Ausblick auf das Moseltal

Wandern im Calmont Klettersteig

Eine Wanderung auf dem Calmont Klettersteig ist immer ein Hochgenuss – wenn man es denn kann, sich sicher fühlt und man unterwegs keine Probleme bekommt. Denn für diesen Wanderweg muss eine Warnung ausgesprochen werden: Er ist nicht für Jedermann geeignet. Personen mit Kreislaufproblemen oder mit wenig Trittsicherheit wird von dieser Tour dringend abgeraten.

Der Calmont

Der Calmont

Der Grund hierfür ist eigentlich recht einfach: Der Calmont ist ein Weinberg und zwar der steilste Europas. Mit rund 60° Neigung ist es offensichtlich, dass ein falscher Schritt der letzte sein kann. Außerdem ist so ein Weinberg naturgemäß in Richtung Süden ausgerichtet, der prallen Sonne entgegen. Nicht nur im Hochsommer bildet sich zwischen den Weinreben ein Mikroklima, das man bei der Wanderung aushalten muss. Und gerade an heißen Sommertagen wird man sich möglicherweise wünschen, an kühlen und angenehmeren Orten unterwegs zu sein.

Beginn des Wanderwegs

Beginn des Wanderwegs

So kommt es nicht selten vor, dass ungeübte Menschen den Notruf tätigen und diese durch den Einsatz der Rettungskräfte aus dem Berghang geholt werden müssen. Selbstüberschätzung ist hier also wirklich völlig fehl am Platz.

Rundweg Todesangst

Rundweg Todesangst

Wir sind schon vor einigen Jahren durch den Calmont-Klettersteig gewandert. Damals war das im Rahmen einer Recherchereise, bei der ich zahlreiche Wanderungen an der Mosel unternommen habe, um sie später in meinem Mosel-Reiseführer zu beschreiben.

Aussichtspunkt Todesangst

Aussichtspunkt Todesangst

Unser erster Besuch fand in den späten Stunden eines lauen Sommerabends irgendwann unter der Woche statt. Mit uns wanderte nur ein anderes Pärchen, dass dort auf der Suche nach Geocaches war. Es war also ziemlich leer auf dem Wanderweg. Ganz anders aber dieses Mal, an einem Samstag im Frühsommer. Es war ziemlich voll und viele Wanderer waren auf dem Calmont unterwegs. Da muss man wissen, dass es dann auch schon mal zu Wartezeiten kommen kann, wenn man an Engstellen vorbei möchte.

Wanderer auf dem Calmont-Klettersteig

Wanderer auf dem Calmont-Klettersteig

Sowohl bei unserer ersten Tour als auch bei der Wanderung in der letzten Woche starteten wir in Ediger-Eller, wobei man auch in Bremm losgehen könnte. Doch den Start in Ediger-Eller finde ich sinnvoller, da man so das Gipfelkreuz am Ende der Wanderung erreicht und man über einen einfachen Waldweg gemütlich zurückkehren kann. Von Bremm aus wandert man zunächst durch den Calmont, geht dann lange durch den Wald und kommt schließlich am Gipfelkreuz aus, wo man den spektakulärsten Teil ja schon lange hinter sich hat.

Seil als Handlauf

Seil als Handlauf

Zunächst geht man am Bahnhof von Ediger-Eller steil nach oben und erreicht wenig später eine Gabelung, bei der man entweder etwas unterhalb durch den Weinberg gehen kann oder man entscheidet sich für den oberen Weg, der von den Touristikern netterweise als Rundweg Todesangst bezeichnet wurde. Er führt zum Aussichtspunkt Todesangst, der aus einem Felsvorsprung besteht, auf dem eine Deutschlandfahne installiert ist. gefährlich an diesem Aussichtspunkt ist die Tatsache, dass sich die Fahne im Wind dreht und einen von dem engen Ort hinunterschubsen könnte.

