Landschaftsveränderung durch Braunkohleabbau

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    • Da würde ich gerne ein paar Gedanken dazu schreiben. Ich wohne nur ca. 20km entfernt von dieser Stelle. Vor einigen Jahren bin ich noch durch die Reste von Pesch gefahren und es war ein sehr bedrückendes Gefühl. Später war ich mal mit meinem Sohn ganz bewußt in Borschemich, ein Nachbarort von Pesch, der zu dem Zeitpunkt noch von einigen Menschen bewohnt war, aber wo Stück für Stück schon abgerissen, abgetragen und leergezogen wurde. Da gab es u.a. eine nette kleine Kirche, die wir damals noch besuchen konnten. Schöner Kirchgarten mit altem Baumbestand, ein kleine Friedhof, ein Stück weiter ein schönes alten Herrenhaus... Voriges Jahr wollte ich da nochmal durch. Die Kirche ist schon abgerissen, der alte Ort schon gesperrt und zur Hälfte weg. Lohnt sich das wirklich? So viele Menschen einfach umzusiedeln, die Natur und Kultur dort aufzugeben? Ich finde es schrecklich.
      Ja klar, wir alle wollen Strom haben, brauchen ihn. Teuer soll er auch nicht sein. Aber diese Vernichtung an Kulturlandschaft ist es meiner Ansicht nach nicht wert.
      Und was da drum herum noch an Aufwand getrieben wird. Einige werden es wissen, in diesem spätestens aber nächsten Jahr soll die komplette A61 zwischen den Kreuzen Jackerath und Wanlo weggebaggert werden (etwa 8km lang). Vor vielen Jahren traf es schon die A44. Nun, eine Autobahn abzureißen ist ja mal was, die Kosten sicher nicht so drastisch. Klar, aber: die müssen später wieder aufgebaut werden! Das heißt, nur für Kohle werden hier zwei Autobahnabschnitte abgetragen und Jahre später neu gebaut!
      Die Proteste der Anwohner sind mittlerweile verstummt. Hier und da sieht man noch einzelne Transparente an Hauswänden hängen, aber ich glaube die meisten haben resigniert. Mich betrübt die Sache sehr!
      Wer sich das Elend mal anschauen möchte, kommt unbedingt mal vorbei! Bei N 51.045530°, E 6.463395°gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man den Tagebau gut überblicken kann. In der Zufahrt überquert man übrigens auch die alte Trasse der A44. Pesch und Spenrath sind mittlerweile weg. Von Borschemich findet man noch ein paar Reste, aber die Zufahrt zum Ort ist mittlerweile für Autos gesperrt (N 51.083495°, E 6.420947°).
      LG
      Volker
      Volker und Corinna, im Dethleffs Trend A 6977
    • Danke für die Infos. Dass mit der A 61 wusste ich noch nicht.
      Ja, es ist erschreckend. Mir kam das letztens wieder in den Sinn als ich nach Stolberg zum Vortrag fuhr. Auf meinem Navi wurde Pesch noch angezeigt und als ich nach links blickte, wo der Ort sein sollte, da sah ich - nichts. Der Ort, wo ich also dieses Foto und noch viele andere machte, ist einfach weg. Und es ist noch nicht mal möglich, den einstigen Ort zu sehen oder gar zu besuchen. Man blickt einfach nur in ein großes Loch mit vielen verschiedenen Brauntönen.
      Was diesen Eingriff in die Landschaft angeht, habe ich dann einfach die Hoffnung, dass sich die Menschen in 150 Jahren an einem großen See erfreuen können.
    • Habe jetzt auch den link gefunden zu der Galerie, die ich hier in 2015 eingestellt hatte:

      dieweltenbummler.de/Forum/gall…16-anti-kohle-kette-2015/

      Damals waren es über 6.000 Menschen die sich an diesem Loch versammelten.

      Aber, lieber Michael, ...

