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Wir bauen unser Zelt etwas weiter ob erhalb auf und legen uns schlafen - bis halb 12 in der Nacht. Denn zu diesem Zeitpunkt bekomme ich das Zeltdach ins Gesicht geklatscht. Nur zur Erinnerung: Ich schlafe normalerweise im Liegen und das Dach ist wesentlich weiter über mir. Doch der Wind ist zu heftig und drückt das gesamte Zelt nach unten – in mein Gesicht. Wir beschließen trotz Sturm, das Zelt abzubauen und neben einem nahe liegenden Gefechtsstan d der Wehrmacht wieder aufzubauen…
Also bauen wir im Dunkeln mit einer Stirnlampe bestückt und im regnerischen Sturm alles ab und neben dem Bunker wieder auf. So bekommt die Bezeichnung Luftschutzbunker eine ganz neue Bedeutung - allerdings nur für eine kurze Zeit. Gegen halb 2 in der Nacht dreht der Wind und es beginnt wieder von vorne. Also bauen wir diesmal alles ab, packen unsere Räder un d suchen uns einen ganz anderen Stellplatz irgendwo zwischen diesen Favela-Häuschen, wo wir endlich den Rest der Nacht verbringen können. Am nächsten Morgen kommt der Schadensbericht: die beiden Zeltstangen sind auf Grund des Sturms derart verbogen, dass wir befürchten, neue besorgen zu müssen.
Wir radeln bepackt zur Hauptstraße zurück und fragen einen Einheimischen, wie weit wohl der nächste Ort Le Touquet ist. Er m eint, dieser sei nur 10 km entfernt, was uns merkwürdig vorkommt, denn schon auf unserer schlechten Karte aus dem Touristenbüro sieht es nach wesentlich mehr aus. Wir überlegen lange und beschließen auf Grund des starken Windes wieder auf die Bahn umzusteigen. Die Gefahr eines Unfalles ist uns einfach zu groß . Eine einzige plötzliche Windboe würde auf den engen Landstraßen ausreichen uns auf die Straße umzuwerfen. Und wenn dann ein Lkw von hinten kommt…
Also fahren wir nach Boulogne zurück, das erste Mal auf der gesamten Tour ohne Gegenwind, diesmal kommt er nämlich logischerweise sogar von hinten. Der Wind ist so stark, dass ich einen Berg hoch komme ohne in die Pedale treten zu müssen!!! Dummerweise stellt sich mir nur ein Renault Twingo in den Weg. Rückwärts kommt er aus der Ausfahrt ohne zu gucken. Ich stupse mit dem Vorderrad gegen seine Stoßstange und was macht der Fahrer? Er schimpft rum, schaut nach seinem Auto und fährt weiter. Ich also hinterher mit meinem schweren Rad und ihn zum Halten gebracht. Ein Wortgefecht ergibt sich, aber sonst passie rt weiter nichts. Kann sich ja wenigstens mal entschuldigen. Na ja, ich rolle daraufhin meine Frankreichflagge ein. Ich habe keine Lust mehr, den Nationalstolz der Franzosen zu unterstützen. Zweimal rief man uns bisher wegen der Flagge “Vive le France” zu.
Am Bahnhof von Boulogne wird es schließlich schwierig. Der Streik hält an und man kann uns nur Züge nennen, die erst nach Paris fahren würden. Diesen riesigen Umweg wollen wir nicht machen. Vor allem würden wir bei dem Preis auch einen Leihwagen bekommen… Einen Leihwagen? Ist da draußen nicht irgendwo ein Avis-Schild? Tja, wahre Radpuristen würden wahrscheinlic h spätestens jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Aber wir wollen ja keine Rekorde brechen, sondern reisen. Und zum Reisen gehören auch Überraschungen dieser Art. Zudem ist ein Fortkommen unter diesen Umständen nicht möglich und wie schon erwähnt, der Druck, dass das Schiff jederzeit einlaufen und ohne uns wieder auslaufen könnte…
Es wird also ein Citroen C3, den wir am nächsten Tag in unserem Zielort Le Havre abgeben müssen. Doch dann wird es lustig: Wir beide mit zwei ausgewachsenen Rädern, acht Packtaschen, drei Seesäcken, ein em Zeltsack, zwei Lenkertaschen auf dem Parkplatz vom Bahnhof in Boulogne. Und alles soll in das Auto? Eine Stunde brauchen wir dafür, alles passend klein zu schrauben, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen, es passt alles rein…
So fahren wir an der Küste entlang, spüren sogar im Auto den heftigen Wind und sind froh über diese Entscheidung. Zudem haben wir nun etwas Zeit und schauen uns auch mal etwas an, was so am Wegesrand oder in der Nähe liegt. Im Ort Etretat gefällt es uns sehr gut. Der Reisejournalist würde für diesen Ort wohl den Begriff “pittoresk” verwenden. Einfach nur hübsch. Doch wir müssen zunächst nach Le Havre, dort suchen wir am nächsten Morgen ein billiges Hotel und nutzen die Gelegenheit, mit dem Auto schon mal den Hafen zu inspizieren. Abends lesen wir schließlich im Internetcafe, dass das Schiff rund 8 Tage später kommen wird, na toll.
Wir beschließen, alle unsere Sachen zu packen und uns eine schöne Zeit auf dem Campingplatz in dem wirklich sehr schönen Ort Etretat zu machen. Dort können wir am kommenden Freitag ein Feuerwerk sehen und an ei nem öffentlichen Ball teilnehmen. Es wird der französische Nationalfeiertag begangen. Wird bestimmt lustig. Wäre nur schön, wenn endlich mal das Wetter besser werden würde. Ich hatte bisher nur einmal kurz Gelegenheit meine Beine in die Nordsee zu stellen. Aber egal, bald kommt die Karibik…
URLAUB IN ETRETAT
Die Tage vergehen und es passiert bei uns nicht viel. Wir sitzen den ganzen Tag auf dem Campingplatz und essen, lesen, spielen Karten etc. Und wenn dann doch mal der Regen aufhört, dann gehen wir spazieren. Die Küste bei Etretat ist wirklich sehr schön.
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