Sicherheit auf Wanderwegen

Wandern ist gesund. Wandern macht Spaß. Wandern ist erholsam. Wenn man es denn richtig macht. Dazu gehört die richtige Vorbereitung. Proviant und vor allen Dingen Wasser sind unterwegs wichtig. Doch je nach Region auch wetterfeste Kleidung und selbstverständlich festes Schuhwerk. Selbstverständlich? Dass das nicht immer der Fall scheint, sieht man auf den folgenden Beispielbildern.

Wandern mit Musik

Wandern mit Musik

Doch beginnen wir mit einem amüsanten Einstand. Dazu gehört der junge und natürlich verpixelte Mann auf Bild 1 mit seinen großen Kopfhörern. Ich muss zugeben, dass mir hier das Verständnis fehlt. Hallo? Da draußen gibt es zwitschernde Vögel, raschelndes Laub, rauschende Bäche. Da können doch keine musikalischen Klänge aus irgendeinem Tonstudio mithalten. Aber das muss jeder für sich selber wissen. Letztens sah ich ein junges Pärchen im Wald wandern. Beide liefen schweigend nebeneinander her und jeder hatte seinen eigenen Kopfhörer auf dem Kopf. Aber wie gesagt, darüber kann ich nur lachen.

Viele junge Wanderer

Viele junge Wanderer

Trauriger wird es beim Schuhwerk. Die folgenden Bilder sind alle auf norwegischen Wanderwegen aufgenommen worden, die man wohl als Hot-Spot bezeichnen könnte. Dazu gehören der Klassiker Preikestolen, der frühere Geheimtipp Kjeragbolten und die aufwändige Wanderung zur Trolltunga. Alle drei Wege werden überwiegend von der jüngeren Facebook-Generation aufgesucht und es scheint auf diesen Wegen ein wahres Rennen stattzufinden, um so schnell wie möglich am Ziel anzukommen und sein – mit dem iPhone aufgenommenes Foto – noch vor Ort zu twittern. Auf anderen, etwas abseits und damit deutlich ruhigeren Wanderwegen, die ich später noch beschreiben werde, ist dieses Phänomen in dieser Form nicht vorgekommen.

Wandern mit Sandalen

Wandern mit Sandalen

Klettersteige mit ausgelatschten Turnschuhen wie auf Bild 2 sind noch die harmlose Variante und bei trockenem Gestein sicherlich auch gut machbar. Fortbewegen kann man sich auch in Sandalen so wie auf Bild 3. Umknicken möchte ich damit aber nicht. Die junge Dame auf Bild 4 hat sich dafür aber der Natur modisch sehr schön angepasst.

 

Wandern mit Stoffschuhen

Wandern mit Stoffschuhen

Aber ob Stoffschuhe geeignet sind, um wie hier zum Kjeragbolten zu wandern? Nun, im Gegensatz zu der Dame auf Bild 5 waren die grünen Stoffschuhe wohl noch die bessere Wahl.

 

 

Wandern mit Stöckelschuhen

Wandern mit Stöckelschuhen

Zugegeben, für diesen Blogartikel musste ich den Unterschied zwischen Pumps und Stöckelschuhen ergoogeln (ich bin halt ein Mann 😉 ) und dabei habe ich gesehen, dass es mittlerweile sogar hochhackige Sportschuhe von namhaften Sportartikelherstellern gibt. Aber bitte, wer geht denn ernsthaft damit los, einen Berg zu besteigen?

 

Mit Tüte auf dem Wanderweg

Mit Tüte auf dem Wanderweg

Zumindest nicht die junge Asiatin auf Bild Nummer 6. Sie scheint zwar gerade vom Einkauf zu kommen, aber ihre Absätze sind flach. Wenn sie vom Preikestolen gesund zurückkam, wird sie aber sicherlich bemerkt haben, dass sie falsche Schuhe an den Füßen trug. Wo doch das Rosa jetzt nicht mehr so schön leuchtet. Ist halt nicht alles eine schicke Fußgängerzone, wo Autos nicht entlang fahren. Aber wo wir gerade vom Einkaufen reden.

