|
AUF DER SUCHE NACH PINGUINEN - TEIL 4 Mit dem Frachtschiff von Buenos Aires bis Hamburg
Tag 1
Von Buenos Aires nach Emden, von der Weltmetropole nach Ostfriesland – so heißt unser Ziel. Zum letzten Mal auf dem amerikanischen Kontinent bepacken wir unsere Fahrräder. Ein letztes Winken zum Portier des Hotels Marbella in der argentinischen Hauptstadt und schon schieben wir unsere Räder wie damals in Le Havre zum Hafen von Buenos Aires. Radeln ist undenkbar, dafür sind sie zu überladen. Wieder haben wir massig an Proviant eingekauft und zudem kommen jetzt auch noch Andenken und Mitbringsel dazu sowie Beschäftigungskram für die dreiwochige Schiffsreise. Dazu gehören ”Stern”, ”Spiegel” und der ”Focus”, die wir in Buenos Aires kaufen konnten sowie eine deutschsprachige argentinische Wochenzeitung und zwei Puzzle. Ein letztes Mal überqueren wir die angeblich breiteste Straße der Welt, passieren den Präsidentenpalast und sind froh, die Stadt bald hinter uns zu haben. Seit Tagen habe ich Halsschmerzen und Moni niest so oft, wie sie es sonst nicht tut. Wir vermuten, es hängt mit dem Dreck in der Luft und dem Smog zusammen.
Auf dem Weg werden wir von den freundlichen Menschen gegrüßt und am Hafen ist man wieder an unserem ”Woher und Wohin” interessiert. Wir fragen uns beim Zoll nach Senor Orsini durch, dem Hafenagenten, mit dem wir verabredet sind. Nur kurz nach der vereinbarten Zeit kommt er auch schon und entschuldigt seine Verspätung mit fünf Touristenpärchen, die mit ihren Wohnmobilen durch Südamerika kreuzen wollen, das mache halt viel Arbeit.
Wir sehen die Wohnmobile wie sie in einer Schlange auf die Einreise warten. Sie kommen gerade von ”unserem” Schiff und stammen aus Deutschland und Frankreich, doch nur ein französisches Pärchen erkennt in uns europäische Touristen und winkt freundlich. Nachdem sich die Tore für sie öffnen und sie nun durch das Land reisen können, erklärt uns Senor Orsini, dass auf jedem Grimaldi-Schiff europäische Touristen sind. Fast alle kommen aus Frankreich, Deutschland und natürlich Holland. Doch jetzt sind wir an der Reihe, immerhin wollen wir endlich nach langer Wartezeit auf die ”Repubblica Argentina”, die uns wieder heim nach Europa bringen soll. Sie befindet sich nru rund 100 m von uns entfernt, doch man verbietet uns auf eigene Faust zum Schiff zu gehen. Jeder, der sich im Hafen befindet, muss den Pendelbus benutzen. Da dürfen wir keine Ausnahme machen. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir die argentinische Bürokratie nicht einhielten? Wahrscheinlich zum Schiff aber so…
Also warten wir brav auf den Pendelbus und lächeln uns an, weil wir wissen was kommen wird. Der kleine, rote Bus erscheint und durch die schmale Tür passt ein Rad mit Gepäck auf keinen Fall. Selbst ohne die Packtaschen würden wir gerade mal ein Rad hinein hieven können, damit es dann auf den Sitzbänken zum liegen käme. Ein Hafenarbeiter sieht das Problem anscheinend überhaupt nicht und ruft aus dem Bus heraus, dass ich doch das 50 – 60 kg schwere Rad “mal eben” reinpacken sol. Wir schütteln mit dem Kopf und erklären dem Hafenagenten, dass dies nicht unser erster Hafen ist, in dem wir uns bewegen. Nach Le Havre, St. Maarten, Port-of-Spain, Cayenne in Französisch-Guyana udn dem dem brasilianischen Hafen von Belem wissen wir mittlerweile wo man zu gehen und auf was man aufzupassen hat. Doch Vorschrift ist Vorschrift und ”Wichtigsein” ist ”Wichtigsein”. So wird also per Funk ein Pick-Up geordert, der nach weiteren zehn Minuten erscheint. Mit drei Mann hieven wir die Räder auf die Ladefläche und ein Hafenarbeiter bleibt hinten drauf stehen unm die Räder einfach so mit seinen Händen während der Fahrt festzuhalten. Wir beide müssen in einen anderen Pkw steigen, der merkwürdigerweise nicht den einfachen, direkten Weg nimmt so wie der Pick-Up mit unseren Bikes. Vermutlich will man uns von der Gefährlichkeit eines Containerhafens überzeugen und braust umständlich mit und durch die haushohen Wände der gestapelten Container. An einer völlig uneinsehbaren Kreuzung wird kurz die Hupe gedrückt und dann Gas gegeben. Wenn das jeder im Hafen so macht fragen wir uns, was denn nun gefährlicher sei?