Michael Moll im Calmont

Michael Moll im Calmont

Was danach folgt ist ein Wechselspiel von Wanderwegen und Kletterelementen, das einfach nur Spaß macht. Auf der rechten Seite geht der Hang steil in die Höhe, während er zur Linken genauso steil abfällt und man immer einen Blick auf die Mosel und vor allen Dingen in die Tiefe genießt. Der Weg ist dabei immer nur so schmal, dass man hintereinander wandern muss. Ein Nebeneinander gibt es im Calmont nicht. So muss man sich bei Gegenverkehr entsprechend immer gegenseitig vorbeilassen.

Michael Moll oberhalb der Mosel

Michael Moll oberhalb der Mosel

Im Calmont Klettersteig muss man aber auch Höhenunterschiede überwinden und da wird es dann ganz spannend, denn sonst hieße er ja nicht Klettersteig. Wobei man hier anmerken muss, dass es sich nicht um klassisches Klettern mit Ausrüstung, Karabiner und dergleichen handelt. Vielmehr tritt man auf Stifte und Klammern, die in den Schieferfels geschlagen wurden, damit man nach oben, nach unten oder auch geradeaus weiter gelangt.

Es geht steil bergauf

Es geht steil bergauf

Hin und wieder sind manche Felsen auch über fest installierte Trittleitern zu überwinden und nicht selten hat man nur ein Drahtseil, dass als Handlauf dient. Andere Sicherungen, die einen möglichen Absturz verhindern könnten, gibt es nicht. Und jetzt kommt noch der Faktor Mensch mit seinen Kreislaufproblemen und das Wetter mit der Hitze in einem Weinberg hinzu. Also, nochmal an dieser Stelle der Warnhinweis, dass der Calmont nur geübte Wanderer zu empfehlen ist.

Blick in die Tiefe beim Wandern

Blick in die Tiefe beim Wandern

Hat man diese ganzen Schwierigkeiten überwunden, gelangt man zu einer Gabelung, an der man halbrechts den direkten Weg zum Gipfelkreuz nehmen kann oder man geht noch ein Stück durch den Weinberg bis Bremm. Wir hatten uns beim letzten Mal für letzteres entschieden und sind von dort über breitere Wege hinauf zum Gipfelkreuz.

Wilde Erdbeeren

Wilde Erdbeeren

Dort war es entschieden leerer und wir mussten über einen Zickzack-Weg nach oben, der teilweise sehr zugewachsen war. Das hatte aber den Vorteil, dass wir hier in den Genuss zahlreicher wilder Erdbeeren kamen und außerdem noch einigen Exemplaren des an sich seltenen Apollofalters begegneten.

Apollo-Falter

Apollo-Falter

Das hat uns besonders gefreut, da der Rote Apollo, wie dieser Schmetterling auch heißt, in Deutschland fast nur noch an der Mosel anzutreffen ist und selbst hier vor einigen Jahren kurz vor der Ausrottung stand. Aber es flatterten auch andere Schmetterlinge um uns herum, so wie das Tagpfauenauge, dass sich gemütlich auf meine Hand setzte, während ich gerabe bei einer kleinen Rast aufs Telefon schaute.

Apollofalter mit Rüssel

Apollofalter mit Rüssel

Nach dem beschwerlichen Aufstieg erreichten wir das Gipfelkreuz, wo wir an einer Baude etwas Kühles zu uns nehmen konnten. Die meisten anderen Wanderer genossen bei einem Glas Wein den Ausblick auf das Moseltal, das hier eine wunderbare Schleife bildet. Allerdings lohnt es sich, den Gipfel ein wenig hinabzusteigen, um die Moselschleife komplett zu sehen. Vom Gipfelkreuz selber ist der Blick ein wenig eingeschränkt.

Schmetterling will mitlesen

Schmetterling will mitlesen

Zum Abschluss der Wanderung folgten wir dem Waldweg, der oberhalb des Calmont verläuft und hin und wieder zu ebenfalls tollen Aussichtspunkten führt. Diese waren aber an besagtem Samstag letzter Woche alle rappelvoll. Und da wir die Ausblicke schon gut kannten, gingen wir schnurstracks zum Abstieg am Bahnhof Ediger-Eller und fuhren nach Ende der Wanderung noch zur Hängeseilbrücke Geierlay, wo es mindestens ebenso spektakulär für uns weiter ging.

Ausblick auf das Moseltal

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