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Den hierBalkan-Bericht gibt es hier auch als pdf-Datei.
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Vom 15. April bis zum 13. Mai war ich auf dem Balkan unterwegs. An dieser Stelle befindet sich das Tagebuch. Wer nur Bilder sehen möchte, der klickt bitte hier. Viel Spaß beim Lesen:
Freitag, 15. April: Über die Autobahn 3 fuhr ich bis nach Passau. Eine Tankfüllung hat gereicht (725 km). Geschlafen habe ich anscheinend auf demselben Rastplatz, auf dem ich im letzten Jahr auf meiner Ungarn-Reise war. Seit einigen Wochen höre ich merkwürdige Geräusche, die von unter dem Auto kommen. Ich habe leider keine Ahnung, was das genau sein kann. Auf einerm kleinen Rastplatz habe ich mich mal unter das Auto gelegt. Es scheint von der Kardanwelle zu kommen. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Also heißt es, abwarten.
Samstag, 16. April: Bin über Linz weiter gefahren. Auf einem kleinen Rastplatz kam ich auf die Idee, ein kleines Glühbirnchen zu wechseln, das schon seit Monaten viel zu schnell blinkt. Ein netter Österreicher kam zur Hilfe und wollte tatkräftig zur Seite stehen. Sehr nett. Danke schön. Wenn eine Reise mit so viel Hilfsbereitschaft beginnt, kann es ja nur gut gehen. Und das schnelle Tickticktickticktick beim Rechtsabbiegen ist nun endlich weg. Auf Wien hatte ich keine große Lust und so ging es direkt zum Plattensee, wo ich noch ein paar Bilder gemacht habe. Abends fuhr ich weiter nach Budapest und habe schnell einen Parkplatz gefunden. Dort machte ich im Burgviertel ein paar Bilder von der Abendstimmung. Anschließend ging es weiter zum Niche-Campingplatz, den ich schon von früher kannte. Dort war aber niemand, der Geld verlangte. Die Saison ist wohl noch nicht eröffnet, obwohl dort noch andere Gäste waren.
Sonntag, 17. April: Der Campingplatz war tatsächlich umsonst. Beim Losfahren musste ich vor dem Campingplatz noch einmal kurz halten. Doch ich wurde gleich weiter geschickt, weil man dort nicht parken darf. Ich bin mir nicht sicher, vor welcher Institution das Auto dort stand, aber es wehte jedoch eine amerikanische Flagge. Also schnell weg, bevor jemand angreift. Weiter ging es zum Budapester Westbahnhof, zum Heldenplatz und zum Gellertberg. Beim Hinabfahren vom Gellertberg machten die Bremsen merkwürdige Geräusche. Das nun auch noch? Wahrscheinlich nur überhitzt. Abends fuhr ich bis nach Bekes kurz vor der rumänischen Grenze und übernachtete auf einer 24h-Tankstelle.
Montag, 18 April: Morgens ging es sehr früh los, direkt bis zur rumänischen Grenze. Die Abfertigung war harmlos, jedoch eine lange Schlange. Auf rumänischer Seite kamen erst Arad und danach Timisoara. Man merkt sehr schnell, dass Rumänien sehr arm ist. An einer Ampel kam schnell ein Zeitungsverkäufer angerannt. Er bettelte und wurde böse, als ich ihm nichts gab. Ich vertrete mittlerweile die Ansicht, dass man das Betteln durch die Gaben nur noch fördert. Später in Sofia hat ein kleiner Junge an einer Ampel (zwar unaufgefordert) die Windschutzscheibe sauber gemacht und damit auf diese Weise gebettelt, doch es ist nicht nur ein bloßes Handaufhalten.
Bis zur serbischen Grenze ging die Fahrt ohne weitere besondere Vorkomnisse. Doch kurz vor dem Grenzposten hielten mich drei Polizisten an. Sie fragten, wo die Vignette für das Auto sei. Etwas überrascht darüber versuchte ich zu erklären, dass ich nicht wusste, dass man für Rumänien eine benötigt. Anhand des Einreisestempels im Pass konnten sie sehen, an welchem Grenzübergang ich morgens einreiste. Sie diskutierten miteinander und ließen mich dann etwas widerwillig ziehen. Puh, Glück gehabt.
Der Grenzbeamte Rumäniens war außerordentlich freundlich und machte einen sehr sympathischen Eindruck. Ich hatte ein wenig das Gefühl, er freute sich, mal wieder jemanden zu sehen. Denn die Grenzstation war so leer, dass ich vor dem geöffneten Schlagbaum den Wagen parken durfte, um mal eben aufs Klo zu gehen. Auf serbischer Seite ging es zügig weiter. Stempel in den Pass und Standardfrage nach dem Wohin. Ich habe es mir angewöhnt auch bei Durchreisen immer einen Ort im Einreiseland zu erwähnen, um die Beamten freundlich zu stimmen, was bisher immer gut klappte. Doch diesmal sagte ich aus Reflex „Bulgaria“. Ein nun enttäuscht schauender Grenzbeamter gab mir etwas missmutig die Pässe zurück. An der ersten Tankstelle habe ich getankt. Ich versuchte auf Englisch zu reden, während mein Gegenüber in der Tankstelle bloß antwortete: „Wir können auch Deutsch reden.“ Danach ging es nach Belgrad. Dies ist eine der hässlichsten Städte, die ich je gesehen habe. Nur Betonbauten bzw. lauter Plattenbauten an zahlreichen Berghängen.
Ich suchte schnell den Autoput. Nach 200 km angenehmer Autobahnfahrt kam aber der Schock in Niš: 43 Euro für die Strecke! Und es war kein Übersetzungsfehler. Der Mann in der Mautstation sagte es in fließendem Deutsch. Im Nachhinein betrachtet kommen mir Zweifel, ob er vielleicht geglaubt hat, dass mein Wohnmobil drei Achsen hat. Ich muss mal im Internet schauen, ob dieser Preis der Wahrheit entspricht.
