Die Weltenbummler

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Irgendwann habe ich auch das Fahrrad repariert und den Benzinkocher gereinigt. Eigentlich hatte ich das für die Zeit auf dem Schiff vorgesehen und einen Tag dafür eingeplant. Das Ganze hat zusammen gerade mal Eseletwas über eine Stunde gedauert, na ja…

Nur die Sache mit dem gebrochenen Gepäckträger ist nicht ganz so glücklich gelaufen. Der Automechaniker, bei dem wir zwischenzeitlich waren, schweißte einfach ohne darauf zu achten, dass es Aluminium ist.Normandie Nun, der Schaden ist jetzt etwas größer als vorher, aber noch vertretbar…

Hier ein bisschen Statistik über unseren bisherigen Reiseverlauf:

gefahrene Kilometer mit dem Rad: 500 km,
bisher höchste Geschwindigkeit: 46,3 km/h
platte Reifen: 0
Speichenbrüche: 0
bisherige Schäden:
Ein Rücklicht - weg,
Ein Kettenschutz - weg,
drei Kugellagerkügelchen - weg,
ein Ständer - weg, aber ersetzt
Knieprobleme: leichte bei mir links (nur gelegentlich)
gegessene Nutellagläser: 3 kleine, ein großes, ein weiteres großes gerade eingekauft…

Über zwei Wochen verbringen wir aufBaguette dem, zum Glück, recht günstigen Campingplatz bei Etretat. Der Ort selbst ist sehr beliebt bei Touristen. Kleine Fachwerkhäuser, hübsche Gassen und die großartigen Felsklippen am steinigen Strand locken aus allen möglichen Ländern. Neben den Standardtouristen aus Holland, England, Deutschland sehen wir Autos auWatt Ebbes Finnland, Estland, Polen, Tschechien, Russland, Spanien, Italien, Belgien, der Schweiz, Österreich, Dänemark, Schweden, Luxemburg, und eines sogar aus Marokko. Zudem gibt es sogar einen Reisebus mit Touristen aus Belarus/Weißrussland!

Überhaupt sind die Touristenströme interessant zu beobachten. Morgens leert sich der Campingplatz und die Leute lassen uns zurück, doch nachmittags kehrt bei uns Spannung ein, woher denn wohl die neuen Nachbarn kommen werden. Das zeigte sich im Lauf der Zeit soweit, dass der Erste von uns beiden, der aufsteht und seinen Kopf aus dem Zelt hält einen Bericht abgibt:

”Die Holländer von gegenüber sind weOrtseingang Étretatg. Die Engländer mit dem Opel Astra auch.”

“Und die Kölner mit dem schreienden Kind?”

“Tut mir leid. Die sind noch da.”

Dabei bestätigt sich sogar manches Klischee. Die genannten Engländer beispielsweise, ein älteres Ehepaar, fallen dadurch auf, dass von ihrer Parzelle eines Morgens Knister- und Brutzelgeräusche zu hören sind. Nachdem ich um die Ecke luge, sehe ich wie der britische Küchenchef Eier in der Pfanne wHausnummernendet. Leise sage ich zu Moni, dass jetzt nur noch der Schinken fehle, als Frau Küchenchefin aus dem Vorzelt tritt und ihrem Mann genau diesen Schinken zum Anbraten reicht. Guen Appetit…

Lustig sind auch die Holländer, die recht früh kommen und noch eine große Auswahl an Parzellen haben. Nach 15minütiger Besichtigungszeit bleiben drei Parzellen in der engeren Auswahl. Nach weiteren 10 MinuteFelsspitze Étretatn und der Feststellung, dass keine von ihnen so recht “authentisch” sei, entscheiden sie sich für unsere Nachbarparzelle. Unter unseren streng beaufsichtigenden Blicken bauen sie schließlich ihr Zelt auf, was nochmals doppelt so viel Zeit kostet.

