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(Leider sind die Original-Dias sehr klein eingescannt.)
Samstag, 7. Mai: Morgens ging es wieder los. Ich verabschiedete mich noch einmal bei Tonis Vater und Bruder und bedankte mich auch dort noch einmal. Es ging weiter wieder nach Blagoevgrad, wo ich noch mal dieses Internetcafe aufsuchte. Der nette junge Mann von gestern hat mich sofort wieder erkannt und freu te sich mich zu sehen. Er machte sofort Platz an seinem PC und nahm wieder die Fernbedienung in die Hand, damit ich deutsches Fernsehen habe. Und diesmal hatte ich wirklich keine Gelegenheit ihm Geld zu geben. Er hat es vehement abgelehnt. Danke schön auch dafür noch mal.
Weiter ging es nun Richtung We sten. Es sollte nach Mazedonien gehen und daher verließ ich die Stadt. Apropos, das Geräusch war tatsächlich weg und es war endlich ungewohnt ruhig im Auto. Die Jungs haben echt gute Arbeit geleistet.
Kurz vor der mazedonischen Grenze kam mal wieder eine Kontrolle der Grenzpolizei, die ich aber problemlos passieren konnte. Die Grenzformalitäten waren auch nicht der Rede wert und ich befand mich nun in Mazedonien, auf dem Weg zum Ohrid-See, der auf der Liste der Weltkulturerben steht . So ging es also quer durch das Land und dabei betrachtete ich die wunderschöne mazedonische Landschaft. Gekrönt wurde diese durch den Nationalpark, der zwischen den beiden Seen liegt. Es handelt sich um einen Berg, dessen Passstraße sich auf 1.600m Höhe schlängelt. Oben angekommen, konnte man gerade die Sonne hinter den albanischen Bergen untergehen sehen und es gab einen grandiosen Ausblick auf den Ohrid-See. Die Entscheidung fiel leicht, einfach hier stehen zu bleiben und zu nächtigen. Es war ein grandioser Platz zum Übernachten. Dieses Land hat mir bisher sehr gut gefallen und ich dachte darüber nach, dass ich selben Morgen noch so gut wie gar nichts über Mazedonien wusste und das Land nur mit Bundestagsdebatten über einen „Mazedonien-Einsatz“ in Verbindung brachte. Genauso hatte ich auch bisher nur von der Hauptstadt Skopje und Tetovo gehört, wo die Bundeswehrsoldaten südlich vom Kosovo stationiert sind. Doch dieses kleine Land hat eine ganz Menge zu bieten.
Sonntag, 8. Mai: Wie die Einwohner schlenderten ich bei wunderschönem Wetter durch die Altstadt von Ohrid und ruhte einfach nur aus. Die jetzi ge Übernachtung war direkt am Ufer des Ohrid-Sees, der sehr klar ist. Ein älterer deutsch sprechender Herr kam auf mich zu und erklärte, dass er normalerweise deutsche und französische Reisegruppen betreut. Er sagte, dass es normalerweise nicht erlaubt sei, hier frei zu stehen, doch es ist noch keine Saison und daher kein Problem. Abends als es bereits dunkel war, beobachtete ich eine Polizeistreife auf der nahe gelegenen Straße, die mich wiederum mit einem Suchscheinwerfer kontrollierte. Doch nachdem sie mich „erleuchteten“ fuhren sie einfach weiter.