Von dort ging es jedenfalls noch rund 100 km durch ein schönes Tal in Richtung Bulgarien. Die Ausreise ging schnell, doch die Einreise dauerte trotz der vorgerückten Stunde schon ein wenig. Erst kam die obligatorische Polizeikontrolle, dann der Zoll. Auf die hiesige Frage,ob es nach Varnas oder Burgas gehen soll antwortete ich mit: „Nein, nach Rila!“. Plötzlich lächelten sie und machten den Eindruck, dass sie sich freuten, wenn man ihr Heiligtum besichtigt. Anschließend ein kleines Häuschen um irgendeine Steuer für das Auto zu zahlen. So steht es auf der Quittung. Später habe ich erfahren, dass es sich um die Gebühr für die Desinfektion handelt. Dabei bin ich gar nicht mit dem Auto durch ein Desinfektionsbad gefahren. Naja, abschließend durfte ich noch einmal 4 Euro (8 Leba) für eine Vignette zahlen, die 6 Tage gültig ist. Da es schon spät und dunkel war, suchte ich ein 24h-Restaurant und hielt. Ich wollte nämlich nicht in Serbien übernachten. Ich erinnerte mich an einen Eintrag auf der Seite des Auswärtigen Amtes, dass eben diese Region in Serbien noch gefährlich sei. Allerdings ist dieser Eintrag schon seit zwei Jahren weg. Aber wer weiß….
Dienstag 19. April:
Morgens ging es direkt nach Sofia. Es war nicht sofort ein Parkplatz zu finden. Also fuhr ich kurz für einen Blick in den Stadtplan rechts ran. Doch sofort kam ein Polizist, salutierte (!) freundlich und machte darauf aufmerksam, dass ich im Parkverbot stehe. Ich hielt ihm schnell den Stadtplan unter die Nase und fragte wo wir sind. Er erklärte es freundlich und empfahl einen bewachten Parkplatz gleich in der Nähe. Dieser kostete 1,50 €. Bei 7 Stunden Aufenthalt in der Stadt kein billiges Vergnügen. Nun gut, aber Sofia machte einen ordentlichen Eindruck. Ich machte Fotos, notierte zahlreiche Dinge und abends ging es weiter in das Rilagebirge. Im 30 km langen Rila-Tal gab es hinter dem berühmten Kloster einen kleinen Campingplatz. Weil ich die Speicherkarte für die Digitalkamera leeren wollte, benötigte ich Strom für den PC, der hinten im Badezimmer auf seinen Einsatz wartete. Man bot einen kleinen Bungalow an, doch ich wollte bloß die Elektrizität nutzen. Also baute ich den PC abends im bulgarischen und wildromantischen Rila-Tal auf der Veranda eines kleinen Bungalows auf. Ein schöner Anblick.
Mittwoch 20. April: Es gibt nicht viel zu sagen. Klosterbesichtigung und anschließend eine von mehreren Wanderungen durch das Gebirge. Leider sind meine Wanderstiefel gleich auf der ersten Wanderung kaputt gegangen. Warum auch immer…
Donnerstag 21. April: Heute stand die Besichtigung des Städtchens Rila auf dem Programm. Doch es war nicht sonderlich aufregend. Nach einem kurzen Einkauf ging es noch einen Berg hinauf. Dort machte ich ein paar Pingufotos mit Pferd, sah lustig aus. Armer Pingu… Anschließend kam der große Regen.
Freitag 22. April: Nichts Besonderes. Ich arbeitete an meinem Buch.
Samstag 23 April: Morgens ging es sehr früh los. Es sollte auf die Nordseite des Gebirges gehen. Unterwegs kaufte ich ein und fuhr nach Dupnica. Von dort ging es in den kleinen Ort Bistrica. Dort stand ein Esel, den ich mit Pingu fotografieren wollte. MIt Kamera bewaffnet und Pingu auf dem Arm stand ich auf der Straße als sofort von der anderen Straßenseite irgendwelche Sachen gerufen wurden. Ich versuchte zu erklären, dass ich nichts verstand, als eine der Frauen fragte: „Deutsch?“ Als ich bejahte, kam Bojan. Er erzählte von seinem deutschen Freund in Sachsen, wie oft er schon in Deutschland war und dass er sich sehr für Deutschland interessiere. Es dauerte keine zwei Minuten bis zur Einladung zu Keksen, Sprudel und gemütlichen Beisammensein auf der Bank im Vorgarten. Wohlgemerkt, die ganze Zeit mit Pingu auf dem Schoß. Bojans Nachbar erklärte, dass dieser Esel ihm gehöre und er Martin heiße - der Esel. Nach rund einer Stunde verabschiedeten wir uns. Bojan und seine Frau erklärten noch einmal ausdrücklich ihre Gastfreundschaft. Egal, ob ich Hunger habe oder müde, jederzeit sei sein Haus geöffnet. Ich war über soviel Herzlichkeit gerührt. An dieser Stelle: „Danke, Bojan!“.
Die Fahrt ging zurück über Dupnica in die Bergregion Panicnište, wo in großer Höhe noch Schnee lag. Weiter ging es nach Samokov. Als ich dort kurz hielt um ein Foto zu machen, kamen zwei ältere Damen. Sie hielten einen Ordner unter dem Arm und fragten nach der Herkunft. Nach der Antwort, schlugen sie den Ordner auf und suchten zwischen zahlreichen Blättern in den verschiedensten Sprachen einen deutschen Text, den sie ins Auto hielten. Das erste Wort, das ich las war Knochenmarktransplantation und mir war sofort klar, dass hier wieder gebettelt wird.
Ich fuhr weiter nach Borovec. Es gibt Orte, da fühlt man sich wohl oder auch nicht. Borovec und die Region drum herum waren nicht schlimm. Doch aus irgendeinem Grunde gefiel es mir nicht. Es war nur ein Bauchgefühl und kann es nicht erklären. Doch ich hatte das Bedürfnis, wieder zurück in das Rila-Tal zu wollen. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht war es ein Zeichen? Denn wäre ich in Borovec (ein Wintersportort) geblieben, dann wäre wir nicht in die Polizeikontrolle gekommen. Und dann hätte der Polizist mich nicht darauf aufmerksam machen können, dass der Reifen hinten links fast platt ist. Er schickte mich weiter bis zur nächsten Tankstelle. Ja, und der Polizist hatte Recht. Der Reifen hatte dringend Luft nötig. Die Region um Borovec war nicht schlimm, das Wetter war schön, die Leute waren nett, doch dennoch war es mein Wunsch wieder nach Rila zurück zu fahren. Zurück auf den Campingplatz. Und so geschah es auch, obwohl er 150 km in der falschen Richtung liegt. Der Besitzer vom Campingplatz begann zu lachen, weil er dachte, wir sehen uns nicht mehr wieder.
Sonntag 24. April:
Morgens nach dem Aufstehen stellte ich fest, dass der Reifen nun ganz ohne Luft ist. Also begann ich ihn zu wechseln. Gar nicht so einfach, wenn der Ersatzreifen unter dem Auto befestigt ist und niemals benutzt wurde. Dementsprechend rostig war die Schraube, die den Reifen hielt. Die Halterung brach an einer Seite ab, so dass der kaputte Reifen nun auch im Badezimmer Platz nehmen musste. Auf Grund der alten Schrauben war der Reifenwechsel eine langatmige Sache und zwang zu einer weiteren Nacht an diesem Platz.
