Ausweichbucht auf kleinen Straßen

Fahren im Linksverkehr

Nach meiner Wohnmobilreise durch Großbritannien und Irland wurde ich im Bekanntenkreis einige Male auf den dortigen Linksverkehr angesprochen. Meistens mit der Bemerkung, dass man sich das gar nicht vorstellen könne, dort zu fahren. Das hat mich doch ein wenig überrascht, denn so spannend finde ich den Linksverkehr nun nicht gerade.

Zum ersten Mal habe ich Linksverkehr erleben dürfen, als ich im Rahmen einer Frachtschiffreise Landgang in Trinidad hatte. Dort war ich allerdings nur als Fußgänger unterwegs und habe daher nicht so viel davon mitbekommen. Im Jahr darauf fuhr ich zum ersten Mal mit einem Wohnmobil nach Südengland und habe mich recht schnell an den Linksverkehr gewöhnt, was mir auch bei meiner späteren Reise mit dem Pkw nach London recht nützlich war. Dazu, wie man mit einem Wohnmobil nach London fährt, hatte ich ja bereits etwas geschrieben.

Ich würde behaupten, als Eingewöhnungsphase ist eine kurze Tour auf der Autobahn nicht das Schlechteste, denn dort kann man wenig falsch machen. Den Gegenverkehr, der ja nun weit weg auf der rechten Seite stattfindet, bemerkt man kaum. Schnellere Fahrzeuge überholen natürlich rechts, aber das sieht man dann entsprechend im rechten Rückspiegel. Weniger Bedeutung hat nun der linke Rückspiegel. Den benutzt man eigentlich erst dann wieder, wenn man selber mal zum Überholen angesetzt hat und nun wieder auf die langsamere, linke Spur einscheren möchte.

Auch im Stadtverkehr empfand ich das Fahren nicht als besondere Herausforderung. Linksabbiegen ist deutlich einfacher als bei uns und entspricht logischerweise unserem bekannten Rechtsabbiegen. Nur beim Rechtsabbiegen sollte man sich ein wenig mehr konzentrieren. Denn wir sind es natürlich gewohnt, zügig rechts abzubiegen. In Ländern wie England darf man dann aber nicht vergessen, dass dort noch Gegenverkehr kommen kann.

Das Einfahren in Kreisverkehre gefiel mir sogar besser als auf dem europäischen Festland. Denn normalerweise muss man beim Einfahren nach links schauen und dabei, je nach Kreisverkehr, sich den Hals verdrehen bzw. durch die Seitenscheibe schauen, ob der Weg frei ist. In Ländern mit Linksverkehr muss man dementsprechend ganz bequem durch die Windschutzscheibe nach halbrechts blicken. Ist nur blöd, wenn man jemand kommt, man warten muss und dann doch den Oberkörper verdrehen muss, um überhaupt noch etwas zu erkennen. Das gilt natürlich alles für linksgesteuerte Fahrzeuge. In Rechtslenkern sieht das noch ein wenig anders aus.
Apropos Rechtslenker und Linkslenker: Hier sollte natürlich nicht vergessen werden, dass die Scheinwerfer der linksgesteuerten Fahrzeuge für den Rechtsverkehr ausgerichtet sind und in England eventuell blenden können. Dazu hatte ich schon mal etwas im Blog unter „Es werde Licht“ geschrieben.

Kleinere Vergesslichkeitsprobleme hatte ich jedoch in den einsamen Highlands von Schottland. Wenn man dort auf einer schmalen, einspurigen Straße unterwegs ist und dem Gegenverkehr an einem sogenannten Passing Place Platz machen möchte, dann wollte es mir durchaus passieren, dass ich aus Gewohnheit die rechtsseitige Lücke zum Platz machen benutzen wollte. Das hat zwar keine dramatischen Auswirkungen, aber führt beim Gegenverkehr natürlich zu Verwirrungen, weil das eigentlich seine Lücke gewesen wäre.

Alles in allem kann ich aber nur sagen, dass die Angst vor dem Linksverkehr überschätzt wird. Und wenn man erst einmal ein paar Meilen zurückgelegt hat, dann sollte man sich noch zum spektakulären Kreisverkehr in Swindon begeben. Hat man den geschafft, dann schreckt man vor dem Linksverkehr sicher gar nicht mehr zurück.
Hier ein paar Aufnahmen aus London und Liverpool, wie man sich ganz normal durch den Straßenverkehr bewegt:

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Artikel, aber die Angst vor dem Linksverkehr habe ich immer noch, vielleicht liegt es auch daran das ich erst seit wenigen Jahren meinen Führerschein habe vielleicht auch weil ich einfach ein kleiner Angsthase bin 🙁

    bis zum nächsten mal,
    martin

    • So schlimm ist es wirklich nicht. Einfach auf einer ruhigen Straße am Anfang ein wenig eingewöhnen und der Rest kommt von ganz alleine 😉

  2. Hallo Michael,

    danke für den super Artikel. Ich war bereits im Linksverkehr unterwegs, jedoch nur mit einem Rechtslenker. Dies empfand ich als sehr angenehm und die Umstellung ging schnell. Nun werde ich jedoch morgen mit meinem eigenen Wagen in den Linksverkehr aufbrechen. Hast du hier Tipps bzgl. Überholen? Ich bin leider alleine unterwegs und habe hierzu leider keine Hilfe durch den Beifahrer 🙁
    Viele Grüße
    Frank

  3. Pingback: 2015 - Mit dem Wohnmobil durch England und Wales

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