Anders als die “Marfret Normandie” die uns nach Brasilien brachte, ist die “Repubblica Argentina” kein reines Frachtschiff, sondern zugleich auch eine riesige Fähre. Dementsprechend ist der Aufbau ein völlig anderer und am Heck des Schiffes befindet sich eine Auffahrrampe. Dort tragen wir uns pflichtgemäß in das Buch ein, welches dokumentiert, wer alles an Bord ist. Die Räder sollen wir neben dem Lift parken und schon können wir die Packtaschen abnehmen. Auf dem 8. Deck befindet sich unsere Kabine im vorderen Teil des Schiffes, während hinten Hunderte von Neuwagen stehen, die allesamt noch mit Schutzfolie und Styropor verkleidet sind. Zwischendrin tragen wir mit einem der Matrosen unser Gepäck in Kabine 826.
Eines ist dabei sofort offensichtlich: Alles ist hier anders als auf unserer ersten Frachtschiffreise. Die Kabine ist bei weitem nicht so geräumig und luxuriös wie wir es kennen lernten. Auf Teppich, DVD und Haustelefon kann man natürlich verzichten. Weniger schön ist der fehlende Kühlschrank und das verschraubte Bullauge. Diese lässt sich dadurch nicht öffnen, womit das abendliche Nachrichtenhören bei der Deutschen Welle ausfällt, da man durch die Metallumhüllung der Kabine keinen Empfang hat. Ungewohnt auch, dass wir nun in zwei ”echten” Kojen schlafen müssen, also in Doppelstockbetten. Moni entschied sich spontan für oben, schaute aber etwas irritiert, als ich sie daran erinnerte, dass sich das Schiff bewegen wird. Denn seltsamerweise gibt es keine ”Rausfall-Schutzhalterung”. Vielleicht ein gutes Zeichen?
Davon abgesehen dass es sich um einen Wohn-/Schlafraum handelt und nicht um zwei separate Zimmer gibt es als Tisch nur ein Sideboard. Na hoffentlich passt da das Puzzle drauf.
Als wir die Schlüssel überreicht bekommen, werden wir direkt vom Steward zum Lunch gebeten. Gleichzeitig zeigt er uns die Essenzeiten, die sich nur geringfügig von unserer ersten Erfahrung unterscheiden und bringt uns in die Offiziersmesse. Wir bekommen einen Tisch für uns alleine und damit bestätigt sich, was wir bereits aus dem Internet wussten: Hier auf diesem Schiff wird nur mit dem Kapitän an einem Tisch gemeinsam gespeist, wenn er dazu einlädt. Dies passt auch zu einem anderem Eindruck, den wir bis jetzt hatten: Haben wir auf der “Marfret Normandie” den Kapitän einmal und den Chefingenieur ganze zweimal innerhalb von drei Wochen mit Hemd und Schulterklappen gesehen, so ist hier die gesamte Crew uniformiert. Es herrscht also ein anderer Umgangston.
Wir nehmen Platz und fangen vorsichtig mit der Vorspeise an. Danach kommt der zweite Gang, der dritte Gang, die Nachspeise und zum Schluss noch ein Espresso. Zu alledem tranken wir eine kleine Flasche Wein, typisch italienisch eben. Nach der Mahlzeit, die sich über eine Stunde hin zog verzogen wir uns in unsere Kabine zurück und erkundeten das Deck oberhalb des Wohnbereichs. Dabei handelt es fast um das gesamte Dach des Schiffes und bietet daher viel Freifläche. Nachdem das Schiff noch bis in die späten Abendstunden beladen wurde und den Hafen nicht verließ und wir mittlerweile auch genug Bilder vom Hafen machten begannen wir mit dem ersten Puzzle, das noch am heutigen Tag zu dreiviertel fertig gestellt wurde. Auch das Dinner um 18 Uhr fiel wieder sehr üppig und lecker aus und nach der Nachspeise in Form von Obst gab es sogar noch ein Eis, also eigentlich fünf Gänge.
|
|