Montag 25. April: Nichts weiter passiert.
Dienstag 26. April: Heute ging es endgültig weiter. Erst Richtung Piringebirge und dann weiter nach Griechenland. Doch vorher war ich noch in Blagoevgrad im Internet. An zwei Tankstellen unterwegs versuchte ich eine neue Vignette zu kaufen, da die alte mittlerweile abgelaufen war und ich befürchtete, dass es zu Komplikationen bei der Ausreise kommen kann. Doch leider bekam ich nur den Hinweis, dass ich eine neue an der Grenze bekomme. Na ja, nicht sehr hilfreich.
Erst kam an der Grenze die Polizeikontrolle. Ein kurzer Blick in den Pass und weiter. Doch das nächste Häuschen habe ich glatt übersehen und bin daran vorbeigefahren. Ich sah nur noch aus dem Augenwinkel, dass dort etwas von Straßenbenutzungsgebühr stand. Hätte man hier die überfälligen Tage zahlen müssen? Keine Ahnung, schnell weiter. Es schimpft keiner, also alles in Ordnung. Dann der Zoll, eine lange Schlange. Ich reihe mich ein, es geht langsam voran. Das Zollhäuschen ist rechts. Warum das??? Egal.
Ich ging zum Zöllner, die übliche Prozedur. Überprüfung im Computer, Stempel und so weiter. Nur eine Kleinigkeit war anders. In meinem Pass war ein kleiner Zettel mit einer aufgedruckten 2. Achselzuckend nehme ich alles wieder in Empfang. Also weiter zum nächsten Schalter. Er war wieder links, ich bleibe sitzen und reiche abermals die Pässe hinüber. Der Beamte gibt mir jedoch Zeichen, ich solle bitte aussteigen. Ich frage mich warum, folge aber der Anweisung. Was will er? Soll ich meine Brille abnehmen? Habe ich etwas zu verzollen? Der Beamte schaut mich an und sagt ganz leise und fast unverständlich: „Fünf Euro?“. Naiv wie ich bin und von den übrigen Kosten schon gewohnt, denke ich, es ist mal wieder eine Gebühr. Ich drehe mich um, der Zöllner steht in der Tür und hält mittlerweile nervös die Hand auf. Erst als er die Pässe zurückzog, weil ich immer noch das Geld in der Hand halte und er sich vorsichtig umschaut wurde mir endlich klar, was hier gespielt wird. Wie dumm und naiv von mir. In diesem Augenblick habe ich den Zöllner bestochen. Dass ich kein Wechselgeld auf den 10-Euro-Schein erhalte, wird mir natürlich auch erst in diesem Moment klar. Anschließend kam der griechische Zoll. Hier ging wieder alles sehr schnell, willkommen in der EU.
Unsere Fahrt verlief weiterhin problemlos und ich steuerte die östlichste Halbinsel der Chalkidiki an. Dort gab es auf Anhieb einen wunderschönen Stellplatz direkt am Meer.
Mittwoch 27. April: Nur ein kurzer Einkauf und kurioser Parkplatzunfall. Eine Kundin vergaß die Handbremse anzuziehen und während sie einkaufen war, machte sich ihr Auto selbstständig und rollte in einen Lkw. Der türkische Fahrer hat natürlich laut geflucht. Abends wurde lecker gegrillt.
Donnerstag 28. April: Weiter nach Süden bis kur vor dem Berg Athos. Beziehungsweise so weit, wie man fahren kann, da es sich ja um eine autonome Republik handelt und der Zutritt nicht zulässig ist.
Freitag, 29 April – Dienstag, 3. Mai: In diesen Tagen passierte nichts Aufregendes. Nur ein kurzer Versuch Richtung Osten bzw. Türkei zu fahren. Aber ansonsten war der hiesige Stellplatz am Meer einfach schön. Erwähnenswert ist jedoch noch der Montag. Es handelte sich um Ostermontag was ich allerdings nicht wusste. Ich habe es erst gemerkt, als der Supermarkt geschlossen hatte und lustige Ostereier im Schaufenster abgebildet waren. Ja, stimmt. Hier findet Ostern viel später statt. Aber in dieser Situation sehr merkwürdig. Immerhin waren es 30 Grad und ich hatte ein kurze Hose an. Es war für mich nicht vorstellbar, bei so einer Witterung Ostern zu feiern.
Mittwoch, 4. Mai: Nach einigen Tagen Sonne ging es heute wieder zurück nach Bulgarien. An der Grenze angekommen, ging ich wieder zum Grenzhäuschen und wer sitzt da? Der Typ, der mir damals zehn Euro abgeknöpft hat. Und auch diesmal wollte er wieder Geld. Er begann ein belangloses Gespräch, als er in den Pass schaute und fragte irgendwann nebenbei, ob ich denn mit der Abfertigung beim Zoll zufrieden waren und ob alles okay sei. Ich ahnte was kommt und tatsächlich, er forderte mal wieder fünf Euro für die „Kaffeekasse“. Weiter ging es nach Melnik und ich krabbelte dort im Sandsteingebirge herum, bevor es abends nach Sandanski ging, wo es auf einen Campingplatz im Wald gab.
Donnerstag, 5. Mai: Erst ging es noch mal in das Gebirge und anschließend in das Städtchen Sandanski, das irgendwie anders war, als andere bulgarische Ortschaften. In der Einkaufsstraße gab es zahlreiche Geschäfte, an denen Namen standen wie: Prada, Gucci, Lacoste und so weiter. Und vor den Läden saßen junge Frauen, die sich gekleidet und geschminkt haben, als wollten sie gleich in Paris über den Laufsteg gehen. Irgendwie sah es merkwürdig aus. Und ob es Originalware war, wage ich zu bezweifeln. Ich fuhren weiter bis Predel, kurz vor Razlog, mit einem kleinen Abstecher nach Bansko.
