer Ausrüstung beschäftigt und zwar haven wir das Innenzelt und das Moskitonetz mit Antimückenspray imprägniert. Hoffentlich hilft es.

Den Abend ließen wir ruhig ausklingen und schauten eine Komödie auf Video – bis 20.15 Uhr als das Telefon klingelte: “You know where is the party-deck?” – Du weißt, wo das Partydeck ist? Der rumänische Offizier lud uns ein, seinen Geburtstag zu feiern und natürlich wissen wir, wo das Partydeck ist. Also hin zur Party. Um Mitternacht, die Uhr Weg nach Cayennewurde heute eine Stunde vorgestellt, da wir ja Richtung Osten fahren, lichtete sich die Partygesellschaft und nur der Schweizer, zwei Rumänen, der Kapitän und ich bewachten bis viertel vor 3 das Partydeck.

16. Tag
Trotz Uhrumstellung und langer Nacht schafften wire s pünktlich zum Frühstück. Anschließend imprägnierten wir auch unsere Kleidung, nahmen die erste von unseren Malariatabletten und ich genoss noch einmal 2 Stunden lang das warme Wasser im Pool. Am Mittag kam etwas Wehmut auf, denn wir fingen an, unsere Sachen zu packen und unsere Kabine aufzuräumen. Wie oft haben wir das Geschaukel und Gewackel verflucht, doch jetzt ist es schade, dass es dem Ende der Schifffahrt zugeht.

17. Tag
“Wir sind in Schweden”, sagte ich zu Moni. Das Schiff befindet sich im Hafen und der wiederum in einem Fluss. Auf der gegenüberliegenden Suferseite siehtm an Bäume, mehr nicht. Nur Bäume. Als ich morgens so langsam meine Augen ganz öffne und die Brille aufsetze entpuppt sich das gesichtete Schweden als tropischer Regenwald. Es war also nur eine Wunschvorstellung...Leere Straßen in Cayenne

Nach unserm letzten Frühstück holen wir mit dem Steward die Fahrräder aus dem Bauch des Schiffes und betretenzum ersten Mal das Festland von Südamerika. Willkomen in Französisch Guayana. Da das Schiff morgens um 4 Uhr anlegte, schlief fast die gesamte Crew bei unserer Abfahrt. Dem wachhabenden Offizier teilten wir mit, dass wir am darauf folgenden Tag kurz vorbei schauen werden, um uns zu verabschieden, denn der Frachter fährt erst in drei Tagen weiter.

Schon beim Bepacken der Fahrräder gerieten wir wegen des tropischen Wetters ins Schwizten und mein Hemd war klätschnass, bevor wir überhaupt losgeradelt sind. 12 Hauptstadt von Französisch-Guayanakm sind es von dem kleinen Hafengelände bis in die Hauptstadt Cayenne. Also keine wirklich weiter Strecke, schon gar nicht über eine schön asphaltierte Straße, doch bereits nach 8 km wünschte ich mir ein anderes Fortbewegungsmittel herbei. Nach zwei Wochen Faulenzen auf dem Schiff plötzlich körperliche Betätigung in den Tropen – mörderisch.

In Cayenne suchten wir sehr lange nach einer günstigen Unterkunft. Das erste Hotel kostete 70 €, das zweite 60 € und erst im dritten und wohl letztem Hotel der Stadt wurden wir fündig: 30 € ohne Klimaanlage und mit einer kaputten Plexiglasscheibe als Fenster. Diese dichteten wir erst einmal mit Servietten und Tape ab Moskitonetz im Hotelzimmerund dann erholten wir uns. Als wir an dem Hotel ankamen, stand ich kurz vor einem Kreislaufkollaps und schüttete Unmengen Wasser in mich hinein, nur damit dieses aus allen möglichen Hautporren wieder heruas gesprudelt kommt.

Die mehrheitlich schwarze Bevölkerung empfing uns überaus freundlich. Als wir für ein Foto kurz hinter dem Hafen anhielten, fragten einheimische Radler, ob wir ein Problem hätten. Als wir an einem Kreisverkehr nicht weiter wussten, weil der Weg in Richtung Stadt für Radfahrer verboten ist, begleitete uns ein anderer Radler ein ganzes Stück um uns den Weg zu zeigen. Als wir noch bei bei der Hotelsuche aufdringlich angebettelt wurden, kam ein anderer Mann und raunzte den Bettler an, er solle uns in Ruhe lassen. Und selbst im Straßenverkehr war alles sehr freundlich nud rücksichtsvoll. Mit der Lichthupe gewährte man uns langsamen Radlern sogar Vorfahrt. Als ich im ersten Hotel nach dem Preis fragte und in der Lobby die dortige Klimaanlage genoss, passte Moni draußen auf die Räder auf. Dabei wurde sie von Einheimischen über unsere Tour ausgefragt und woher sie käme. Einer von ihnen ist sogar mal mit dem Rad von Paris Geflicktes Fensternach Warschau geradelt. Und so einen trifft man dann in der Nähe des Äquators.

Aber dennoch: Französisch-Guayana gehört nur auf dem Papier zur EU. Es handelt sich zwar nicht um ein eigenständiges Land, sondern um ein französisches Departement, also um eine Art Bundesland, und die Autokennzeichen haben das blaue EU-Symbol und es wird mit dem Euro bezahlt, doch von Europa ist man hier weit entfernt.

Heruntergekommen Häuser, Plexiglasscheibe als Fensterein schäbiges Stadtbild und viele arme Menschen die in den Hauseingängen oder auf dem verdreckten Bürgersteig liegen und schlafen. Ein wenig überkam mich der Gedanke, dass hier die ”vergessenen Franzosen” leben. Ein Teil des französischen Volkes, dass weit weg ist von Paris aber dem Geld zusteht und auf Grund der Entfernung nur ein bißchen abbekommt. Andererseits hatte ich aber auch den Eindruck, dass die Leute eben auf dieses Geld aus dem fernen Europa geradezu warten, ohne großartig etwas dafür leisten zu müssen. Vielleicht lag es an den Nebenwirkungen unserer Malariatabletten, vielleicht auch daran, dass ich das Schiff und die tolle Reise vermisste, vielleicht am tropischen Klima oder auch an diesem gewissen Kulturschock, der uns hier ereilte aber auf jeden Fall fiel ich in eine Traurigkeit und wollte eigentlich nur weg. Es gefiel mir nicht und ich wurde fast schon depressiv. Moni ging es auch nicht gut und ich hatte einfach nur das Gefühl, an diesem Ort faArmut in Französisch-Guayanalsch zu sein und weg zu wollen. Doch wir konnten nicht, erst müssen wir zum Konsulat von Suriname um das Visum zu beantragen, doch heute ist Samstag, also zwei Tage Pflichtaufenthalt. Ein weiteres Problem ist die Strecke nach Suriname, denn Französisch-Guayana besteht praktisch nur aus Regenwald und es gibt nur eine einzige Straße an der Küste entlang. 260 km, doch diese ist auch noch für Radler verboten, soweit wir das sehen konnten. Was also tun? Erst einmal ins Internet und Möglichkeiten prüfen.

 

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