Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Radreise durch Europa <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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Als wir morgens wach werden, hören wir schon wieder das Regengetrommel auf dem Zeltdach. Trotzdem, die Devise heißt: Zusammenpacken und los. Wir haben ja immer die Sorge im Nacken, dasFahrrad in Frankreichs der Anruf kommt, das Schiff wäre da. Dann würden wir aber ziemlich dumm dastehen. Ein Frachtschiff wartet nicht, schon gar nicht auf zwei Radler, die noch viele hundert Kilometer entfernt irgendwo gegen die Witterung ankämpfen. Vor der geschlossenen Bücherei in Dunkerque warten wir auf das Öffnen derselbigen, in der Zeit vertreibe ich mir die Wartezeit mit Rumbasteln am Rad. Leider auf Kosten des Kugellagers, zwei Kügelchen hüpfen runter und verschwinden auf NimmerwieVerbotsschilddersehen in den Straßen Dünkirchens. Als die Bücherei aufmacht und wir den ersten Bericht für das Reisetagebuch nach einer halben Stunde fast fertig haben, stürzt der Computer ab - alles weg. Weil wir keine Lust haben, alles neu zu tippen, sind wir dann auch weg. Wir radeln also weiter und stolpern im fast orkanartigen Gegenwind über den Bahnhof der Stadt. Wir schauen uns an und denken beide dasselbe: Wenigstens mal fragen…

Und tatsächlich, es gibt eine Regionalbahn über Calais nach Boulogne sur Mer. Allerdings müssen wir einmal umsteigen. Kein Problem, dafür sind ja die Räder kostenlos mit drin.

AB INS LANDESINNERE

Wir holen also unsere Tickets und fahren nach Hazelbrouk. Ein Blick auf die Karte (nachdem wir im Zug sitzen) verrät uBritischer Soldatenfriedhofns, dass wir erst landeinwärts fahren, um nach Hazelbrouk zu gelangen. Dort angekommen, haben wir zwei Stunden Aufenthalt und schauen uns ganz gemütlich die Stadt an, was uns gefällt. Denn dies ist eigentlich das erste Mal, dass wir uns etwas in Ruhe anschauen können.

Mit der nächsten Bahn geht es dann nach Calais. Dort kommt uns ein netter Schaffner entgegen, sieht unsere schweren Fachwerkhaus der NormandieRäder und führt uns wegen mangelnder Rolltreppen und Fahrstühle über die Gleise in irgendein Hintergebäude, wo sich ein Lastenaufzug befindet. Klappt prima. Unterwegs teilt er uns aber mit, dass unser weiterer Weg per Bus stattfinden sollte. Wir verstanden nicht, wieso. Doch wir packen unsere sämtlichen Sachen vom Rad ab, laden sie in den Bus und fahren los. Alleine das Entladen beider Räder dauert rund 10 Minuten…

Später erfahren wir, dass auf manchen SKapelle in Étretattrecken der Regionalbahn gestreikt wird und dafür halt die Ersatzbusse eingesetzt werden. Na ja, hat ja alles geklappt, bis auf die kleine Tatsache, dass das Rücklicht an meinem Rad die Busfahrt nicht überlebt hat. Wie sollte es auch anders sein?

In Boulogne kommen wir gegen drei Uhr an, schieben die Räder steil bergauf in die Altstadt, um dort zu erfahren, dass das Touristenbüro unten am Hafen sei. Also wieder runter, dort lange gesucht, weil das HäuscheFahrräder im Auton viel zu klein ist, nach einem Campingplatz gefragt und eingekauft. Im Touristenbüro frage ich nach dem Weg zum Campingplatz. Angeblich immer geradeaus nach Le Portel. Weil der Weg sehr nach Nationalroute aussieht, frage ich, ob das wirklich sicher sei, dass man dort mit dem Rad entlang fahren kann. Die Antwort: “Naturellement!”

Wir radeln also stadtauswärts, die Häuser wHotel in Le Havreerden weniger, die Autos mehr, die Straßen breiter und nach knapp 5 km an einem Kreisverkehr stehen wir wie versprochen an der Straße nach Le Portel. Dumm nur, dass es wirklich eine Nationalstraße ist. Vergleichbar mit einer Autobahn, riesige Verbotsschilder für Fußgänger und Radfahrer…und nun?So bewegen wir uns also zurück zum Touristenbüro, bei dem folgender Dialog entsteht (aus dem französisch-englischen übersetzt):

-Hallo, erinnern sie sich noch?
-Ja, hallo, was gibt es?
-Nun, wir sind etwas verärgert. Wissen Sie, was eine Nationalroute in Frankreich bedeutet?
-Ja, warum?
-Wissen Sie auch, was ein Fahrrad ist?
-Ja, natürlich.
-Dann kommen Sie bitte mal mit raus.
(draußen)
-Schauen Sie mal, damit schicken Sie uns zum Campingplatz auf einer Nationalstraße…

Schuhe zum TrocknenMittlerweile schaltet sich auch die Vorgesetzte ein, fragt nach dem Problem und versucht uns den richtigen Weg zu zeigen: Ich bitte sie, uns endlich (es ist schon spät) den Weg auf einer Karte zu zeigen. Das fällt ihr kurioserweise sehr schwer. Traurig, dass solche Leute Auskünfte geben dürfen. Schön ist allerdings Moni, die auch schimpft wie ein Rohrspatz und plötzlich im besten Englisch ausrief: “I’ll sleep here”.Leeres Schloss Das wollen die Mitarbeiterinnen wohl auch nicht und sind schließlich doch bemüht uns zu helfen.

Es geht also noch weitere 5 km, diesmal auf dem richtigen Weg zum Platz. Dort angekommen werden wir unschön begrüßt: „Nächstes Mal nicht durch die Tür, die ist kaputt!!!“

FAVELAS IN FRANKREICH

Nett, sollen wir durch das Fenster einfliegen? Na ja, schlimmer ist aber der Platz. Erst denken wir, so sehen Campingplätze bestenfalls in der Ukraine aus. Aber als ich den Wasserhahn öffne, wird mir klar, dass das nicht sein kann. In Promenade in ÉtretatTschernobyl sieht das Wasser wahrscheinlich sauber aus, hier nicht… Nein, der ganze Platz erinnert an einen Slum, ohne zu übertreiben. Bellende Hunde kommen einem entgegen, verfallende Wohnhäuschen, verfallene Gebäude, die vor langer Zeit einmal zum Duschen genutzt wurden….einfach nur schlimm.

 

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