In Predel ging ich auf einen Campingplatz, der etwas abseits lag. Der Besitzer war etwas älter und sprach nur bulgarisch. Der Sohn hingegen war im Teenager-Alter und sprach etwas englisch. Er interessierte sich sehr für das Wohnmobil. Er sah, dass es ein Ford Transit war und wollte alles Mögliche darüber wissen. Vom Preis bis zum Kilometerstand musste ich ihm alles sagen, was mir zugegebenermaßen am Anfang komisch vorkam. Ich erzählte ihm aber auch, dass der Wagen seit Wochen ein sehr merkwürdiges Geräusch von sich gibt und ich nicht orten kann, woher das kommt und es in den letzten Tagen meiner Meinung noch schlimmer wurde. Er schlug plötzlich vor, ich könne morgen ja mal nach Blagoevgrad fahren (40 km entfernt) und dort zu seinem Bruder. Er lebt dort in der Stadt und fährt selber Transit. Gleichzeitig hat er Freunde, die sich alle mit dem Fahrzeugtyp auskennen. Zugegeben, ich war etwas skeptisch, aber ich nahm dieses Angebot erst einmal hin und wartete auf den nächsten Tag.
Freitag, 6. Mai: Als ich morgens aufbrechen wollte, kam der Sohn schon zum Auto. Er fragte, ob ich nun zu seinem Bruder wollte. Dieser könne sehr gut englisch und würde bestimmt weiterhelfen. Prompt griff er zu seinem Handy und rief ihn an. Sie unterhielten sich auf Bulgarisch und ich verstand zwischendurch einige Wortfetzen wie Transit, Caravan und ähnlich markante Worte. Plötzlich gab er mir sein Handy und ich solle mal selber mit seinem Bruder telefonieren. Wir sprachen also auf Englisch und vereinbarten, dass ich nach Blagoevgrad fahren solle und dort beim Befahren der Stadt einmal kurz anrufen, damit er wir uns dort am Ortseingang treffen. Gleichzeitig bat er dass ich nicht ganz so spät kommen werde, da in Bulgarien heute Feiertag ist und die Geschäfte früher schließen als gewöhnlich, für den Fall, dass ich Ersatzteile benötigen.
Nun gut, ich fuhr also los und erreichte die Stadt. Dort an der OMV-Tankstelle rief ich ihn noch mal an. Ja, er kommt sofort, waren seine Worte. Und tatsächlich, es dauerte keine fünf Minuten, als ein Transit mit Lichthupe kam. Er parkte seinen Lieferwagen gleich hinter meinem Wohnmobil und begrüßte mich, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Sein Name war Toni und ich erklärte ihm also noch mal in Ruhe, dass es nur ein Geräusch ist, ich aber nicht weiß, woher es stammt. Wir rollten uns halbwegs unter das Auto, damit ich es ihm zeigen konnte. Anschließend setzte er sich hinters Steuer, schob mich dezent auf den Beifahrersitz hinüber und startete den Motor. Schon auf den ersten zwei Metern ertönte von unten wieder das bekannte „Klong“ und Toni wusste sofort, was ich meinte. Er fuhr vorsichtig auf die Straße und staunte. Das kannte er noch nicht. Er musste es nicht sagen, ich merkte es an seiner Äußerung: “Mamma Mia!”
Er schlug vor, erst einmal zu Freunden zu fahren, die eine Rampe haben, damit man mal in Ruhe drunter schauen kann. Gesagt getan, befanden wir uns wenige Minuten später auf einem Lkw-Hof. Toni organisierte, dass wir auf eine Rampe fahren durften und ein älterer Herr krabbelte unter das Auto. Diagnose: Kardanwelle, Kugellager und irgendetwas weiteres. Toni erklärte, dass ich die Möglichkeit hätte, weiter zu fahren, allerdings vorsichtig oder ich kaufe eine neue Kardanwelle. Doch diese würde sogar hier in Bulgarien rund 400 Euro kosten und wäre wahrscheinlich auch nur in Sofia erhältlich. Doch er machte noch einen anderen Vorschlag. Wir fahren zu Freunden von ihm und sie bauen die Kardanwelle aus und probieren, sie zu reparieren. Es wäre zwar nur ein Versuch, aber nicht unmöglich. Okay, darauf einigten wir uns. Also brachte er den Wagen zu einer Hinterhofwerkstatt, wo sich zahlreiche Leute über die verschiedensten Autos hermachten. Sie als Werkstatt zu bezeichnen, ist vielleicht schon sehr viel. Es war eher ein kleiner Garagenhof, auf dem die Garagen zu kleinen Werkshallen umfunktioniert wurden. Dementsprechend passte das Wohnmobil auch nur gerade eben so rein. Auf dem Weg dorthin sagte Toni, dass man in Bulgarien Freunde haben muss, sonst ist man verloren. Und eben diese machten sich daran, die Kardanwelle auszubauen. Sie stellten die gleiche Diagnose wie oben beschildert und erklärten Toni, dem Sportlehrer alles, damit er übersetzen konnte. Sein Vorschlag: Wir fahren nun mit dem Taxi zur OMV-Tankstelle um sein Auto zu holen. Dann hole ich am Geldautomaten Geld und wir kaufen ein Ersatzteil. So machten wir es auch. Das Taxi hat Toni vorgestreckt, da ich noch kein Bargeld hatte. Er bezahlte also so lange, während ich an der Tankstelle Geld abhob. Dann fuhren wir zum Zubehörgeschäft. Toni bat mich, im Auto zu bleiben. Als er freudestrahlend zurückkam, hielt er das notwendige Ersatzteil in den Händen. 18 Euro habe er bezahlt. Wäre ich dabei gewesen, hätte ich wahrscheinlich 25 Euro bezahlt. Ausländerzuschlag! Doch ich betrachtete dieses Teil und schätzte den Wert in Deutschland auf über 60 Euro. Ich war erstaunt. Toni erklärte auch, dass der Besitzer von der Werkstatt einen Festpreis für die Reparatur sagte. Ich müsse ihm 25 Euro geben und dann wäre alles bezahlt. Ich fand das nicht nur fair sondern unverschämt günstig. Immerhin waren die Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt schon über eine halbe Stunde nur mit dem Ausbau der Kardanwelle beschäftigt gewesen. Doch Toni hat noch einen drauf gesetzt. Seine Worte waren, dass er eigentlich nur 20 Euro hätte bezahlen müssen, doch als der Werkstattbesitzer das deutsche Kennzeichen sah, schlug er noch mal fünf Euro drauf. Aber Toni und ich schauten uns an, lachten und sagten beide gleichzeitig, dass die Reparatur in Deutschland ein Vielfaches kosten würde. Er kannte sich gut aus, denn er handelt seit Jahren mit Autos aus Deutschland und anderen Staaten, die er nach Bulgarien importiert. So war sein Transit beispielsweise aus Italien.