Montag, 9. Mai: Nun ging es weiter. Albanien, wieder ein Land, das man nur mit Vorurteilen kennt. Laut Ausw ärtigem Amt besteht jedoch keine Gefahr das Land zu bereisen. Lediglich die Straßenverhältnisse sollen katastrophal sein und in vielen Gegenden sei nur der Einsatz mit Geländewagen möglich. Nun gut, dann schauen wir mal, was das so kommt. Erst einmal eine Gebühr von 5 Euro für ein Desinfektionsbad. Anschließend eine Gebühr von 10 Euro, nur für die Einreise. Aber diesmal ganz legal und auch mit Quittung. Auf die Frage, wohin es gehen soll, antwortete ich mit „Apollonia“, eine alte Ausgrabungsstätte. Oh, wie freundlich diese Leute schauten und sich freuten, dass deutsche Touristen sich für ihr Land interessieren. Der Herr vom Infektionsbad wollte auch unbedingt auf der Karte zeigen, wie man am besten dort hinkommt. Willkommen in Albanien. Landschaftlich auch sehr schön, f uhr ich auf einer tadellosen und neu ausgebauten Straße in Richtung Tirana. Kurz vor Tirana wurde die Straße zwar kleiner und führte über einen schmalen Berggrat, aber dennoch war sie gut befahrbar. Keine Spur von Schlaglöchern oder Schotterpisten. In Bulgarien habe ich schlechtere Straßen kennen gelernt. Aber gut, hier handelt es sich um eine Hauptstraße. Die kleineren sollten noch kommen....
Die wunderschöne Landschaft verschwand langsam und ich erreichte die ersten Häuser bis ich plötzlich mitten in der albanischen Hauptstadt war. Jedoch gab es hier keinerlei Straßenbeschilderung. Weder ein Ortseingangsschild noch einen Wegweiser, wie man hier wieder raus kommen kann. In dieser staubigen und heißen Stadt sprach ich Polizisten an, zeigte auf die Karte, wo ich hin wolle und sie erklärten den Weg, der auch stimmte. Doch ohne ihre Angabe wäre der Weg niemals zu finden gewesen! Ich passierte eine Kreuzung, an der auf der rechten Seite mindestens 8 Autoreihen neb eneinander standen. Erst dachte ich, es wäre ein großer Parkplatz, bis ich erkannte, dass die Autofahrer sich an der Ampel alle nebeneinander stellten, bis seitlich wirklich kein Platz mehr war. Der Verkehr in Tirana ist wirklich nicht einfach. Ich überlegte, mir ein T-Shirt zu bedrucken: “Ich war mit dem Auto in Tirana und habe es überlebt!”
Leider habe ich aber doch noch einen Abzweig verpasst und fuhr nicht nach Shkoder sondern nach Durres. Doch einige Kilometer hinter Tirana kamen auch wieder Schilder. Allerdings führten sie über eine Straße, die man nur im Schritttempo befahren kann. Und es war eine wichtige Verbindungsstraße. Naja, nach rund 5 Kilometern un d einer halben Stunde erreichte ich wieder eine gut ausgebaute und moderne Landstraße. Es machte im Norden Albaniens sogar einen sehr deutschen Eindruck. Kein Wunder, diese Landstraße wurde von einer Firma aus Papenburg gebaut. In Shkoder angekommen, verpasste ich abermals die Ausfahrt aus der Stadt hinaus und geriet mitten in der Stadt auf eine katastrophale Schlaglochpiste. Die Gullydeckel fehlten, tiefe Schlaglöcher und alles sehr schlammig. Aber einen Geländewagen? Nein, der gute alte Ford Transit schafft das auch!!! Im Übrigen herrscht eine Automarke in Albanien vor, das ist der Mercedes. Bis 1990 war in Albanien der Besitz von Privatautos verboten. Das Land war komplett abgeschirmt und es gab keinen Pkw-Verkehr. Aber als dieser zugelassen wurde, hat sich anscheinend je der einen alten gebrauchten Mercedes in Deutschland gekauft. Es ist nicht übertrieben, aber man sieht kaum eine andere Marke!
Kurz vor der Grenze zu Montenegro hat mich ein Polizist angehalten. Er kam auf und sprach mich an. Erst als ich sagte, dass ich nichts verstehe, stutzte er und fragte: „Germanski?“ Ich bejahte und plötzlich trat er einen Schritt nach hinten, salutier te und bat mich freundlich lächelnd darum, weiter zu fahren. Erstaunlich.