      Michael Moll schrieb:

      Was diesen Eingriff in die Landschaft angeht, habe ich dann einfach die Hoffnung, dass sich die Menschen in 150 Jahren an einem großen See erfreuen können.
      ... der zukünftige See mag ja etwas schönes sein, aber allein der Gedanke daran, dass eben 150 Jahre zuvor aus einem der fruchtbarsten Böden Deutschlands "normales" Land oder eben ein See entstanden ist ist wahnsinn. In Millionen von Jahren wurde hier eben etwas geschaffen, was der Mensch, oder eben die Profitgier der Rheinbraun Aktionäre mit einem kurzen Federstrich beseitigen.
      Mich treibt sowas immer wieder an, an den Verstand des Menschen zu zweifeln.
      ?(
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi

    • Michael Moll schrieb:


      Was diesen Eingriff in die Landschaft angeht, habe ich dann einfach die Hoffnung, dass sich die Menschen in 150 Jahren an einem großen See erfreuen können.
      Wir hier "im Osten" :/ kennen die Tagebaue ja auch zur Genüge, gerade bei uns im Leipziger Raum.
      Inzwischen sind hier tatsächlich viele der sogenannten Restlöcher geflutet worden und es entstehen nach und nach schöne Seen mit allem, was dazu gehört:leipzigseen.de/die-seen.html
      Den Frevel an der Natur kann man nicht mehr rückgängig machen, aber man versucht jetzt jedenfalls, das Beste daraus zu machen.
      Viele Grüße aus Leipzig,
      Heiko
      ____________________


      Aus einem "Bald" sollte man viel öfter ein "Jetzt" machen, bevor ein "Nie" daraus wird...
    • Hallo Heiko

      Ja, diese "Sünden" auch bei Euch habe ich mir schon einmal angeschaut. In Sachsen-Anhalt, den Geiseltalsee. Sicher ist es ein herrliches Gebiet, was die Erholung betrifft, und ja, es sind nicht einfach nur Löcher zurück gelassen worden.
      (siehe hier: take-a-walk-on-the-wildside.de/sachsen-anhalt/)
      oder auch hier in diesem Forum: dieweltenbummler.de/Forum/gallery/album/28-sachsen-anhalt/
      Und ebenfalls keine Frage, als die Menschen anfingen die Braunkohle zu nutzen, im Tagebau, war es bestimmt auch zu damaliger Zeit DIE Lösung. Ich finde es nur schlimm und verwerflich, dass der Mensch auch heute noch an dieser Technik festhält, obwohl es eben Alternativen gibt. Eine davon ist eben nicht nur neue Technik sondern eben auch ein verändertes Bewusstsein, wie wir Menschen eben leben.
      Aber das würde hier jetzt zu weit führen.
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • rabe schrieb:

      Ist aber immer wieder spannend wo überall noch "alte" Zeitzeugenfotos auftauchen.
      Das fasse ich als Aufforderung auf. Ich hätte da noch was. Die Bilder sind aus 2011 und ich habe sie extra in die Galerie hochgeladen. Wer also auf das Bild klickt, kann in der Galerie bei Googlemaps den Aufnahmeort sehen. Die Satellitenbilder sind deutlich aktueller und so sieht man, dass dort, wo ich damals die Bilder gemacht habe, heute schon der Bagger war (gilt nicht für jedes Bild):





















      rabe schrieb:

      der zukünftige See mag ja etwas schönes sein, aber allein der Gedanke daran, dass eben 150 Jahre zuvor aus einem der fruchtbarsten Böden Deutschlands "normales" Land oder eben ein See entstanden ist ist wahnsinn.
      Nicht, dass du mich falsch verstehst, wir sind uns einig und ich will jetzt auch absolut nichts schön reden. Aber was die Landschafts-Veränderungen durch den Menschen angeht, gibt es - meiner Meinung nach - so vieles, was heute als völlig normal betrachtet wird. Eben, weil unsere Generation das mittlerweile gar nicht mehr anders kennt.
      - da wären zum Beispiel die vielen Baggerseen in Nordrhein-Westfalen (und sicher auch woanders). Mir ist das erst im Laufe der Jahre durch Recherchen für verschiedene Wanderführer aufgefallen. Ich habe mittlerweile so viele Wanderungen gehabt und beschrieben, die irgendwo an einem Baggersee vorbei führen, und sei der See noch so klein. Das hätte ich vorher gar nicht gedacht. Vom Verfahren her ist das ja vergleichbar, nur in einem extrem kleineren Umfang.
      - Stauseen generell. Auch das sind ja Veränderungen in der Landschaft. Die fünf Stauseen der Ruhr sind dabei noch ziemlich lächerlich. Aber man denke an die vielen Seen, bei denen Menschen umgesiedelt werden mussten.
      - Flussbegradigungen. Furchtbar und bringt viele Nachteile mit sich, ganz klar. Aber andersherum gibt es unheimlich viele Altarme beispielsweise des Rheins, die heute tolle und wichtige Naturschutzgebiete sind.
      - Niederlande. Da fällt mir spontan die Insel Schokland ein. Sie war eine Insel in der Zuiderzee. Beides gibt es heute nicht mehr. Dafür haben wir jetzt das Ijsselmeer.