Er erzählte mir auch eine Geschichte, die ihm im letzten Jahr passierte, als er drei französische Wohnmobilfahrer in Blagoevgrad sah und sie anscheinend ein kleines Problem mit ihrer CB-Funkantenne hatten. Er sprach sie darauf an und diese lehnten erst einmal skeptisch Hilfe ab. Doch Toni versprach, dass er nichts Böses wolle, sondern möglicherweise helfen kann. Und so war es schließlich auch. Er konnte keine neue Antenne besorgen, doch bulgarisches Improvisationstalent machte es möglich, dass zumindest für diese Reise alles wieder in Ordnung war.
Als wir an der Werkstatt ankamen, gab es schlechte Nachricht. Das Kugellager von der Kardanwelle war ziemlich defekt. Auch das müsste erneuert werden. Sie zeigten es mir und auch ich als Laie konnte es gut erkennen. Also fuhren Toni und ich erneut los. Leider brachte diese Fahrt nichts, da dieses Ersatzteil nicht zu besorgen war. Doch Toni tröstete mich. Er sagte, das kaputte Teil wäre immer noch gute Qualität, weil es ein deutsches Originalprodukt ist. Hier in Blagoevgrad würde man nur ein Plagiat aus türkischer Produktion erhalten. Es würde sich in etwa gleich bleiben. Und wenn ich vorsichtig weiter fahre, hält auch noch erst einmal das abgenutzte Originalteil.
Wir kamen wieder zurück zur Werkstatt und wurden von vier Leuten diesmal strahlender begrüßt. Sie haben improvisiert. Irgendein Ford Scorpio, der dort rum gestanden haben muss, hat nun ein Kugellager weniger. Es passte tatsächlich auf die Kardanwelle.
Toni machte nun folgenden Vorschlag: Er müsse nun mal wieder zu seiner Frau, die krank im Bett liegt (immerhin hat er sich schon zwei Stunden mit meinem Problem beschäftigt!!!), aber wenn die Kardanwelle wieder eingebaut ist und ich bezahlt habe, dann solle ich ihn noch mal anrufen. Ich hatte ihm zwischendurch von der Reifenpanne erzählt und er konnte nicht verstehen, warum ich noch keinen neuen Reifen kauften. So kam ich in Bulgarien zu meinem dortigen Spitznamen Risk-Man. Also wollte er noch mit mir zu einem Reifenhändler. Natürlich mal wieder ein Freund von ihm ;-)
Gesagt, getan. Der Einbau dauerte noch mal eine halbe Stunde, ich bezahlte die vereinbarten 25 Euro (!) und rief Toni an. Und er kam, fuhr vor mir her, bis wir an einem kleinen Laden ankamen, wo man tatsächlich Reifen kaufen kann. Dieser Laden war nicht größer als ein Kiosk in Deutschland. Ich rollte den kaputten Ersatzreifen hin und der Händler untersuchte ihn. Es war ein Nagel, der im Gummi steckte. Der Händler zog ihn raus, dichtete das Loch ab, füllte den Reifen mit Luft und hat auf der Straße im Nieselregen noch den Reifen wieder gewechselt, damit ich nicht mehr mit diesem uralten Ersatzrad durch die Gegend gondeln muss. Kostenpunkt für diese ganze Aktion: 5 Euro!
Mittlerweile hatte ich schon ein ganz schlechtes Gewissen, weil sich Toni so sehr kümmerte und sich so viel Zeit für mich nahm. Als Dankeschön wollte ich in der kommenden Nacht mindestens nochmal bei seinem Vater auf dem Campingplatz schlagen. Aber Toni gab mir auch noch eine andere Brücke, damit ich Danke sagen konnte. Er fragte, ob ich Hunger hätte. Er würde mal typisch bulgarische Küche zeigen. Ich war ihm dankbar, weil ich mich auf diese Art nochmals bei ihm revanchieren konnte. Also fuhren wir mit den beiden Autos zu einem Straßenimbiss und bestellten Kebabce. Es waren insgesamt 7 Frikadellen, drei Pommes Frites, Brot und für Toni ein Bier. Alles zusammen kostete es gerade mal 4 Euro!!! Hinzu kam, dass es sehr gut schmeckte und wir satt waren.
Ich erklärt Toni, dass ich noch kurz ein Internetcafe benötige und in die Innenstadt fahren werden, weil ich dort ja schon eines kannte. Doch er verneinte und meinte, ich solle einfach nach nebenan gehen. Dort ist auch ein Internetcafe! Also ging ich dorthinein und wollte bloß eine kurze Mail versenden, die ich bereits auf Diskette hatte. Der Ladeninhaber saß an dem einzigen PC in dem Raum und an der Wand flimmerte ein Fernseher. Toni unterhielt sich draußen, während ich die Mail verschickte. Der Inhaber drückte auf der Fernbedienung herum und war ganz stolz als er extra für mich einen deutschen Sender einschaltete. Ich war erstaunt, plötzlich eine deutsche Nachrichtenstimme zu hören aber zugleich auch gerührt. Als ich fertig war, wollte ich ihm Geld geben, doch er lehnte partout ab. Ich fragte Toni und er meinte, ich solle ihm einfach 1 Leba (50 ct) in die Hand drücken, was ich dann auch tat. Anschließend tauschten wir noch Mailadressen aus und ich fuhr zu seinem Vater auf den Campingplatz. An dieser Stelle möchte ich noch einmal zusammenfassen: 2 Ersatzteile, eine zweistündige Reparatur, eine Taxifahrt und ein umfassendes Essen. Alles zusammen für rund 65 Euro!!! In Deutschland hätte ich mindestens 400 bezahlt. Aber mehr noch als über das gesparte Geld bin ich dankbar, dass Toni, der mich überhaupt nicht kannte, sich so sehr kümmerte. Danke Toni!!!
Samstag, 7. Mai: Morgens ging es wieder los. Ich verabschiedete mich noch einmal bei Tonis Vater und Bruder und bedankte mich auch dort noch einmal. Es ging weiter wieder nach Blagoevgrad, wo ich noch mal dieses Internetcafe aufsuchte. Der nette junge Mann von gestern hat mich sofort wieder erkannt und freute sich mich zu sehen. Er machte sofort Platz an seinem PC und nahm wieder die Fernbedienung in die Hand, damit ich deutsches Fernsehen habe. Und diesmal hatte ich wirklich keine Gelegenheit ihm Geld zu geben. Er hat es vehement abgelehnt. Danke schön auch dafür noch mal.
