Spiel mir das Lied von der Oleftalbahn

Wer erinnert sich noch an die legendäre Eingangsszene des Western-Klassikers „Spiel mir das Lied vom Tod“? Das Quietschen eines Windrads wechselt sich mit dem Tropfen von Wasser auf einem Cowboy-Hut ab. Gefühlte zwei Stunden warten wir mit den drei Cowboys darauf, dass der Zug einfährt. Wer dieses Gefühl einmal nacherleben möchte, der begibt sich am besten nach Olef in der Eifel.

Oleftalbahn

Oleftalbahn

Es ist Sonntagmorgen. 10 nach 10. Der dreieckige Marktplatz ist mit Kopfstein gepflastert. In einer schattigen Ecke steht eine Holzbank. Gleich gegenüber erheben sich ein paar schwarz-weiße Fachwerkhäuser. Eine Blendlade bewegt sich quietschend im leichten Wind. Vom letzten Regen tropft noch das Wasser von einem Dach in eine Pfütze. Ich sitze dort und warte auf den Zug. Um 10.23 Uhr soll er von der Westküste kommen – der Westküste des Rheins, aus der fernen Poststation mit dem Namen Köln.

Oleftalbahn

Oleftalbahn

Die Luft zittert vor Spannung. Rechts und links erheben sich die Berge der Sierra Eifel und bilden das Olef-Valley. Da – plötzlich öffnet sich schlagartig an einem der Häuser eine Tür. Eine alte Frau kommt heraus, huscht schnell über den leeren Dorfplatz. Um am anderen Ende in einem Beet Blumen zu zupfen. Um mich herum schwirrt eine Fliege. Sie nervt. Summend setzt sie sich auf den Holztisch. Mit einer ruckartigen Bewegung haue ich meine Kamera auf den Tisch und fange die Fliege mit meinem Objektiv. Ich decke das Objektiv mit meiner Hand ab und lausche, wie die Fliege in der Sonnenblende der Kamera aufgeregt hin und her summt.

Oleftalbahn

Oleftalbahn

Plötzlich ertönt in der Ferne ein Pfeifen. Und noch eins. Und ein drittes. Der Zug. Er kommt und kündigt sich an. Ich gewähre der Fliege ihre Freiheit, lade meine Kamera einmal durch und bereite mich auf den Showdown vor. Der Zug erreicht den Haltepunkt, bleibt stehen und öffnet langsam die Tür. In meinem Ohr höre ich die Melodie einer Mundharmonika. Ein in Weste gekleideter Mann steigt aus und nimmt das Gesetz in seine Hand. Mit seiner rot-weißen Flagge schreitet er vor dem Zug entlang und sichert den Dorfplatz. Ich lege meine Kamera an und drücke ab.

Die Eisenbahn fährt über den Markt

Die Eisenbahn fährt über den Markt

Ich werde Augenzeuge eines seltenen Ereignisses in Deutschland. Ein Zug rumpelt auf dem Gleis über einen Dorfplatz. Hier, in Olef City, kann man dieses Spektakel jeden Sonntag erleben. Mit der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn, also mit ein paar Minuten Verspätung, fährt der Zug im Schritttempo vom Ortseingang zum Ortsausgang. Dort wartet der Zug, bis der Cowboy von der Deutschen Bahn wieder einsteigt. Denn wie heißt es so schön im Western mit Charles Bronson: „Irgendeiner wartet immer.“

Die Bilder gibt es im Original auch in molls-reiseforum.de und hier natürlich noch den passenden Western dazu:

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