      Wie gesagt, alles hat seine Vor- und Nachteile. Aber es gab im Laufe der Vergangenheit schon so viele Veränderungen, mit denen wir heute gar nicht so unzufrieden sind. Und daher schöpfe ich daraus die Hoffnung, dass unsere Nachkommen auch eines Tages sagen: "Och, nett hier am Indesee" oder so etwas ähnliches. Und dabei vielleicht gar nicht darüber nachdenken, dass heute dafür Menschen ihre Heimat aufgeben mussten.

      Und es gibt ja auch gegenteiliges, also positive Eingriffe und Veränderungen. Du kennst sicherlich auch noch die alte Phoenix-Hütte in Dortmund. Ich hatte als Kind Angst, wenn meine Eltern mit mir abends durch Dortmund gefahren sind und der Himmel blutrot leuchtete, weil wieder Stahl abgestochen wurde. Heute sieht man von dem Werk nichts mehr und man hat das riesige Areal zum Phoenix-See umgewandelt. Natürlich ist und bleibt es ein künstlicher See, aber ich finde, besser so als gar nichts.


      Bandit-LE schrieb:

      kennen die Tagebaue ja auch zur Genüge, gerade bei uns im Leipziger Raum.
      Wie schaut's denn da bei euch so generell aus? Wurde das eigentlich gut angenommen oder ist man dem heutigen Bild eher abgeneigt?
    • Danke Michael für das Herauslösen aus dem "Bild-des-Tages-Thread". Ich hatte nicht die Absicht, den Thread zu sprengen, so hier ist es auf jeden Fall besser.

      Zur Sache: mir ist klar, daß wir ohne die Energie durch die Braunkohle nicht unseren Lebenstandard haben können, den wir ja so schätzen. Trotzdem darf man angesichts des Ausmaßes und der Konsequenzen dieses Handelns beeindruckt, wenn nicht gar geschockt sein.

      Was wir hier sehen, sollte unser Bewußtsein um den Wert von Energie schärfen! Sie kostet nicht nur ein paar Cent pro Kilowattstunde, sondern einigen von uns kostet sie auch die Heimat.

      LG
      Volker
      PS: ich möchte noch betonen, daß ich nicht selbst betroffen bin, ich stamme nicht mal aus dieser Region, bin erst in den 90ern hergezogen, es könnte mir also (fast) schnuppe sein. aber wenn man dann mal an der Abbruchkante steht, ist man schon für eine Weile stumm....
      Volker und Corinna, im Dethleffs Trend A 6977
    • Micha, ich denke, das wird zum großen Teil sehr gut angenommen. Einige der Seen sind noch in Flutung, einige jedoch auch schon "fertig". Es sind asphaltierte Rundwege entstanden, Campingplätze verschiedener Preisklassen, Hotels direkt am See, Ferienhäuser, Wohnmobilstellplätze, Wildwasserstrecke... Es ist fast alles vertreten.
      Sogar eine schwimmende Kirche im Störmthaler See: vineta-stoermthal.de/.
      So ist für (fast) jeden etwas dabei, es werden Wanderungen veranstaltet und Radrennen...
      Der Werbeliner See ist sogar zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Ob es nun wirklich nötig war, so einen riesigen See unter Naturschutz zu stellen, so dass man nicht einmal Boot fahren darf oder baden gehen kann, ich weiß nicht. DAS hat die Gemüter erhitzt.
      Viele Grüße aus Leipzig,
      Heiko
      ____________________


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