Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und WeltenbummlerVII / Radreise durch Europa <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

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Anklagen müsste man aber mal andere. Nämlich die Leute, die meinen, sie müssen mit Brot die Möwen an der Strandpromenade anlocken und dann als Dankeschön mit einer Erbsenpistole abschießen und die Tiere so quälen.

Wobei die Möwen auch nicht ohne sind. Einmal will ich Moni fotografieren, wie sie sich an einem Geländer anlehnt währenHochgewachsenes Gras wo das Zelt standd sich von hinten auf demselben Geländer eines dieser Seevögel zu Fuß annähert, dieses plötzlich die Flügel majestätisch ausbreitet und mit einem Male abhebt um das Brötchen in meiner anderen Hand erhaschen zu wollen. Das Mistvieh hat es aber nicht geschafft. Dafür habe ich zwar auch nicht das gewünschte Foto, kann aber wenigstens mein Brötchen behalten. Bei einem dieser langen Baguettes hätte das anders ausgesehen. Und die Chance, dass die Möwe ein Baguette bWürstchen im Schuhei uns klaut, ist groß. Wir zählen den Baguetteverbrauch zwar nicht, aber er ist enorm. Jeden Nachmittag kaufen wir das Baguette im Doppelpack um es am nächsten Morgen zu frühstücken. Manchmal kommen aber nur 1,5 Baguette im Zelt an, denn auf dem langen Marsch zum Campingplatz hat Moni schon mehrfach probiert, ob es denn noch gut sei und ob es schmeckt. Immerhin gibt es ja verschiedene Ausführungen; Baguette in Vollkorn, als Rechteck, in breit, in dünn usw. Belegt wird es fast nur mit Nutella. Momentan führen wir unser siebtes Glas Nutella mit uns herum - und das nach nur vier Wochen.

Moni ist in der Nahrungsaufnahme manchmal etwas kreativer. Bei ihr gibt es auch mal Butter aufs Brot. Und nicht nur da. An einem Nachmittag lassen wir die in Folie eingepackte Butter versehentlich im Innenzelt. Unser Thermometer zeigt uns an, dass während unserer Abwesenheit die Temperatur im Zelt auf 47,7 Grad Celsius klettert. Bei dieser Wärme will die Butter aber auch raReiseräderus. Aus der Folie schafft sie es ja auch, doch sie verbleibt auf dem Boden des Innenzeltes. Tagelang haben wir den Duft von Buttersäure im Zelt hängen, lecker… Waschmittel, Spülmittel, Salz, Desinfektionsmittel und schließlich eine geriebene Zitrone bringen wieder normalen Duft in unser “Zuhause”. In der Zwischenzeit entwickelt sich der Begriff “Butterflüchtlinge”. Damit sind all jene Dinge gemeint, die man woanders stapeln muss, damit sie nicht in dem butterkontaminierten Bereich des Zeltbodens liegen. Woanders bedeutete in diesem Fall, dass alles neben meiner Isomatte gestapelt wird. Es sind zum Schluss so viele Dinge, dass die Gefahr besteht, dass sämtliche Kleidungsstücke, Handtücher, Baguettes und natürlich Tüten über mir zusammen brechen.Ortseingang Le Havre

Neben den Baguettes, die bekanntermaßen typisch für Frankreich sind, gibt es noch andere Dinge, die zumindest typisch für die Normandie sind. Das wären die zahlreichen Soldatenfriedhöfe und die Bauwerke deutscher Architektur aus der ersten Hälfte des letzen Jahrhunderts. Gemeint sind die Bunker und Gefechtsstände aus dem Zweien Weltkrieg von denen es auch welche in Etretat gibt. Neben der Kirche Notre Dame befindet sich zudem ein kleiner Soldatenfriedhof mit “nur” 600 gefallenen Soldaten, davon 11 deutsche, die etwas abseits begraben liegen. In diesem Zusammenhang seien auch die Andenkenläden des Ortes erwähnt. Zwischen Spielzeugautos, Gummi-Enten, Schwimmringen und Eisständen gibDenkmal Le Havret es natürlich auch viele Stände mit bunten Postkarten. Zwischen eben dieser farbenfrohen Vielfalt stecken schwarz-weiße Postkartendes US-Militärs auf denen heldenhafte Soldaten abgebildet sind und als Befreier gefeiert werden. Irgendwie skurril ist dieses Bild schon, dass direkt daneben kleine schwarz-rot-goldene Deutschland-Fähnchen verkauft werden.

DIE LETZTEN METER IN EUROPA

Wir hingegen haben wieder unser Frankreich-Fähnchen ans Fahrrad angebracht und rollen die 35 km nach Le Havre. Denn eines Tages bekommen wir die Nachricht, dass es soweit ist: Morgen fährt es ab und nimmt uns mit nach Trinidad - unser Schiff. Mehrfach hat sich der Termin verschoben, selDenkmalbst am letzen Tag noch einmal. Unterwegs zur Hafenstadt zeigen uns zwei Franzosen zustimmend den ausgestreckten Daumen und freuen sich über uns.

In Le Havre angekommen suchen wir Tankstelle nur für Luft für Fahrräderals erstes eine Tankstelle um den Reifendruck in den Rädern zu erhöhen. Leider ist es in Frankreich üblich, hierfür einen Betrag von 50 Cent zu bezahlen. Unglaublich, für Luft. Aber während unserer Suche werden wir von einem Mofafahrer angesprochen. Er sei der Präsident des lokalen Radfahrerverbandes und ist sehr an unserer Reise interessiert. Er ist auch derjenige, der uns zwei Säulen nennt, die extra für Radfahrer in der Stadt eingerichtet wurden, damit diese Luft tanken können. Wir haben Marfret Normandieuns sehr über diesen tollen Service der Stadt bedankt und freuen uns, den netten Herrn getroffen zu haben.

Anschließend geht es wieder in das Hotel zurück, in dem wir schon zwei Wochen zuvor übernachteten. Selbst dasselbe Zimmer erhalFahrräder im Hotelten wir. Na ja, und den Anruf der Reederei, dass das Schiff erst am nächsten Tag wird ablegen können. Es soll “auf Reede” liegen, also draußen auf offener See, weil der Liegeplatz im Hafen belegt ist. Und tatsächlich, bei einem Strandspaziergang haben wir einen Blick auf “unser” Schiff. Zwischen vielen anderen können wir es mit Hilfe des Fernglases und dem Zoom der Digitalkamera gut ausmachen. Es liegt unbewegt rund 10 km vor Le Havre. Wollen wir also hoffen, dass das Einschiffen klappen wird.

 

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