Am späten Nachmittag erreichte ich endlich die Grenze zu Montenegro. So gut es mir prinzipiell in Albanien gefallen hat, so wollte ich jedoch nicht dort frei übernachten. An der montenegrinischen Grenze fragte der Zöllner, ob ich aus Essen käme. Er war ganz stolz berichten zu dürfen, dass er ein halbes Jahr in Bochum lebte und zä hlte alle Städte im Ruhrgebiet auf. Sein Kollege fragte, wie mir Albanien gefallen hat. Ich machte ihm Zeichen, dass es schön war, aber die Nebenstraßen recht kaputt seien. Sein Kommentar lachend und mit Akzent: „Gutt kaputt?“
Ich fuhr und kam nach wenigen Kilometern in eine Polizeikontrolle. Wir unterhielten uns auf Englisch. Alles war okay. Doch der Beamte wollte wissen, wo es hingehen soll. Ich erklärte ihm, dass ich an die Küste wolle und dort hoffe, einen Campingplatz zu finden. Er gab die Papiere zurück und wünschte eine gute Fahrt, Herzlich Willkommen in Monten egro und ich mögen auf mich aufpassen. Doch gleichzeitig empfahl er auch, besser in einem Hotel zu übernachten. Hmmm, mit dieser Aussage wurde ich dann doch noch etwas beunruhigt und beschloss bis nach Kroatien weiter zu fahren. Ich erreichte die Küste, die sehr gut gefiel und fuhr auf der Küstenstraße nordwärts. Es wurde immer später und langsam kam auch die Dämmerung. 5 Kilometer vor der kroatischen Grenze kommt jedoch noch ein großer Fjord. Ich hatte kein Geld dabei und daher konnte ich die Fäh re nicht nutzen, die am Fjordeingang zwischen den Ufern pendelt. So fuhr ich an der Küstenstraße einen riesigen Umweg in den Fjord hinein. Leider habe ich nicht viel von ihm sehen können, da es mittlerweile schon sehr dunkel war. Auch ein kleiner Campingplatz war rechts zu sehen, auf dem ein Wohnmobil stand. Doch ohne Geld? Kein Euro, kein Dinar, keine Bank, nichts. Etwas genervt von dieser langen und engen Straße fuhr ich so schnell es ging direkt am Wasser entlang. Auf der Nordseite des Fjordes (also wieder in Richtung offenes Meer) war die Straße breiter und ließ endlich eine schnellere Geschwindigkeit zu (40 km/h). Doch gleichzeitig hat dort die Polizei eine Kontrolle aufgestellt. Ich fuhr 58 km/h, wie sie mir freundlicherweise mitteilten. Um es vorweg zu nehmen: Ich unterhielt mich einige Tage später mit deutschen Touristen, sie sagten sof ort, das wäre bekannt, dass dort abgezockt wird. Doch es war keine Abzocke. Ich war definitiv zu schnell und dort war eine ganz gewöhnliche Polizeikontrolle mit Radarmessung. Also musste ich gerechtfertigt eine Strafe zahlen. Sie betrug 23 Euro. Doch ich hatte immer noch kein Geld. So musste ich den Reisepass zurück lassen und zur nächstgelegenen Tankstelle. Dort erklärte ich an Hand von Handzeichen, dass mein Pass bei der Polizei liegt und ich zu schnell war. Die Leute lachten und fragten, wie viel Geld ich denn benötige. Ich sagte, dass ich umgerechnet 30 Euro brauchte. Der Kassierer bat mich um meine Kreditkarte, tat so, als hätte ich etwas gekauft, öffnete seine Kasse und es leuchteten nur Euroscheine a us der Schublade heraus. Dort gab es keinen einzigen Dinar, nur Euro! Ich war sehr froh, dass die Leute mir dort halfen. Normalerweise bekommt man kein Bargeld an einer Tankstellenkasse. So konnte ich also meinen Pass auslösen, wollte 23 Euro zahlen, bekam eine Quittung und der Polizist sagte, die 3 Euro schenke ich Ihnen. Er wollte bloß die Scheine. Abschließend ging es dann endlich zur Gre nze und nach Kroatien, wo ich sehr spätabends einen Campingplatz direkt am Meer fand. Dieser Tag war sehr lang und anstrengend. Aber im Gesamten betrachtet, ein schönes Erlebnis. Interessant waren zum Abschluss noch die neu gebauten Grenzhäuschen. Denn vor wenigen Jahren gab es hier nun mal keine Grenze.
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