Weiter ging es nun Richtung Westen. Es sollte nach Mazedonien gehen und daher verließ ich die Stadt. Apropos, das Geräusch war tatsächlich weg und es war endlich ungewohnt ruhig im Auto. Die Jungs haben echt gute Arbeit geleistet.
Kurz vor der mazedonischen Grenze kam mal wieder eine Kontrolle der Grenzpolizei, die ich aber problemlos passieren konnte. Die Grenzformalitäten waren auch nicht der Rede wert und ich befand mich nun in Mazedonien, auf dem Weg zum Ohrid-See, der auf der Liste der Weltkulturerben steht. So ging es also quer durch das Land und dabei betrachtete ich die wunderschöne mazedonische Landschaft. Gekrönt wurde diese durch den Nationalpark, der zwischen den beiden Seen liegt. Es handelt sich um einen Berg, dessen Passstraße sich auf 1.600m Höhe schlängelt. Oben angekommen, konnte man gerade die Sonne hinter den albanischen Bergen untergehen sehen und es gab einen grandiosen Ausblick auf den Ohrid-See. Die Entscheidung fiel leicht, einfach hier stehen zu bleiben und zu nächtigen. Es war ein grandioser Platz zum Übernachten. Dieses Land hat mir bisher sehr gut gefallen und ich dachte darüber nach, dass ich selben Morgen noch so gut wie gar nichts über Mazedonien wusste und das Land nur mit Bundestagsdebatten über einen „Mazedonien-Einsatz“ in Verbindung brachte. Genauso hatte ich auch bisher nur von der Hauptstadt Skopje und Tetovo gehört, wo die Bundeswehrsoldaten südlich vom Kosovo stationiert sind. Doch dieses kleine Land hat eine ganz Menge zu bieten.
Sonntag, 8. Mai: Wie die Einwohner schlenderten ich bei wunderschönem Wetter durch die Altstadt von Ohrid und ruhte einfach nur aus. Die jetzige Übernachtung war direkt am Ufer des Ohrid-Sees, der sehr klar ist. Ein älterer deutsch sprechender Herr kam auf mich zu und erklärte, dass er normalerweise deutsche und französische Reisegruppen betreut. Er sagte, dass es normalerweise nicht erlaubt sei, hier frei zu stehen, doch es ist noch keine Saison und daher kein Problem. Abends als es bereits dunkel war, beobachtete ich eine Polizeistreife auf der nahe gelegenen Straße, die mich wiederum mit einem Suchscheinwerfer kontrollierte. Doch nachdem sie mich „erleuchteten“ fuhren sie einfach weiter.
Montag, 9. Mai: Nun ging es weiter. Albanien, wieder ein Land, das man nur mit Vorurteilen kennt. Laut Auswärtigem Amt besteht jedoch keine Gefahr das Land zu bereisen. Lediglich die Straßenverhältnisse sollen katastrophal sein und in vielen Gegenden sei nur der Einsatz mit Geländewagen möglich. Nun gut, dann schauen wir mal, was das so kommt. Erst einmal eine Gebühr von 5 Euro für ein Desinfektionsbad. Anschließend eine Gebühr von 10 Euro, nur für die Einreise. Aber diesmal ganz legal und auch mit Quittung. Auf die Frage, wohin es gehen soll, antwortete ich mit „Apollonia“, eine alte Ausgrabungsstätte. Oh, wie freundlich diese Leute schauten und sich freuten, dass deutsche Touristen sich für ihr Land interessieren. Der Herr vom Infektionsbad wollte auch unbedingt auf der Karte zeigen, wie man am besten dort hinkommt. Willkommen in Albanien. Landschaftlich auch sehr schön, fuhr ich auf einer tadellosen und neu ausgebauten Straße in Richtung Tirana. Kurz vor Tirana wurde die Straße zwar kleiner und führte über einen schmalen Berggrat, aber dennoch war sie gut befahrbar. Keine Spur von Schlaglöchern oder Schotterpisten. In Bulgarien habe ich schlechtere Straßen kennen gelernt. Aber gut, hier handelt es sich um eine Hauptstraße. Die kleineren sollten noch kommen....
Die wunderschöne Landschaft verschwand langsam und ich erreichte die ersten Häuser bis ich plötzlich mitten in der albanischen Hauptstadt war. Jedoch gab es hier keinerlei Straßenbeschilderung. Weder ein Ortseingangsschild noch einen Wegweiser, wie man hier wieder raus kommen kann. In dieser staubigen und heißen Stadt sprach ich Polizisten an, zeigte auf die Karte, wo ich hin wolle und sie erklärten den Weg, der auch stimmte. Doch ohne ihre Angabe wäre der Weg niemals zu finden gewesen! Ich passierte eine Kreuzung, an der auf der rechten Seite mindestens 8 Autoreihen nebeneinander standen. Erst dachte ich, es wäre ein großer Parkplatz, bis ich erkannte, dass die Autofahrer sich an der Ampel alle nebeneinander stellten, bis seitlich wirklich kein Platz mehr war. Der Verkehr in Tirana ist wirklich nicht einfach. Ich überlegte, mir ein T-Shirt zu bedrucken: “Ich war mit dem Auto in Tirana und habe es überlebt!”
Leider habe ich aber doch noch einen Abzweig verpasst und fuhr nicht nach Shkoder sondern nach Durres. Doch einige Kilometer hinter Tirana kamen auch wieder Schilder. Allerdings führten sie über eine Straße, die man nur im Schritttempo befahren kann. Und es war eine wichtige Verbindungsstraße. Naja, nach rund 5 Kilometern und einer halben Stunde erreichte ich wieder eine gut ausgebaute und moderne Landstraße. Es machte im Norden Albaniens sogar einen sehr deutschen Eindruck. Kein Wunder, diese Landstraße wurde von einer Firma aus Papenburg gebaut. In Shkoder angekommen, verpasste ich abermals die Ausfahrt aus der Stadt hinaus und geriet mitten in der Stadt auf eine katastrophale Schlaglochpiste. Die Gullydeckel fehlten, tiefe Schlaglöcher und alles sehr schlammig. Aber einen Geländewagen? Nein, der gute alte Ford Transit schafft das auch!!! Im Übrigen herrscht eine Automarke in Albanien vor, das ist der Mercedes. Bis 1990 war in Albanien der Besitz von Privatautos verboten. Das Land war komplett abgeschirmt und es gab keinen Pkw-Verkehr. Aber als dieser zugelassen wurde, hat sich anscheinend jeder einen alten gebrauchten Mercedes in Deutschland gekauft. Es ist nicht übertrieben, aber man sieht kaum eine andere Marke!