Kein Rucksack?

Kein Rucksack?

Auch am Kjeragbolten muss wohl eine Boutique aufgemacht haben, wie Bild 7 beweist. Dass man sich unterwegs auch mal abstützen oder einen Bach passieren muss, stand aber anscheinend nicht in der Anfahrtsbeschreibung. Sonst hätte die junge Frau wohl vielleicht etwas zum Tragen gewählt, damit sie ihre Hände frei hat (Bild 8).

 

Später braucht sie alle Viere

Später braucht sie alle Viere

Mensch, Leute. Ein vernünftiger Rucksack, gefüllt mit Trinkwasser und ein paar Lebensmitteln sowie festes Schuhwerk sollten wirklich drin sein, wenn man sich auf solche Wanderwege begibt. Ich weiß, dass die meisten dieser unvernünftigen Wanderer es gesund hin und auch wieder zurückgeschafft haben. Aber eben nur die meisten. Für die anderen müssen Rettungskräfte mit dem Helikopter kommen und sich in diesem Gelände selber in Gefahr begeben, wie man auf Bild 9 sieht.

Rettungshubschrauber

Rettungshubschrauber

Übrigens, die Schuhe auf Bild 10 sind meine eigenen und ich bin der oberbayerischen Firma Hanwag wirklich dankbar dafür, dass sie solche Schuhe fertigen. Denn es geht noch nicht einmal um die Sicherheit, sondern auch um die Bequemlichkeit. Ich denke mit Grausen an den weiblichen Teenager zurück, der in 1.100 Metern Höhe bei wenigen Plusgraden auf dem Weg zu Trolltunga war. Dabei muss nämlich ein kleiner Bach durchquert werden. Die Stoffschuhe der jungen Dame waren völlig nass und ich will nicht wissen, wie viele Stunden sie noch mit den kalten und durchnässten Zehen wandern musste. Da trete ich doch lieber in Bäche, Pfützen und Matsch ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob ich nasse Füße bekomme.

Vernünftiges Schuhwerk

Vernünftiges Schuhwerk

Viel Spaß beim Wandern und passt auf euch auf!

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Manchmal wäre die bessere Wahl: keine Schuhe. Aber Begegnungen ähnlicher Art hatte ich in der vergangenen Woche erst in der Ehrbachklamm im Hunsrück. Von der Mosel aus sind dort offenbar einige Tagestouristen „mal auf einen Sprung“ in die Klamm gestiegen. Ich warte auf den Tag, dass sich diese speziellen Wanderer beklagen, warum diese „ach, ist das schön hier“-Wege nicht mit dem Auto befahrbar sind.

  2. Hallo Elke, hallo Georg,

    ja, diese „Wanderer“ sorgen dafür, dass wir Probleme mit dem Nacken bekommen – vor lauter Kopfschütteln. Aber Georg: Sagen diese Leute das nicht sowieso schon?

    • Ich weiß es nicht, ich trage ja diese großen Kopfhörer und höre nichts.

      Aber du hast sicher recht. Sobald sie ihre wunden Füße bestaunen, werden ihnen solche Verbesserungsideen kommen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit bei den zuständigen „Berg- und Waldverwaltern“ auf taube Ohren stoßen und wir vor „Drive-in-Wäldern“ verschont bleiben.

  3. Hi Michael!

    Eine schöne Zusammenstellung – an den touristischen HotSpots dieser Welt kommt man oft aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Neuseeland stellt inzwischen Tafeln auf, auf denen klar hingewiesen wird, dass FlipFlops für die betreffende Tour zum Beispiel nicht ausreichen…

