|
AUF DER SUCHE NACH PINGUINEN - TEIL 2 Mit dem Frachtschiff von Europa über die Karibik nach Südamerika
Drei Nächte schlafen wir insgesamt in Le Havre. In der ersten Nacht werde ich gegen halb 3 unsanft geweckt, weil irgendein Mofafahrer oft und lange hupt. Es macht den Eindruck, als wolle er jemanden wecken. Na, das hat er geschafft. Aber ob ich die Zielperson war?
In der zweiten Nacht ist uns der Schlaf etwas länger gegönnt. Immerhin erst um vier werden wir geweckt als im Hotelflur jemand sein richtiges Zimmer sucht und dabei wie wild an unserer Tür rüttelt. Erst als wir ein dreimaliges Non erschallen lassen, verzieht er sich und findet wohl sein richtiges Zimmer. In der dritten Nacht kommt der Geist der zukünftigen Weihnacht - nein, falsches Märchen. Es wird lediglich lauthals gestritten was damit endet dass die Frau des sich streitenden Pärchens mit festen Fußstampfern das Hotel verlässt. Wir verlassen auch das Hotel, aber erst am nächsten Morgen. Erst heißt es, wir sollten um 9 am Hafen sein, später nennt man uns 11 als Uhrzeit. Wir frühstücken und packen unsere Sachen auf die Räder. Währenddessen kommt ein Hotelgast schlaftrunken aus seinem Zimmer und fragt, welchen Tag wir haben. Nach meiner Antwort murmelt er noch ein Merci und verschwindet wieder in seine Kammer. Ich bin mir sicher, dass er der Betrunkene war, der zwei Nächte zuvor bei uns schlafen wollte.
Wir schieben die Räder auf die Straße und weiter bis zum 5 km entfernten Hafen. An Radeln ist nicht zu denken. Da wir ja nicht wissen, wie die Versorgungslage auf dem Schiff sein wird, haben wir uns mit Wasser, Cola und Süßigkeiten eingedeckt. Zwar bekommen wir dreimal täglich was zu essen, aber was machen wir, wenn wir abends um 9 doch mal in ein Stück Schoko beißen wollen? Also haben wir noch über ein Kilo Schokolade, zwei Beutel Bonbons, zwei Rollen Prinzenrolle, zwei so genannte Frühstücksbrote (längliche, gewürzte Brote die länger haltbar sind) und über 22 Liter Getränke in Form von Wasser und Colalight. Durch das Hafengebiet gehen wir zum Terminal de l’Europe. Dort zeigen wir dem Sicherheitspersonal unsere Tickets, damit dieses uns in das gigantische Gelände einlässt. Oftmals lese ich im Internet die Frage ob es möglich sei, mal eben zu einem Schiff zu gehen, den Kapitän anzusprechen und sich mit einfacher Arbeit die Überfahrt zu verdienen. Die klare Antwort heißt zumindest in Europa: Nein! Zum einen sind die Häfen aus Sicherheitsgründen weiträumig bewacht und eingezäunt, so dass man gar nicht an ein Schiff heran kommt und zum anderen kann der Kapitän diese Entscheidung gar nicht treffen, sondern die Reederei. Zudem ist logistisch alles so perfekt durchorganisiert dass diese romantische und veraltete Vorstellung der Vergangenheit angehört.
Wie auch immer, wir jedenfalls werden nun von zwei Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes durch das Wirrwarr des Hafens eskortiert. Das bedeutet, sie fahren im Schritttempo im Auto vor uns her während wir unsere Räder hinterher schieben. Nach zahllosen, haushohen Reihen von Containern stehen wir am Kai und sehen plötzlich vor uns das grün angestrichene Containerschiff “Marfret Normandie”. Ein Gewusel von Pkw, Containern und Menschen befindet sich auf der Landseite des Schiffes - und wir mittendrin. Am Heck des 190 m langen Schiffes ist eine Gangway angebracht, wo uns schon einige Matrosen freundlich grüßen. Wir lassen die Räder stehen, gehen hinauf über dieses verdammt wackelige Treppchen und melden uns beim wachhabenden Seemann. Damit beginnt unser Frachtschiff-Logbuch.
|
|