Kurz vor der Grenze zu Montenegro hat mich ein Polizist angehalten. Er kam auf und sprach mich an. Erst als ich sagte, dass ich nichts verstehe, stutzte er und fragte: „Germanski?“ Ich bejahte und plötzlich trat er einen Schritt nach hinten, salutierte und bat mich freundlich lächelnd darum, weiter zu fahren. Erstaunlich.
Am späten Nachmittag erreichte ich endlich die Grenze zu Montenegro. So gut es mir prinzipiell in Albanien gefallen hat, so wollte ich jedoch nicht dort frei übernachten. An der montenegrinischen Grenze fragte der Zöllner, ob ich aus Essen käme. Er war ganz stolz berichten zu dürfen, dass er ein halbes Jahr in Bochum lebte und zählte alle Städte im Ruhrgebiet auf. Sein Kollege fragte, wie mir Albanien gefallen hat. Ich machte ihm Zeichen, dass es schön war, aber die Nebenstraßen recht kaputt seien. Sein Kommentar lachend und mit Akzent: „Gutt kaputt?“
Ich fuhr und kam nach wenigen Kilometern in eine Polizeikontrolle. Wir unterhielten uns auf Englisch. Alles war okay. Doch der Beamte wollte wissen, wo es hingehen soll. Ich erklärte ihm, dass ich an die Küste wolle und dort hoffe, einen Campingplatz zu finden. Er gab die Papiere zurück und wünschte eine gute Fahrt, Herzlich Willkommen in Montenegro und ich mögen auf mich aufpassen. Doch gleichzeitig empfahl er auch, besser in einem Hotel zu übernachten. Hmmm, mit dieser Aussage wurde ich dann doch noch etwas beunruhigt und beschloss bis nach Kroatien weiter zu fahren. Ich erreichte die Küste, die sehr gut gefiel und fuhr auf der Küstenstraße nordwärts. Es wurde immer später und langsam kam auch die Dämmerung. 5 Kilometer vor der kroatischen Grenze kommt jedoch noch ein großer Fjord. Ich hatte kein Geld dabei und daher konnte ich die Fähre nicht nutzen, die am Fjordeingang zwischen den Ufern pendelt. So fuhr ich an der Küstenstraße einen riesigen Umweg in den Fjord hinein. Leider habe ich nicht viel von ihm sehen können, da es mittlerweile schon sehr dunkel war. Auch ein kleiner Campingplatz war rechts zu sehen, auf dem ein Wohnmobil stand. Doch ohne Geld? Kein Euro, kein Dinar, keine Bank, nichts. Etwas genervt von dieser langen und engen Straße fuhr ich so schnell es ging direkt am Wasser entlang. Auf der Nordseite des Fjordes (also wieder in Richtung offenes Meer) war die Straße breiter und ließ endlich eine schnellere Geschwindigkeit zu (40 km/h). Doch gleichzeitig hat dort die Polizei eine Kontrolle aufgestellt. Ich fuhr 58 km/h, wie sie mir freundlicherweise mitteilten. Um es vorweg zu nehmen: Ich unterhielt mich einige Tage später mit deutschen Touristen, sie sagten sofort, das wäre bekannt, dass dort abgezockt wird. Doch es war keine Abzocke. Ich war definitiv zu schnell und dort war eine ganz gewöhnliche Polizeikontrolle mit Radarmessung. Also musste ich gerechtfertigt eine Strafe zahlen. Sie betrug 23 Euro. Doch ich hatte immer noch kein Geld. So musste ich den Reisepass zurück lassen und zur nächstgelegenen Tankstelle. Dort erklärte ich an Hand von Handzeichen, dass mein Pass bei der Polizei liegt und ich zu schnell war. Die Leute lachten und fragten, wie viel Geld ich denn benötige. Ich sagte, dass ich umgerechnet 30 Euro brauchte. Der Kassierer bat mich um meine Kreditkarte, tat so, als hätte ich etwas gekauft, öffnete seine Kasse und es leuchteten nur Euroscheine aus der Schublade heraus. Dort gab es keinen einzigen Dinar, nur Euro! Ich war sehr froh, dass die Leute mir dort halfen. Normalerweise bekommt man kein Bargeld an einer Tankstellenkasse. So konnte ich also meinen Pass auslösen, wollte 23 Euro zahlen, bekam eine Quittung und der Polizist sagte, die 3 Euro schenke ich Ihnen. Er wollte bloß die Scheine. Abschließend ging es dann endlich zur Grenze und nach Kroatien, wo ich sehr spätabends einen Campingplatz direkt am Meer fand. Dieser Tag war sehr lang und anstrengend. Aber im Gesamten betrachtet, ein schönes Erlebnis. Interessant waren zum Abschluss noch die neu gebauten Grenzhäuschen. Denn vor wenigen Jahren gab es hier nun mal keine Grenze.
Dienstag, 10. Mai: Heute gabe es einen relativ ruhigen Tag, ich putzte das Auto und fuhr dann nach Dubrovnik. Weiter nordwärts kommt für zehn Kilometer ein kurzer Küstenabschnitt, der zu Bosnien gehört. Ich erwartete also zwei Grenzkontrollen direkt hintereinander, einmal nach Bosnien rein und kurz darauf wieder raus. Doch nichts. Es gab zwar dort Zöllner. Aber sie haben mich gelangweilt durchgewunken. Andere hielten erst gar nicht an, sondern rauschten schnell vorbei. Merkwürdig. Warum dann noch eine Grenze?
Nördlich von den Grenzpunkten ließen ich mich wieder auf einem Campingplatz nieder, da in Kroatien das freie Stehen angeblich nicht toleriert wird. Dieser und auch der gestrige Campingplatz wird im Übrigen von Deutschen geleitet. Überhaupt, man merkt, dass man wieder in einer touristischen Gegend steckt. Man ist nicht mehr alleine auf Campingplätzen. Zum ersten Mal auf der gesamten Reise übrigens.