    Aber während ich Deinen Artikel so gelesen habe, kam mir ein entgegengesetzter Gedanke: Schon öfter habe ich mich gefragt, ob wir „Outdoorer“ es nicht manchmal übertreiben – sind für eine kurze Wanderung wirklich die festen Hanwags nötig? Braucht man für ein paar Stunden draußen wirklich einen Rucksack? Ich persönlich würde bei diesen Fragen sofort mit „JA“ antworten – es ist sicherer, man sollte auf einen Wetterumschwung vorbereitet sein. Ja. Aber vielleicht übertreiben wir es auch? Wir Menschen sterben nicht, wenn wir tatsächlich mal das Unglück haben sollten, in einen kräftigen Regen zu kommen. Wir verdursten auch nicht sofort, bloß weil wir mal einen Tag ohne Wasser sind. Und wir dürften es eigentlich auch überleben, in dünnen Sandalen, in Stoffschuhen oder gar barfuß irgendwo entlang zu laufen – manchmal habe ich sogar Respekt für diesen Ladies, die in Stoffschuhen zum „Wandern“ gehen. (Oder die Bergkumpels meines Vaters, die mit normalen Wollpulli, riesigem Holzpickel und uralten Wanderschuhen auf Hochtour gehen…) Ich denke mir dann, dass ich das niemals aushalten würde und dass die eigentlich viel „härter“ sind als ich. Übertreiben wir „Outdoorer“ es also? Brauchen wir immer das 100% Wasserdichte, das 110% Robuste, müssen wir wirklich auf jeglichen Fall vorbereitet sein? Oder hat uns das das Marketing der Hersteller nur eingetrichtert? Ich weiß es nicht. Es ist nur so ein Gedanke, der mir in letzter Zeit immer wieder kommt…

    😉 Liebe Grüße!
    Erika
    ulligunde.com

    • Hallo Erika,

      danke für deinen Kommentar. In der Tat ein interessanter Blickwinkel.
      Ich muss zugeben, dass auch ich schon ähnliche Gedanken hatte, was die Ausrüstungsgegenstände allgemein betrifft. Aber die Erfahrung hat bei mir gezeigt, dass es ein paar grundsätzliche Dinge gibt, die ich persönlich unterwegs für wichtig halte.
      – Zum Beispiel habe ich immer ein bisschen Wasser dabei. Selbst auf kurzen Touren ohne Sonne. Mir ist es schon passiert, dass ich nur noch einen Kilometer vor dem Ziel ein Insekt verschluckte. Ich hätte beinahe alles gegeben für einen Schluck Wasser. Natürlich, es ging auch so. Aber schöner wäre es anders gewesen.
      – Seitdem ich die Hanwags habe, will ich einfach mit nichts anderem wandern gehen. Weniger eigentlich wegen der Sicherheit, sondern auch wegen der Bequemlichkeit. Wie schön ist es, durch das Hohe Venn zu schlendern und sich nicht darum kümmern zu müssen, einer kleinen Pfütze auszuweichen 😉

      Aber dann gibt es Sachen, die für mich nicht zwingend sind, beispielsweise:
      – Würde mein GPS-Gerät unterwegs ausfallen: Schade um den Track, aber nicht schlimm. Geht auch so.
      – Regenjacke? Selten, weil ich sonst sowieso von innen nass werde.
      – Im letzten Jahr stand ich mit nacktem Oberkörper in 1.100 Metern Höhe bei 3 Grad und leichtem Regen in Norwegen auf einem Wanderweg und musste mein nassgeschwitztes T-Shirt wechseln. Funktionswäsche besitze ich nicht, es geht ja auch so.

      Ich befürchte, man kann hierüber trefflich diskutieren. Ich kenne Leute, die reisen ohne Impfung und Krankenversicherung durch die Welt. Würde ich nicht machen und es geht in den meisten Fällen auch gut – aber eben nicht immer. Und andere wiederum können wahrscheinlich nicht ohne ihren mp3-Player durch die Natur ziehen.
      Muss mal schauen, ich werde demnächst mal in meinem Forum (http://www.molls-reiseforum.de) einen Thread dazu starten. Ist ein interessantes Thema.

      Liebe Grüße
      Michael

  4. Pingback: Wanderzielgruppen die Zweite » Das Blog von Manuel Andrack

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