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Am nächsten Morgen treffen wir in Xanten eine Reisegruppe, die sehr interessiert ist und zum ersten Mal tauchen die WWW-Fragen auf: Woher, Wohin, Wie lange… Die Antworten unse rerseits bringen natürlich großes Erstaunen hervor, aber auch die besten Glückwünsche.
HOLLAND IST FLACH
Der Übergang nach Holland ist trist. Man merkt den Unterschied zum Nachbarland nur an der Straßenbeschild erung und den plötzlich auftauchenden Bergen. Jawohl, Holland hat Berge. Und die Holländer sind sogar so stolz darauf, dass sie gleich ganze Ortschafen danach benennen: Berg en Dal.
Das Land ist aber recht unspektakulär. Das mitgeführte Fernglas ist eigentlich für Südamerika und die Schiffsüberfahrt bestimmt, doch auch in Holland erweist es sich als nützlich. Das Land ist so flach, dass man morgens beim Zeltabbauen sieht, wo man abends sein Zelt wieder aufschlägt. So kommt es, dass wir zwischendurch auch mal per Fernglas Ausschau halt en müssen. Wir wollen zwar schön am Waal (so heißt der Rhein in Holland) entlang, aber das klappt nicht immer. Also kurven wir so durchs Land, was ohne Karte manchmal etwas schwierig ist, aber trotzdem erreichen wir Breda. Doch dort nimmt unser Schicksal seinen Lauf…
Es regnet schon tagelang und der Wind bläst immer stärker je näher wir der Nordsee kommen. Ein Fortkomme n ist extrem schwierig und dabei sind wir nur in Mitteleuropa. So beschließen wir, den Rest bis zur Küste mit der Regionalbahn zu fahren. Wir fragen im Touristenbüro, wohin wir müssen, um die Westerschelde mit der Fähre zu überqueren. Es heißt, die erste Fähre im Osten würde noch fahren, die zweite weiter westlich jedoch nicht. So kaufen wir ein Ticket bis Kruiningen, verstauen in einer ziemlich anstrengenden und hektischen Geschichte die Räder im Zug, steigen einmal um und landen in Kruinin gen. Dort radeln wir zum Terminal und finden….nichts.
So ungefähr muss es in Tschernobyl aussehen, geht es uns durch den Kopf. Alles zugewachsen, verwaist und kaputt. Anwohner teilen uns mit, dass hier schon seit zwei Jahren kein Schiff mehr fährt. Na toll, und wir stehen jetzt hier im Regen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es bliebe aber die Fähre 40 km weiter westlich, die angeblich nicht mehr fahren soll, jedoch do ch noch in Betrieb ist. Also suchen wir erst einmal einen Campingplatz auf. In der Zwischenzeit ziehen sehr dunkle Wolken auf und suchen uns anscheinend. Dummerweise finden sie uns auch noch eher, als wir den Campingplatz finden können. Als wären wir nicht schon nass genug und haben sowieso kaum noch trockene Klamotten, legt auf einmal ein Unwetter los: Autofahrer halten an, weil die Scheibenwischer nicht mehr mithalten können, um uns herum flackern die Blitze und was machen wir? Wi r radeln einfach weiter. Unterstellmöglichkeiten gibt es keine; Moni kommentiert dies mitten im Regen mit den Worten: „Dieser Regen kostet uns 100 Dollar, ich habe sie im Schuh stecken, dieser ist bis obenhin mit Wasser gefüllt.“
Am Campingplatz angekommen, kommt auch die Sonne wieder heraus. Man stelle sich vor, man ist plätschnass, halb erfroren, gefrustet, hungrig und dann meint Moni plötzlich: „Na ja, so schön ist es hier nicht gerade, lass uns ruhig mal noch ein bisschen weiter radeln…“ Das machen wir dann auch, bis wir wenige Kilometer später einen Campingplatz fast für uns ganz alleine finden.
Der nächste Tag beginnt mit demselben Wind und wir machen uns auf den Weg zur Fähre. Nach 7 km passiert es: Auf der regennassen Strecke schaue ich nach rechts ein wenig in die Landschaft und während ich so vor mich hin träume, komme ich mit dem Vorderrad vom Weg ab, rutsche weg und überschlage mich. Nach dem ersten Schreck meint Moni, es habe hollywoodreif ausgesehen. Bis auf einen Kratzer ist mir nichts weiter passiert, doch eine Packtasche hat nun ein Loch, dass wir später flicken müssen und der Kettenschutz ist lädiert. A ber alles in allem ist es glimpflich ausgegangen.
Nur wenig später machen wir eine Pause und ich ziehe leicht an der Packtasche, wobei dabei versehentlich die Halterung des Gepäckträgers kaputt reißt. Müssen wir mal demnächst schweißen lassen. Kurz bevor wir die Fähre erreichen, will ich ein Foto machen, halte an, klappe den vorderen Ständer um, als dieser mit einem lauten Knack über die halbe Straße fliegt.
Irgendwie scheint mein Rad auseinander zu fallen. Später rast das Schiff mit uns über die Westerschelde und ich kann auf d er anderen Seite inmitten von zahlreichen Touristen aus dem Ruhrgebiet einen neuen Ständer kaufen.
Auch der nächste Tag macht nur wenig Freude, es bläst uns der Wind mit Stärke 5-6 ins Gesicht und uns fast vom Rad. An einem Kreisverkehr frage ich jemanden, ob dies denn nun Belgien sei. „Oui“, kommt als Antwort. Aha, wieder kein Schild, aber die Sprache verrät es, wir haben Holland verlassen. In Knokke sehen wir plötzlich die “Kusttram”, eine Straßenbahn, die die gesamte belgische Küste entlang fährt. Dieser Spaß würde uns nur 8 Euro kosten, und das für eine Strecke von fast 70 km. Bei diesem Wetter überlegen wir nicht lange und können 2 Stunden und 20 Minuten später in De Panne kurz vor Frankreich wieder aussteigen.
Doch der Wind bleibt natürlich. Noch vor dem ersten französischen Ort, Dunkerque, fällt mein Rad im Wind um und es reiß t die Aufhängung der Packtasche. Das heißt, ab sofort müssen wir die geflickte Tasche noch mit einem Spanngurt an dem eh schon kaputten Gepäckträger befestigen…
Wir erreichen Dunkerque nach einer mal wieder anstrengenden Gegenwindfahrt und steigen auf dem dortigen Platz ab. Für sage und schreibe 17,50 Euro erhalten wir eine hässliche Wiese und ein noch hässlicheres Sanitärgebäude. Die Duschen sehen genauso aus wie die Toiletten, prompt habe ich sie verwechselt (den Rest kann man sich denken). Wenn man bedenkt, dass wir in den Niederlanden auf einem kleinen Bauernhof für die Hälfte übernachten konnte...
Man mag die 17,50 Euro gar nicht auf den Monat hochrechnen, dafür bekommt man in schönster Wohnlage schon eine gut ausgestattete Mietwohnung.
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