Mittwoch, 11. Mai: Weil ich Anfang des Jahres einen Fernsehbericht über den Wiederaufbau der im Bosnienkrieg zerstörten Brücke in Mostar gesehen habe, wollte ich mir gerne diese Brücke und die Stadt Mostar anschauen. Also fuhr ins Landesinnere und passierten die Grenze zu Bosnien-Herzegowina. Auffällig auf bosnischer Seite waren die vielen kroatischen Flaggen, die über der Straße hangen. Also war dies der kroatische Teil Bosniens, aha. Ich werde dies alles wohl nie ganz verstehen, aber na ja. In Mostar angekommen, war die Brücke auch schon ausgeschildert. Ich bog rechts ab und ein junger Mann sprang mir plötzlich entgegen. In sehr gutem Deutsch fragte er, ob ich einen Parkplatz benötige. Er wies mir einen zu und bot seine Hilfe an, die Stadt zu zeigen. Allerdings bin ich nur davon ausgegangen, dass er mich zu dieser Brücke bringt. Aber nein, er wollte die gesamte Altstadt zeigen. So überquerten wir also diese Brücke, die im Krieg in den 1990er Jahren traurige Berühmtheit erlangte und liefen an Souvenirständen vorbei. Ich muss zugeben, es war informativ, was dieser Mann zeigte und nicht uninteressant. Aber nachdem ich das älteste Haus Mostars (das türkische Haus) kennen lernte und die Minarettspitze einer Moschee erklommen habe, wollte ich doch gerne alleine durch die Stadt laufen. Allerdings wollte er nun mittlerweile bezahlt werden. Tja, und das war der Fehler. Ich hätte ihn vorher fragen sollen. Wer wissen möchte, wie viel ich bezahlt habe für diese einstündige Führung, der soll mir bitte eine Mail schicken. Wer nicht fragt und nach Mostar fährt, der sollte besser von vornherein ablehnen oder einen Preis vorher ausmachen! Ich habe mich sehr über meine Dummheit geärgert. Aber gut, Fehler macht jeder mal.
Wie auch immer, interessant war es dennoch. Er erklärte zum Beispiel die Bedeutung der Todesanzeigen an den Hauswänden, die man auch schon in Bulgarien sehen konnten. Eine Anzeige in grün und mit Halbmond weist auf einen Verstorbenen Moslem hin. Eine schwarze Anzeige steht für einen Christen während eine Anzeige in kyrillisch für serbisch-orthodoxe Tote steht. Er selbst gab aber zu, dass seine Todesanzeige mal in blau sein wird. Sein Vater ist Moslem und seine Mutter Christin. Also wieder eine ganz neue Konstellation. Als ich beiläufig erwähnte, dass das ja alles viel zu kompliziert sei, erntete ich ein abfälliges: „Das ist aber Religion“. Ich dachte mir nur, dass dies der Grund ist, warum es hier ständig kracht und diese Region hier immer noch nicht stabil ist. Im Gesamten habe ich festgestellt, dass der Balkan der Übergang vom Christentum zum Islam ist und daher viel Zündstoff bietet. Aus meiner Sicht, völliger Quatsch, denn wenn man etwas toleranter wäre….aber was soll ich sagen? Ich habe die abgesperrten Minenfelder gesehen, die geteilte Stadt Mostar, zahlreiche Militärfahrzeuge der Deutschen, der Spanier und einiger anderer und ich habe nachmittags die Ruinen und Bombenkrater im Norden Kroatiens gesehen. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum man sich hier bekämpfen muss.
In Kroatien ging es dann nördlich von Split bis zu den Plitwitzer Seen, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind. Auf dem Weg dorthin fuhr ich durch eine wunderschöne Landschaft, die zum Teil auch an Skandinavien erinnerte. Wer Kroatien von Nord nach Süd durchqueren möchte, sollte das lieber nahe der bosnischen Grenze tun. Die Straßen sind gut und leer. Im Gegensatz zur Küstenstraße. Doch leider ist das freie Stehen in der Gegend nicht nur verboten, sondern zudem auch wegen der Minengefahr gefährlich. Das betrübt ein bisschen…
Donnerstag, 12. Mai: Ich schaute mir die Plitwitzer Seen an und machte einen langen Spaziergang dort. Es war richtig schön, an dem klaren Wasser entlang zu laufen. Abends machte ich mich nun schließlich auf den Weg nach Hause. Richtung Zagreb und von dort weiter nach Slowenien und Österreich. In Österreich hatte ich noch keine Vignette. Man wollte mich zwar auf die Autobahn schicken, damit ich an der nächsten Ausfahrt abfahren kann, doch der Zollbeamte meinte, das wäre nicht gut. Er telefonierte mit seinen Kollegen und kündigte an, dass ein Wohnmobil ohne Vignette unterwegs sei und ich aber eine Vignette kaufen möchte. Das Problem war mal wieder das fehlende Kleingeld. An der Vignettenstation konnte man leider nicht mit Karte bezahlen. Die Grenzbeamten und ich einigten uns aber darauf, dass ich über die Autobahn zurück nach Slowenien gehe und dort eine Vignette kaufe. Sehr nett waren sie und sehr bemüht, gar keine Frage.
Was mich nur ärgert, ist die Tatsache, dass ich trotz Vignette noch zweimal die Mautgebühr für zwei Tunnel zahlen musste.
Abends kam ich in Passau an und übernachtete auf einem Rastplatz.
Freitag, 13. Mai: Rückfahrt. Von Passau bis nach Essen ohne besondere Vorkommnisse. In exakt vier Wochen legte ich 7.000 km zurück und reiste durch 12 Staaten. Es war eine sehr interessante und aufschlussreiche Fahrt mit einigen kleinen Abenteuern. Doch eines steht fest, die Fahrt hat dazu beigetragen, einige Vorurteile abzubauen.
Viele Menschen auf dem Balkan sind arm, sehr arm. Aber mindestens genau so viele Menschen auf dem Balkan sind nett, sehr nett!
Kleine Statistik:
Bereiste Staaten: 12
Kilometer: 7.000
Mautgebühren: ca. 90 Euro
Sonstige Gebühren: Albanien 10 Euro für die Einreise; Albanien, Bulgarien, Montenegro: 5 Euro pro Desinfektionsbad (kommt man von Albanien nach Mazedonien, muss man dort auch durch ein Bad fahren)
Höchste befahrene Stelle: 1.900 m (Bulgarien)
Höchste Übernachtung: 1.600 m (Mazedonien)
Teuerste Übernachtung: 16 Euro (Campingplatz Plitwitz)
Günstigste Übernachtung: 16 x kostenlos, aber Campingplatz 5 Euro in Rila.
Am schönsten empfundenes Land: Mazedonien.
Günstigstes Internetcafe: umgerechnet 50 Cent für eine halbe Stunde in Bulgarien.
Teuerstes Internetcafe: 2 Euro/Stunde in Griechenland.
Polizeikontrollen, die einen anhielten: 6
Polizeikontrollen, die man gesehen hat: Unzählige!
Reparaturkosten: 5 Euro für Reifenreparatur, 65 Euro für Ein- und Ausbau Kardanwelle inklusive Ersatzteile.
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