Aber immerhin bauen sie gemeinsam auf. Das junge Paar aus Belgien sorgt einen Tag später für Arbeitsteilung. Er baut pflichtbewusst und fleißig das recht große Zelt auf, während sie daneben im Gras sitzt, Tee trinkt und mit den Füßen wippt. Wir stehen kurz davor, der armen Sau (also ihm), unsere Hilfe anzubieten. Ganz ehrlich? An seiner Stelle würde ich die Frau in die Wüste schickeSchlüsselloch in der Felswandn - oder halt zurück nach Belgien.

Manchmal kann man zudem aber auch froh sein, dass man die vielen verschiedenen Sprachen nicht versteht. Wer weiß, was alles so um uns herum gesprochen wird. Von den drei Hamburger jungen Frauen von schräg gegenüber erfahren wir beispielsweise bei ihrem “Stadt-Land-Fluss”-Spiel, dass Hamburg ein Land ist. Gut, dass eines der ca. 20jährigen Frauen weiß, dass es sich bloß um ein Bundesland handelt - immerhin. Moni wiederum muss ein Gespräch polnischer Touristen mit anhören, bei dem es um peinliche Intimitäten geht. Der gesamte Campingplatz kann dieses laute Gespräch verfolgen. Verstehen kann es aber nur Moni, weMikrokosmosnn die Polen das gewusst hätten…

Doch unsere “liebsten” Kurzzeitnachbarn bleiben eine ganze Woche direkt neben uns. Ein Elternpaar mit vier kleinen Kindern. Erst halten wir sie für Mexikaner. Nicht nur, weil sie Spanisch sprechen, sonst hätten wir sie ja auch für Spanier halten können. Nein, sie sind auch so klein und dunkelhäutig, wie mCampingplatzan sich Azteken vorstellt. Doch schon am zweiten Tag ihres Aufenthaltes bricht unser Weltbild zusammen, genauso wie die Stätten der Inkas, denn der Häuptling dieser sechsköpfigen Maya-Kultur, also das Familienoberhaupt, trug ein T-Shirt dass den bunten Aufdruck trug: Bolivia. Das ärmste Volk Südamerikas macht also Urlaub in Frankreich? Na ja, wohl kaum. Es sind vielmehr Einwanderer und ihre Mentalität bringen sie auch gleich mit. Recht laut sind sie und das bis tief in die Nacht, nett sind sie aber auch. Doch als wir nach einer Woche Hasta Aufgeweichte Schuhela Vista sagten, sind wir schon froh, dass wieder ein wenig Ruhe einkehrt.

Doch so richtig ruhig wird es auf diesem Platz wohl nie. Alle zwei Tage bzw. Nächte kommt ein gewaltiges Gewitter über uns und testet die Standhaftigkeit unseres Zeltes. In den regenfreien Nächten wiederum kann man Tiere hören, oder besser gesagt: ein bestimmtes Tier. Beim ersten Mal klang es noch ziemlich unheimlich, ein ständiges lauter und leiser werdendes Flapp-Flapp. Wir haben nicht heraus gefunden, was es ist, vermuten aber ein nachtaktiver Flieger, der auf Beutefang ist. Blöd nur, dass man manchmal bei solch nächtlichen Störungen aufs Klo muss. Auf diesem Campingplatz bedeutet der Gang zum Sanitätsgebäude die Überwindung eines Stahltores, dass sich nur mittels einem vierstelligen Pincode öffnen lässt. Als wir diesen am Anfang erhielten, mutmaßen wir eigentlich, dass sich dieser auch mal ändern wird. CampingkocherAber nein, jeder Gast erhält denselben Pin, der wohl eine Bedeutung hat und so weiß halb Europa, mit welcher Ziffernfolge man aufs Klo gehen kann. Zugegebenermaßen haben wir in den zwei Wochen etwas Zeit übrig, uns Gedanken über den Pin zu machen und haben das Rätsel gelöst. Wird natürlich nicht verraten, hat aber was mit einem Schriftsteller aus Etretat zu tun…

 

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